Mittwoch 1. August 2018

 

Wir machen früh am Steg von Marino di Campo an, für Dingis hat s hier fast keinen Platz, kein Wunder also, wenn an der Anlegestelle immer ein grosses Gedränge herrscht. In der Bar «Ilvelerio» bestellen wir einen Capucchino und ein Cornetto con Marmelata, es schmeckt beides sehr gut. Sonst verpflegen wir uns lieber an Bord, auch die Preise in den Restaurants befinden sich gerade in einem extremen Sommerhoch!
Der Weg in den örtlichen Supermarkt ist wenigstens zum grossen Teil im Schatten, es ist zwar erst kurz vor Zehn, aber bereits ordentlich heiss. Im Rückweg schleppen wir dann einige Taschen mit Frischwaren und Getränken.
Einfach nur super, dass wir nach der Rückkehr an Bord einfach ins kühle Wasser springen können. Gegen Abend füllt sich die Bucht wieder mit anderen Booten, die hier auch ankern wollen. Wir stossen im Cockpit mit einem Planteur auf den 1. August in der Schweiz an und schicken ein paar liebe Grüsse in die Schweiz.

 

Donnerstag 2. August 2018 - Ausflug nach Portoferraio
Heute wollen wir mit dem Bus nach Portoferraio und machen uns dazu wieder früh auf in Richtung Landesteg. Weil ein netter Zeitgenosse sein Riesengummiteil genau längs am Steg festgemacht hat, müssen wir dessen Strippen lösen und neu festmachen. Darauf werden wir lautstark zusammengeschissen, was wir mit seinem Tender machen. Mein Hinweis, nächstes Mal etwas gescheiter festzumachen und auch an andere Anleger zu denken, wird mit einer weiteren Tirade kommentiert. Wir können nur den Kopf ob dem Hitzkopf schütteln und hoffen im Stillen, dass der (…) keine Rache an unserem Dinghi nimmt. Mit etwas gemischten Gefühlen besteigen wir den Bus, der uns in einer guten halben Stunde ins Zentrum von Portoferaio bringt.
Es ist heiss!
kehren in der Bäckerei zu einem Capucchino ein, wo wir vor fünfzehn Jahren das erste auf Elba für einen Segeltörn waren. Es sieht immer noch gleich aus und auch der Capucchino ist immer noch genauso gut, wie damals. Wir steigen die enge Strasse zur Fortezza Falcone hoch.
Es ist HEISS!
Wir kommen arg ins Schwitzen, nur gut haben wir vorsorglich Wasser im Rucksack dabei. Die Aussicht von oben entschädigt uns für die Plackerei.
Wir schlendern noch hinüber zur Villa, wo Napoleon hier im Exil lebte. Den Besuch derselbigen schenken wir uns allerdings.
Es ist noch Heisser!
Schleunigst gehen wir über die Treppen wieder hinunter in die Stadt, unsere Wasserflasche ist bereits ausgetrunken und wir haben ziemlich grossen Durst. Es gibt hier etliche neue und neu renovierte Lokale, die italienische Spezialitäten zu gehobenen Preisen anbieten. Wir lassen diese links liegen, nicht nur aus Rücksicht auf unser Budget, sondern weil wir ob der Hitze einfach keine Lust auf Linguine und Tagliatelle haben. Wir sind echt mit einem Glas kühlen Bier’s zufrieden.
Nach einem abschliessenden Spaziergang rund ums Hafenbecken, welches erstaunlicherweise ziemlich leer ist, machen wir uns wieder auf den Heimweg nach Marina di Campo.
Glücklicherweise schaukelt unsere Snoopy unbehelligt am Steg und bringt uns in wenigen Minuten wieder zurück zur Santjana. Schell aus den Kleidern und ins kühle Meer!
Wir scheinen für unseren Ausflug nach Portoferraio aber auch ausgerechnet einen der heissesten Tage ausgesucht zu haben.

 

3./4./5. August 2018 – Marina di Campo

Wir geniessen die Bucht und das blaue Meer in vollen Zügen. Von zuhause bekommen wir Nachrichten zur Hitze und Trockenheit. Wir wünschen der Schweiz ein paar niederschlagsreiche Tage und etwas Erleichterung der angespannten Lage.
Die Abende an Bord sind super, wenn die Sonne langsam dem Horizont zustrebt und eine kühle Abendbrise über das Wasser in der Bucht streicht. Dazu ein Glas Rosé, so kommt das richtige Feriensegler Feeling auf.

