Freitag, 1.9.2017 Sant Antoni – Puerto San Miguel

 

Wir verlassen Sant Antoni kurz vor Mittag und steuern der Südwestküste von Ibiza gegen Norden. Natürlich wieder einmal gegen an. Mit östlichem Wind denken wir das der geplante Ankerplatz in Puerto de San Miguel eine einigermassen ruhige Nacht verspricht. Entgegen der Vorhersage dreht der Wind aber immer mehr nach Norden, so dass die Welle mehr du mehr in die von uns gewählte Bucht steht. Wir entschliessen uns daher in die benachbarte Bucht Cala Binirass einzulaufen. Die Bucht ist sehr schmal, wir quetschen uns am südlichen Rand zwischen Bojenplätzen und Felsen grad noch so rein. Wenn der Wind so bleibt, wie vorausgesagt, sollte es passen. Allerdings kommt noch ein anderer Segler und legt seinen Anker so ungeschickt hinter uns, dass wir nun richtig eingeklemmt sind. Unsere Aufforderung, mehr Raum zu lassen wird schlichtweg ignoriert. Keine Ahnung was der andere für ein Landsmann ist, er zeigt weder Nationale noch Gastlandflagge. Prompt der Wind nun natürlich in die denkbar ungünstigste Richtung und beginnt uns gegen die nahen Felsen zu treiben. Wir setzen dem Ganzen ein Ende und verlegen uns kurzerhand in die Cala Puerto San Miguel, dort schaukelt es zwar mehr als vorher, bietet aber immerhin mehr Platz. Der Wind soll nach Vorhersage ja auch nachlassen.  Wir geniessen den Sonnenuntergang und die Ruhe, die in der Bucht einkehrt.

 

Samstag, 2.9.2017 Puerto San Miguel – Valencia

Um 03.30 Uhr werde ich wach, Santjana macht einige starke Bewegungen. Ich checke unsere Position am Plotter, alles noch io. Leider kann ich das von der Vorhersage nicht sagen, denn nun sind ab der nächsten Stunde bis zu 30 Knoten Wind aus Norden, also direkt in die Bucht vorhergesagt. Bereits jetzt sind wir schon nahe der 20er Marke und die Welle steht ebenfalls direkt in die Bucht. Wir machen uns bereit zum Auslaufen. Auf dem englischen Nachbarboot herrscht ebenfalls emsiges Treiben. Offensichtlich versucht die Crew ihr Boot an eine der Bojen zu verlegen. Die Festmacher an den Bojen haben aber nicht wirklich vertrauenserweckend ausgesehen. Kurz darauf brechen wir in stockdunkler Nacht auf in Richtung Festland. Draussen ist es ziemlich turbulent, offensichtlich bläst ein steifer Nordwestwind über eine längere Strecke übers Meer und baut eine kurze und steile See auf. So geht das die nächsten 12 Stunden, bis auf die letzten 3 Stunden vor Valencia haben wir starken Wind und Welle aus Nordwest. Dann verebbt der Wind plötzlich und nur noch die Welle beutelt uns herum. In Valencia angekommen gibt es noch einen kleinen Imbiss und etwas zu trinken und dann ist Feierabend für heute. Wir müssen mal wieder etwas nachschlafen.

 

Sonntag, 3.9.2017 Valencia

 

Ausschlafen, ein Frühstück und dann erst mal unser Schiff von den gestrigen Salzwasserablagerungen befreien. Nach einer Dusche gehen wir los um etwas die Gegend um den Hafen ansehen. Hier fand ja 2007 der Americas Cup statt, wo Alinghi ihren Sieg knapp vor Neuseeland verteidigen konnte. Wir sind sehr gespannt, was wir wohl noch alles sehen können. Vom einstigen America’s Cup von 2007 zeugen nur noch ein stillgelegter Alinghi Pavillon an dem die Alinghi Zeichen und Bilder abblättern. Einzig die Deckel der Kanalschächte zeugen mit ihren Abbildungen vom damaligen Event. Schade, wir hätten gerne nochmals die Erinnerungen von damals aufleben lassen. Aber zu kurzlebig ist unsere Zeit und Ereignisse vor zehn Jahren haben keinen Stellenwert darin. Dafür ist der Jachthafen bei sehr vernünftigen Preisen sehr gut ausgerüstet. Pro Steg jeweils Duschen und Toiletten, WiFI funktioniert ebenfalls hervorragend. Da hatten wir andere Erfahrungen sammeln müssen mit hochpreisigen Marinas, bei denen die Infrastruktur in keiner Weise den Preisen entsprach. Wir spazieren noch etwas der Strandpromenade hoch, heute Sonntag scheint die halbe Stadt am Strand oder in den Restaurants zu liegen bzw. zu sitzen. Immerhin finden wir noch einen freien Tisch in einer der Tapasbars und können uns mit Pata Bravas, Pimientos del Padron und in Essig eingelegten Sardinen stärken. Dann gibt es wieder ein paar Sachen am Boot zu erledigen.