Montag 6.August 2018 – Marina di Campo

 

Ein letztes Colazione al Elba – Cappuccino mit Cornetto marmelata, nochmals frische Früchte und Gemüse einkaufen samt was man sonst noch alles so braucht in den nächsten Tagen. Morgen soll es weitergehen in Richtung Korsika. Den Rest des Tages geniessen wir nochmals das erfrischende Bad in der Bucht von Marina di Campo. Gegen Abend kommt der Kutter, der Passagiere zwischen Marina di Campo und Pianosa hin und herfährt sehr nahe zu uns ankern. Meine Frage, warum man 10 Meter von uns weg den Anker werfen muss, wird mit einem unfreundlichen Achselzucken beantwortet. Als der Bug des Kahns sich uns immer mehr nähert stehe ich demonstrativ aufs Vorschiff und rufe denselben Satz nochmals hinüber. Keine Antwort, aber immerhin geht man etwas mehr auf Distanz, immerhin….

 

Dienstag, 7.August 2018 – Marina di Campo – Korsika

 

Um 7.30 sind wir schon wach und mach uns bereit zur Abfahrt. Ich starte die Ankerwinde, die sich rumpelnd zu drehen beginnt, allerdings um nach einigen Sekunden wieder zu stoppen. Bein widerholten drücken der Auf-Taste passiert nichts mehr. Guter Rat teuer, den Rest des Tages verbringe ich mit Fehlersuche. Schalter, Sicherung, Relais, alles scheint in Ordnung zu sein, also muss es der Motor sein, der seinen Geist aufgegeben hat. Wo kriegen wir auf die Schnelle einen neuen Motor her? Portoferraio oder Bastia auf Korsika? Ich tippe auf Bastia, also nächsten Morgen Anker hebe auf die alte Art mit Muskelkraft.

 

Mittwoch, 8. August 2018 – Marina di Campo nach Bastia

Die 60 Meter Kette manuell einholen sind ein sehr muskelintensiver Sport, es dauer eine gute Viertstunde bis die Kette eingeholt ist. Das Klack-Klack der Winde ist weithin zu hören, naja, es ist immer hin schon knapp acht Uhr, somit sollten eigentlich schon bereits alle wach sein. Wenn nicht, sind sie es jetzt mit Sicherheit. Die Überfahrt nach Bastia machen wir unter Motor, der Wind lässt sich wieder mal bitten. Im Port de Toga, neben dem Fährhafen von Bastia erhalten wir einen Platz längsseits am Steg. Die Marina ist ordentlich klein, von irgendwelchen Werkstätten ist nicht viel zu sehen, auch Ausrüster gibt es keine hier. So werden wir wohl unsere Kette bei den nächsten Ankermanövern immer per Hand einholen, bis wir am Festland auf eine bessere Marina treffen. Naja, ist ja gut für die Fitness….
Die Disco neben unserem Stegplatz macht Party bis morgens um Fünf(!)

Donnerstag, 9.8.2018 – Bastia

 

Wir unternehmen einen Spaziergang in Richtung Altstadt, es ist bereits am Morgen schon sehr heiss. Am Hauptplatz geniessen wir einen Grand Creme im Schatten. Wir gehen noch bis zur Festung hoch, um dann durchgeschwitzt wieder umzukehren. Am Nachmittag überhole ich unsere Ankerwinsch, damit sie wenigsten manuell gut funktioniert. Die Sonne brennt gnadenlos aus dem blauen Himmel herunter, wie ich mich im Ankerkasten zu schaffen mache. Immerhin machen sich am Himmel Wolken breit und versprechen ein Gewitter mit Abkühlung.

 

Leider haben die Gewitterwolken abgedreht in Richtung Süden, es wird wohl auch heute nichts mit einer Abkühlung.

 

Wir schliessen den Schlauch an, um unser Boot wieder einmal zu waschen und aufzutanken, das Wasser tröpfelt mehr aus dem Ende, als das es spritzt, die Putzerei und das anschliessende Auftanken geraten zum Geduldsspiel.
Auch heute wieder Partystimmung in der Disco neben unserem Liegenplatz, die Bässe wummern bis morgens um fünf und versetzen das Hafenbecken in Schwingung. Mit Ohrstöpseln bringen wir es fertig trotz Krach einigermassen zu schlafen.

 

Freitag, 10.8.2018 – Bastia

 

Mitten im Petit Dejeuner klingelt mein Mobile, Port Camargue meldet sich und teilt uns mit, dass wir einen Platz zum überwintern in Port Camargue bekommen würden. Freude herrscht, bisher war meine Anfrage erst vage beantwortet worden, evtl. ginge es, aber …..
Am Abend suchen uns die Tigermücken heim, weiss der Teufel, wo diese Mistviecher plötzlich herkommen. Der karibische Antimückenspray hilft nicht, im Gegenteil, Erst der französische Spray bringt Abhilfe.
Heute ist zur Abwechslung Chanson- Abend in der Bar Visasvis, aber keine Angst, die Disco kommt später noch, wumm, wumm, wumm……

 

Samstag, 11.8.2018 – Bastia nach Macinaggio

 

Wieder einmal steht Frisches einkaufen auf dem Programm, einen Cappuccino danach und anschliessend bereiten wir uns zum ablegen vor. Zuerst muss noch der Liegeplatz bezahlt werden, 71 EU pro Tag inkl. VAT, exkl. Dusche, naja….
Der italienische Motorkreuzer hinter uns macht ebenfalls gerade los und fährt weg. So ist das Ablegen ja ein Kinderspiel. Aber eben, wie es halt so ist, gerade als wir die Leinen losmachen wollen, kommt der Marinero und schiebt ein neues Segelboot in die entstandene Lücke. Die Matrosin bekundet leicht Mühe mit belegen ihrer Leine an der Klampe ihres Bootes, denn sie wickelt ihre Leine zwar kunstvoll um die Klampe, vergisst aber die Wulling mit einem Kopfschlag zu sichern. Als ich dann unsere Leine aus dem Ring am Steg löse, fällt die Leine ihres Bootes prompt ins Wasser und ihr Bott beginnt im Seiten wind vom Steg wegzutreiben. Mit etwas Glück kriege ich das slippende Ende noch zu fassen und ziehe den Kahn wieder an den Steg. Völlig aufgelöst muss die Dame von ihrem Skipper getröstet werden. Nach dieser Krise legen wir dann schliesslich auch noch ab, die Marino ist recht eng und wir müssen aufpassen, um nicht in die Boote auf der Leeseite oder an den Mooringleinen hängen zu bleiben. Schliesslich tuckern wir dann etwa drei Stunden der Ostseite von Korisika hoch nach Macinaggio.
Schon von weitem sehen wir einen Wald von Masten in der Bucht. Da wir mit unserer streikenden Ankerwinsch etwas im Nachteil sind und keine Lust haben auf unmittelbare Gesellschaft von anderen Ankerliegern 10 Meter von uns entfernt, bleiben wir ca. eine Meile südlich von Macinaggio in einer weiten Bucht und werfen dort Anker. Das nächste Boot ist ca. 500m weit weg für uns, ah, Friede und Freiheit, kein Motorgelärm der lästigen Motorjets, kein Wellenschlag, nur Zikadengezirpe und ab und zu ein Auto auf der fernen Küstenstrasse. Aber, man fasst es nicht, irgendein «liebenswerter Zeitgenosse» (nette Umschreibung meiner Verwünschungen) muss sich dann doch noch 3 Bootslängen neben uns legen. Dabei ist die Bucht wie gesagt etwa ein guter Kilometer breit und hat überall sandigen Grund, der gut hält. Vorbei ist es mit der Beschaulichkeit.

 

Sonntag, 12.8.2018 – Macinaggio

 

Badetag in der Bucht, wir sind wieder für uns, die Nervensäge von gestern Abend hat sich in aller Frühe davon gemacht.

 

Montag, 13.8.2018- Macinaggio – Saint Florent

 

Die Wetter vorhersagen im Windfinder versprechen ruhiges Wetter um Cap Corse und auch ruhiges Wetter in Saint Florent. Wir motoren wieder mal, der Wind lässt sich wieder einmal mehr bitten. Etwa eine Stunde frischt der Wind dann merklich auf und eine dunkle Wolkenlinie zieht vom Horizont auf uns zu. Als wir dann unser Ankermanöverfahren, bläst es mit 35 Knoten, Vorhergesagt waren 8kn mit 10 kn Böen (!) Die Vorhersagen sind wieder einmal beachtenswert zuverlässig. Wir werden während etwa zwei Stunden gut durchgeschüttelt an unserem Ankerplatz, dann ist der Spuck vorüber und das Meer glättet sich zusehends. In der Nacht sehen wir ein herrliches Feuerwerk von Wetterleuchten über der Ostseite der Insel. Das muss es ordentlich zur Sache gehen, während einer halbe Stunde sehen wir pausenlos den Schein von Blitzen.

 

Dienstag, 14.8.2018 – Saint Florent

 

Ein bedeckter Himmel begrüsst uns am Morgen, gemäss Vorhersage des Windfinders sollten wir eitel Sonnenschein mit 20kn Wind haben. Der Himmel zieht sich immer mehr zu im laufe des Tages und überall schiessen grosse Gewitterpilze in die Höhe. Diese entladen sich dann allerdings erst am Mittwochmorgen in einem starken Gewitter mit starkem Regen. Gut für die Santjana, die wieder einmal tüchtig gewaschen wird.
Zum Abendessen machen wir uns witterungstechnisch passend eine Portion Ravioli mit selbstgemachter Sauce und einem Glas Rosé im Cockpit. Leider kühlt es dann oben stark ab, so das wir uns in den Salon verziehen müssen, schade für den schönen Abend.

 

 

Mittwoch, 15.8.2018 / Donnerstag, 16.8.1018 – Saint Florent

 

Bord-/ Badetag in Saint Florent

 

Freitag, 17.8.2018 – Saint Florent nach Calvi
Wir stehen sehr früh auf, damit wir als erste an der Tankstelle festmachen können, um Diesel und Wasser zu tanken. Beim näheren hinsehen liegen dort aber bereits zwei riesen Teile von Motorbooten, die mächtig Dieseldurst haben müssen. So machen wir uns auf den Weg Richtung Calvi ohne aufzutanken. Es geht entlang der SW-Küste des Golfe de Saint Florent, vorbei am halb zerfallenen Wachtturm bei Mortella, vorbei an schönen Buchten, die bereits schon wieder recht bevölkert sind und von Motorschüsseln angefahren werden, die reihenweise an uns vorbeirauschen.
Es geht entlang des Naturparks Déssert des Agriates, wir können den Wanderweg sehen, der durch die unberührte Landschaft führt und über den hin und wieder auch einige Wanderer zu erspähen sind.

 

Wir nehmen Kurs auf Ile Rousse mit seinen markanten Klippen und passieren den N-Quadrant Danger d’Algajola. Anschliessend können wir bereits die Festung von Calvi von weitem sehen.
Schliesslich laufen wir unter recht Wind den Liegenplatz mit den ausgelegten Bojen an. Zurzeit ist gerade noch Mittagspause und wir können beim Anlegen nicht auf aktive Hilfe der Bojenplatzbetreuer hoffen. So brauchen wir drei Anläufe bis wir endlich eine Leine durch den Ring der ausgewählten Bojen ziehen können. Anschliessend lege ich dann noch schwimmenderweise eine zweite Leine durch den Ring, so sind wir sicher vertäut. 

 

Samstag, 18.8.2018 – Calvi

Heute ist Waschtag, wir schleppen drei Säcke mit Wäsche in die nicht so nahe Wäscherei. Dazu haben wir uns einen Platz bei den Tauchern ausgesucht und uns bemüht das Dinghi so festzumachen, das es niemanden beim ein- oder ausfahren stören möge. Während die Wäsche in der Laverie vor sich hin dreht gönnen wir uns einen Grand Crème im Bistro nebenan. Nach ca. Stunden haben wir das Prozedere erfolgreich hinter uns und machen uns auf den Rückweg.
Wir finden unser Dinghi hoch und trocken auf dem Quai, anscheinend hat unsere Gegenwart den Gummifröschen nicht gepasst und sie geben uns so zu verstehen, dass wir hier nicht erwünscht seien. Notabene ist das hier öffentliches Quai und kein Privatquai. Leider ist niemand in Sichtweite, sonst hätte ich den betreffenden ordentlich was auf schweizerdeutsch gegeigt.
Mann, war ich wütend!
Der Nachmittag vergeht entspannend mit lesen und zwischendurch abkühlen im Meer.

 

Sonntag, 19.8.2018 – Calvi

 

Wir beginnen den heutigen Tag mit einem Sprung ins angenehm kühle und erfrischende Wasser um uns herum. Nach dem z’Morge geht es mit der Snoopy an Land, wir wollen zur Festung hinauf. Allerdings ist es bereits wieder ordentlich warm und wir geraten ordentlich ins Schwitzen. Die Aussicht über die Bucht und hinaus auf die andere Seite Richtung Leuchtfeuer «La Revelatta» machen die Schweissperlen aber allemal wett.
Nach dem Abstieg von der Festung vorbei an der Büste von Christoph Colombe machen wir halt bei einem Bistro (direkt neben dem Fussgängerstreifen) und löschen unseren Durst mit einem Panchée. Wir bummeln zurück durch die mittlerweile sehr belebte Altstadtgasse hinunter ans Quai, wo unsere Snoopy noch immer auf uns wartet. Kaum wieder zurück an Bord, raus aus den Kleidern und hinein ins kühle Nass.
Am Abend geniessen wir zuerst den Hafenalltag und sehen zu, wie ein Boot nach dem anderen hereinkommt und festgemacht wird. Dann beginnen die Crews mit ihrer obligaten Putzorgie. Da wird gespritzt und gewienert, gespritzt und geschrubbt auf das der Eigner zufrieden sein möge mit seinen Untergeben. Ich denke bei mir nur «modernes Sklaventum, nie im Leben möchte ich so einen Job geschenkt kriegen.
Im Chez Dumé auf dem grossen Kirchplatz kriegen wir noch eines der letzten Tischen für Moules Marinières und eine Portion Civet de sanglier. Den Abend lassen wir dann anschliessend bei ein Cap Corse ausklingen. Dann machen wir uns wieder auf in die Dunkelheit in Richtung Santjana, die draussen an der Boje auf uns wartet.

 

 

Montag, 20.8.2018 – Calvi
Heute ist «wenig» Wind angesagt. Wir gehen erst im Café du Port vor Anker für ein «Petit Déjeuner» anschliessend geht es zum «nahen» Super U. Wir lassen unser Dinghi an seinem Platz, obschon es so weiter ist zum Laufen, wollen wir nochmaligen Begegnungen mit den Gummifröschen aus dem Weg gehen. Im Super U trifft sich offensichtlich zurzeit ganz Calvi, es ist ein Gewummsel von Leuten, die einen wissen nicht wo es lang gehen soll und haben alle Zeit der Welt, während andere wie «gschtört» durch die Gänge flitzen. Es herrscht eine «unfranzösische» Hektik in dem grossen Laden.
Nach einiger Zeit haben wir auch unsere Siebensachen beisammen und machen uns auf den Rückweg. Mittlerweile ist aus dem angekündigten «wenig» Wind eine beachtliche Brise entstanden, die bereits beachtliche Wellenberge in die Bucht Richtung unserem Liegeplatz treibt. Entsprechen unruhig und nass wird unsere Rückfahrt.
Der Nachmittag wird noch unruhiger, denn der Wind legt nochmals einige Zacken zu, anstelle der angekündigten 11kn mit Böen bis 16kn liegen nun schon konstant 20kn mit entsprechend noch höheren Böen an. Santjana bockt wie wild an der Boje und mancher unserer Nachbarlieger sucht sein Heil in der Flucht nach der Suche nach einem ruhigeren Liegeplatz.

 

 

Dienstag, 21.08.2018 - Calvi

 

Wir bleiben noch einen Tag in Calvi und unternehmen einen ausgedehnten Strandspaziergang. Es ist wie in Rimini hier, eine Liegestuhlkolonie reiht sich an die nächste, dahinter Restaurants und Fressbuden. Erst als wir es länger laufen, dünnen sich die Liegestuhlangebote langsam aus. Die Luft bleibt stehen, es windet praktisch nicht, daher ist es drückend heiss. Wie auch schon die letzten Tage schiessen in den Berge Gewittertürme in die Höhe und künden Gewitter für den Nachmittag an.
Auf dem Rückweg gibt es nochmals Grosseinkauf für die nächsten paar Tage an Anker. Mittlerweile hat der Wind natürlich kräftig zugelegt und die Rückfahrt zur Santjana gerät entsprechend spritzig und nass. An Bord sind wir froh, endlich aus den Kleidern und ins Wasser zu kommen. Herrlich!

 

Mittwoch, 22.08.2018 von Calvi nach Cala Vecchia neben Giorolata

Nach dem gestrigen Gewitter, von dem wir mehr gehört, als gespürt haben, ist heute wieder eitel Sonnenschein und wenig Wind. Wir werfen unsere Leinen von der Boje los und machen uns auf in Richtung Süden. Es geht vorbei an «La Revelata» dem markanten Kap mit dem weithin sichtbaren Leuchtturm. Immer wieder passieren uns sehr nahe Motorwannen mit hoch aufschäumenden Bug- und Heckwellen, die sich einen Dreck drum scheren, was ihre Wellenberge bei uns bewirken. Ich wünsche mir eine Brigg mit einer Kanone, um Tomaten nach diesen Kerlen schiessen zu können. Leider bleibt das ein Wunsch und wir bleiben mit wehenden Tüchern den Wellen der Motorschüsseln ausgeliefert. Man fragt sich schon, was in diesen Hirnis vorgeht, wenn ein Segelboot mit einem Abstand von 20m passiert werden muss!?
Wir passieren das Naturreservat von Scandola mit seinen rotbraunen Felsklippen, die besonders am Abend sehr schön in der Abendsonne zu leuchten beginnen und eine Augenweide sind.
Schon von weitem können wir sehen, dass unser Lieblingsankerplatz in der «Wespenbucht» dicht belegt ist. Ebenso der offizielle Liegeplatz hinter dem Felsen von Giorolata, wo sich ebenfalls bereits viele Masten aneinanderreihen. Ohne vorgängige Reservation ist da nicht auszurichten.
Wir werfen daher unseren Anker in der Cala Vecchia, einer flachen Einbuchtung auf der NW-Seite von Giorolata. Es vergeht kaum eine Stunde sind wir auch hier von einigen Booten umgeben. Vorbei ist die Aussicht auf eine einsame Nacht vor Anker … gggrrrrr.

Donnerstag, 23.08.2018 Cala Vecchia nach «Ancien port de Ciavari (S-Seite Bucht von Ajaccio)

Wir haben eine ruhige Nacht hinter uns. Die Bestätigung für den Liegeplatz in der Marina von Propriano habe ich auch erhalten. Super, den übers Wochenende ist Starkwind angesagt. Je nach Wetterdienst zwischen 30 und 40+ Knoten und hoher Welle aus Westen. Da alle Buchten hier auf Korsika gegen Westen offen sind, ist das keine gute Aussicht für ankern in einer der Buchten.
Nach dem Ankerlichten von 30m Ketter per Hand (!) geht es quer über die Bucht ans Cap Rossu, dann weiter nach Süden über die Baje de Sagone zu den Iles des Sanguinaires an der N-Seite der Bucht von Ajaccio. Es ist schwachwindig, wir fahren und Motor und Gross. In der Ferne hat es bereits einige Male kräftig gerumpelt und die grauen Wolken werden immer grösser und dunkler. In der Bucht von Ajaccio nehmen wir das Gross runter und halten auf die kleine Bucht «Ancien port de Ciavari» zu.
Knapp ausserhalb des mit gelben Bojen markierten Badebereichs können wir grad noch Anker werfen und sehen, dass er auch hält. Dann zieht eine Regenfront über uns hinweg, eine halbe Stunde giesst es wie aus Kübeln. Frisch gereinigt und mit Regenwasser an Deck geduscht, gibt es erst mal einen Ankertrunk. Später bereitet Doris eine feine Geflügel Paella zu. Während wir grad am essen im Cockpit sitzen kommt eine andere Yacht über die Bucht auf uns zu und wirft zwei Bootslängen von uns entfernt ihren Anker, natürlich direkt über unserem Anker. Also unterbreche ich meine feine Paella und begebe mich aufs Vordeck um dem penetranten Zeitgenossen zu verstehen zu geben, dass er direkt über unserem Anker sitze. Erst will er nicht verstehen, was ich meine, dann verwirft er die Hände. Erst als ich ihm zu verstehen gebe, dass in einer 1km breiten Bucht es sicher noch einen anderen Platz gebe, als direkt über unserem Anker und so nahe bei uns, startet eine grosse Diskussion an Bord. Nach langem hin und her, bequemt er sich dann endlich seinen Anker zu lüpfen, um sich ein anderes Plätzchen zu suchen. Die Paella ist mittlerweile zwar nicht mehr ganz so heiss, aber immerhin können wir morgen unseren Anker einfacher hieven.

 

Freitag, 24.08.2018 «Ancien port de Ciavari nach Propriano weiter nach Porto Pollo
Nach dem gestrigen heftigen Gewitter ist der Himmel wieder blau, nur einige wenige Cumuluswölkchen sind noch zu sehen. Heute haben wir nur einen kurzen Schlag vor uns nach Propriano. Damit wir dort nicht mitten in deren Mittagspause aufkreuzen starten wir erst kurz vor zehn und kommen dann kurz vor zwei in Propriano an. Mein Funkspruch an die Capitainerie wir hätten eine Reservation und würden gerne anlegen wird mit einem lakonischen «Nous n’avons pas de reservation pour vous» abgeschmettert. Meine nochmalige Anfrage wird mit dem Hinweis auf eine Warteliste angelehnt. In Prpopriano hatten wir auch bei unseren letzten Besuchen immer «Lämpe» Offensichtlich hat sich in der Zwischenzeit nichts geändert, dabei sieht der Hafen überhaupt nicht sehr belegt aus. Ich hege den starken Verdacht, dass man lieber grosse Motorwannen im Hafen hat, statt mickriger Segelboote. Die werfen offensichtlich zu wenig Kohle ab.
An der Tankstelle das gleiche Bild, die beiden Typen überquellen nicht gerade vor Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft beim Anlegen. Einer klaubt dann zwar noch unsere Leine von der Mittelklampe, dreht sie in den Händen und wirft sie mir anschliessend ohne zu belegen wieder an Deck. Gnädiger Weise können wir hier immerhin Diesel tanken. Ablegen dürfen wir dann anschliessend dann wieder selbstständig, ohne dass sich die beiden Herren die Finger schmutzig machen. Service sieht anders aus.
Wegen dem angesagten Starkwind sind wir uns zuerst nicht ganz einig, wo wir hinsollen. Campomor auf der S-Seite der Bucht oder eine Bucht neben Porto Pollo an der N-Seite. Da der angekündigte Wind mehrheitlich aus dem NW-Sektor vorhergesagt wird und wir schlechte Erinnerungen mit einem herausgerissenen Anker in Campomoro haben, entschliessen wir uns dann für die nördliche Variante. Vor einem langen Sandstrand fällt der Anker in 5m Tiefe über Sand. Immerhin sind wir von den Wellen aus Westen durch das vorgelagerte Fels- Riff bei Porto Pollo etwas geschützt.
Die Nacht gerät allerdings etwas holperig und unruhig.

 

 

Samstag, 25.08.2018 – Porto Pollo
Es ist eine recht holprige Sache, über Nacht besonders. Wir werden in unserer Koje schon recht heftig umhergeworfen. Wir halten Ankerwache durch die Nacht, 3 Stunden on, drei Stunden off.
Der Wind hat sich einigermassen zurückgehalten, aber die Welle steht aus Westen in die Bucht und schüttelt uns durch. Das richtige Wetter für Lite- Surfer, die den ganzen Tag um uns herumschwirren.

 

Sonntag, 26.08.2018 – Porto Pollo
Der Wind hat etwas nachgelassen, die Welle ist aber immer noch ruppig und lässt uns mehr durch das Boot taumeln, als das wir gehen können. Die Nacht ist ebenfalls wieder sehr unruhig. Wir verbringen den Tag lesender Weise an Bord.

Montag, 27.08.2018 – Porto Pollo
Der Wind lässt nach und langsam wird die See auch wieder ruhiger, immerhin können wir wieder einmal im Meer schwimmen und uns entsprechend auch mal duschen.

 

Dienstag, 28.08 – Porto Pollo nach Bonifacio
Wir brechen nach dem z’Morge auf in Richtung Bonifacio. Es geht Richtung Süden, vorbei an der Ile d’Eccia, dem Cap Senetosa mit seinem Leuchtturm und den Iles des Moines, einem Felsenkliff ca. 2 Meilen vor der Küste. Das Wetter meint es gut mit uns, so dass wir schön unter Land in Richtung Bonifacio fahren können. Wind hat es praktisch keinen, dafür umso mehr Motorschüsseln, die mit ihren Wellen uns immer wieder zum Schaukeln bringen und unser Gross hin und her schlagen lassen.
Das Gross nehmen wir dann auch kurze Zeit später runter.
Wir passieren das Cap Feno und bereiten uns auf die Einfahrt in die Calanque von Bonifacio vor. Es herrscht Hochbetrieb, viele Boote wollen an ihren Liegeplatz, es fahren zahllose Touristenboote hin und her und erzwingen mit energischem Getute ihren Willen. Wir finden unseren Platz von einem dicken Schlauchboot belegt vor. Der Skipper hat sich grad die Mooringleine in den Propeller gezogen und muss erst den Propeller seines Schraubers klarieren. Wir müssen unseren ersten Liegeplatzanlauf abbrechen. Mittlerweile bläst leider mehr Wind und lässt unser zweites Anlegemanöver ebenfalls scheitern. Aber beim dritten Mal rutschen wir dann doch noch in unseren Platz. Hat zwar etwas gedauert, und die Marinero- Gritte, die uns die Morringleine zu streckt, zieht eine ziemliche Schnute. Was soll’s.
Die Duschen sehen noch immer gleich provisorisch aus, wie bei unserem ersten Besuch vor 15 Jahren. Sie haben die Grösse einer zu klein geratenen Telefonkabine, gut sind wir beide schlank…
Wir wollen noch den Sonnenuntergang sehen und machen uns auf den Weg zur Haute Ville, dem Stadtteil in der Festung oben auf dem Felsen. Leider hat sich unser Anlegetrunk etwas in die Länge gezogen, so dass die Sonne bereits unter dem Horizont versunken ist, als wir vorne auf der Klippe ankommen. Der schöne Weg entlang den Festungsmauern, den wir vor vier Jahren entlanggelaufen sind, ist gesperrt. Angeblich wegen Instandstellungsarbeiten. Gemäss einem Anschlag von 2015 soll der ganze Bereich instand gestellt werden. Viel sieht man allerdings nicht, ausser Gebäuden, die seit den letzten 4 Jahren noch mehr am Zusammenfallen sind.
Die Restaurationsbetriebe in Bonifacio haben offensichtlich im Gegensatz zu den historischen Bauten eine gewaltige Investitionsspritze erhalten. Viele neue Beizen sind entstanden, bestehende wurden komplett erneuert. Die Preisliste trägt den getätigten Arbeiten aber Rechnung. Ein kleines Bier EU 5.80, drei Croissants mit zwei Grand Crème EU 11.00. Hunger und Durst vergehen da einem irgendwie ohne entsprechende Konsumation.

 

 

Mittwoch, 29.08.2018 – Bonifacio
Spaziergang zur Festung zur Festung hoch, dann Getränke kaufen und Wäsche waschen, auch so vergeht der Tag. Dafür finden wir «Citadelle» eine Bar, die gutes WiFi zur Verfügung stellt. Während wir auf die Wäsche warten können wir hier mal unseren Mobiles wieder einmal die lange erwarteten Updates spendieren.
Im Hafen wird es wieder hektisch, die Marineroboys schiessen mit ihren Motorbooten hin und her, aber sie verursachen mit ihrem Herumgefurze nur grossen Wellenschlag am Liegeplatz. In punkto Hilfe lassen sie einiges zu wünschen übrig. Offensichtlich finden sie sich extrem «Cool», wenn sie ihre Anweisungen herumschreien können und dann zuschauen, wie der Segler sich dann abmüht um an den Anlegeplatz zu kommen. Komischerweise wird den Motorschüsseln aber geholfen, obwohl diese in der Regel Bugstrahlruder haben und so einfach in die Plätze manövrieren können.

 

Donnerstag, 30.08.2018 – Bonifacio
Nach dem Frühstück wandern wir entlang der Klippen zum Leuchtturm beim Cap Pertusato. Während den knapp 2 Stunden geht es entlang der Sandsteinklippen. Immer wieder bieten sich tolle Ausblicke auf die Festung, die Klippen mit dem tief blauen Meer. Es sind viele Boote unterwegs, die die ruhigen Verhältnisse heute nutzen wollen, um die Strasse von Bonifacio zu passieren. Zum Glück überzieht sich der Himmel auf dem Hinweg immer wieder mit Wolken, sonst wäre der Ausflug gar heiss und durstig geworden. Der Nachmittag verfliegt schnell mit Einkauf und Vorbereitungen zum morgigen Auslaufen. Die Aussichten für morgen und die nächsten Tage sehen sehr windig aus. Ab morgen Vormittag soll der Westwind kräftig anziehen und bis Sonntagmorgen ordentlich blasen, um dann am Sonntag wieder nach zu lassen.
Am früheren Abend gelingt es uns wieder einmal mit Nico zu telefonieren, es ist immer schön einander wieder einmal live zu hören.
Ab 22.00 startet die nahe Disco B52 wieder mit ihrer Soundmaschine, jeden Abend seit wir jetzt hier waren bis morgens um Zwei gnz,gnzgnz, tschgg, tschgg, tschgg, gnz, gnz, gnz. Wenn wenigstens was Richtiges dabei wäre, aber, so….!

 

Freitag, 31.08.2018 – Bonifacio – Baje de San Ciprianu
Wir stehen beizeiten auf, unser Nachbar an Backbord hat schon vor uns seinen Platz verlassen und wir haben somit ordentlich Platz zum manövrieren beim Verlassen unseres Liegeplatzes bekommen. Ansonsten liegen wir hier recht eng nebeneinander, ebenso ist die Gasse vor dem Bug zum Ein- oder Auslaufen recht eng. Bei Wind und ohne unterstützendes Bugstrahlruder kann das recht knifflig werden.
Ich gehe nochmals bei der Boulangerie vorbei, für frisches Brot für die nächsten Tage. Dann bereiten wir uns aus Ablegen vor. Es weht hier im Hafen bereits mässig, draussen wird es noch eine Spur heftiger sein. Sicherheitshalber ziehen wir unsere Lifewests an. Wir verlassen unseren Liegeplatz ohne Probleme und steuern dem Ausgang vom Hafen zu. Draussen ist das Meer recht bewegt und es bläst uns ein recht steifer Westwind entgegen. Wir nehmen Kurs auf das Cap Pertusato und steuern danach die Inselgruppe von Lavezzi an, die wir an Backbord lassen um dann auf einen nördlichen Kurs einzudrehen. Im Lee der Lavezzi Inseln lässt der Seegang etwas nach und wir steuern dicht unter Land einen nördlichen Kurs. Mittlerweile hat der Wind ordentlich aufgedreht, wir messen in Böen knapp 30 Knoten. Es geht vorbei an der Bucht von Rondinara. Hier lagen wir bei unserem ersten Törn rund Korsika vor 15 Jahren, als das ganze Gebiet noch unbebaut war. Mittlerweile hat sich auch hier eine grosse Siedlung mit Ferienbungalows breit gemacht. Vorbei ist es mit der Einsamkeit. Wir umrunden das Cap Chiappa, queren die Zufahrt zu Porto Vecchio und steuern die Bucht von San Ciprianu an. Es hat erstaunlich wenig Schiffe, die hier vor Anker liegen. Wir suchen uns eine freien Ankerplatz im N-Teil der Bucht, wo wir zwar mehr Welle abbekommen, dafür auch mehr für uns sind.
Der Wind bläst noch immer mit 25-30 kn, in der Nacht soll es noch heftiger kommen. Wir entschliessen uns daher abwechseln Ankerwache zu schieben. Am Himmel stehen grosse Linsenwolken – Altocumulus Lenticularis – die zeigen, wie gross die Windgeschwindigkeit über der Bergkette von Korsika sein muss. Solche Wolkenformationen kann man in der Schweiz ebenfalls bei starkem Föhn antreffen.