 

Montag, 4.9.2017 Valencia

 

Kurz vor halb elf besteigen wir den roten Bus (Hop-on/Hop off) der uns kreuz und quer durch Valencia fährt. Am Ufer des Flusses Turia geht es in Richtung Altstadt. Der Turia wurde unter Tag verlegt, so dass dort jetzt eine Parkanlage entstanden ist, die viele Freizeitmöglichkeiten bietet. An der Plaza Reina verlassen wir den Bus und bewundern die dortige Cathedral Metropolitana. Im nahen Cafe sehen wir auf der Speisekarte, dass dort Raclette angeboten wird, das wäre doch noch was für nachher. Erst aber besuchen wir die Torres Serano, das einzige ursprüngliche Stadttor, das noch erhalten ist.
Das Raclette entpuppt sich als katalanische Variante des Raclettes, aber doch fein und eine Erinnerung an zu Hause, wo es kalt ist und in den höheren Lagen schon schneit. Dazu bekommen wir die letzten Neuigkeiten in sanktgaller Dütsch am Nachbarstisch mit. Vier ostschweizer Damen geniessen ihren Mädelstag..... schweizerischer geht's wohl nicht mehr.
Durch die Av. San Vicente Martir geht es in Richtung Plaza de Torros, wo wir wieder den Bus besteigen. Diesmal fahren wir bis zur Ciudad de las Artes y las Ciencias. Unser Bummel durch das Centro Commercial El Saler ist weniger ergiebig. Der Winter hat bei der Mode schon vollends Einzug gehalten. Sehr gut für unsere Reisekasse. Die Ciudad de las Artes y las Ciencias sind ein Wunderwerk spanischer Architektur. Wir hoffen dies in einem nächsten Besuch noch etwas näher kennenlernen zu können.

 

Dienstag, 5.9 – Sonntag 10.9.2017, Valencia

 

Am Dienstag fahren wir bei der ehemaligen Basis der Alinghi Herausforderer Team Neuseeland vor. Bei jetzt dort ansässigen Ships Chandler haben wir eine längere Ankerkette und einen schwereren Anker bestellt. Nach einer guten Stunde sind Kette und Anker an Bord und wir verlassen die Anlegestelle des ehemaligen Teams Neuseeland wieder. Ein bisschen stolz sind wir ja zugegebener Massen schon als wir durch den Kanal wieder zu unserem Liegeplatz fahren. Vor ca. 10 Jahren wurde hier der 33. Americas Cup ausgetragen. Leider erinnert heute nicht mehr allzu viel daran.

Am Mittwoch frischen wir unseren Kühlschrank wieder auf. Sonst gibt es am Boot noch einiges zu tun, der Tag vergeht jedenfalls wie im Flug.

 

Am Donnerstag benutzen wir die Busverbindungen, um Valencia auf eigene Faust zu erkunden. Dank Karte und App der Busbetriebe geht das eigentlich ganz gut. Wir finden sogar die Markthalle und lassen es uns natürlich nicht nehmen, diese auch zu besuchen. Damit der Magen bei dem tollen Anblick nicht völlig im roten Bereich knurrt versuchen wir einige der Empanadas, die dort angeboten werden.

 

Am Freitag wollen wir dem lokalen Bauhaus einen Besuch abstatten. Wir benötigen noch einiges an Werkzeug, Schrauben und sonstige Kleinteile. Der Busfahrer fragt zweimal nach, ob wir wirklich in diese Richtung aus der Stadt wollen und nicht etwa ins Zentrum, wie normale Touristen. Mit leichtem Kopfschütteln erhalten wir dann die zwei Bustickets. Die Busfahrt führt uns in die Vororte von Valencia. Eigenartig, als wir in Alfafar eintreffen, ist es sehr ruhig dort. Nach zwanzig Minuten Fussmarsch kommen wir beim Bauhaus an und stehen vor verschlossenen Türen. An der gegenüberliegenden IKEA- Filiale können wir lesen, dass die ganze Mall wegen einem lokalen Feiertag erst Morgen Samstag wieder geöffnet hat …..

 

Also am Samstag dasselbe nochmals, immerhin wollen wir uns ein American Breakfast bei dortigen American Barbeque Restaurant. Als wir dort eintreffen, ist das besagte Lokal geschlossen und erst ab 12.00 wird dort Mittagessen serviert. Im Einkaufszentrum gegenüber gibt es dann immerhin ein sehr günstiges, aber auch sehr feines Frühstück. Immerhin finden wir das Gesuchte im Bauhaus und schleppen «etwas» später zwei volle Einkaufstaschen zum Bus zurück. Zum Glück beginnt es jetzt auch noch zu regnen. Wir bewegen uns in Etappen in Richtung Santjana.

 

Da es gestern mit dem amerikanischen Frühstück nicht geklappt hat, leisten wir uns heute Sunntag einen Brunch in einem der Strandcafés. Anschliessend bummeln wir zuerst in Richtung Zentrum auf der Suche nach einem Briefkasten. Gar nicht so einfach, offensichtlich werden einfach weniger Briefe und Postkarten verschickt. Nach einer ganzen Weile finden wir aber doch noch eine der gelben Correos Säulen und können unsere Karten einwerfen.
Wir gehen der Avd. Menorca entlang in Richtung Ciudad des Artes y de las Ciences. Der tief blaue Himmel und die weissen Gebäude bilden einen tollen Kontrast. Die moderne Architektur bieten einen tollen Anblick und ich fühle mich irgendwie in eine Szene aus Startrek oder Stargate versetzt. Offensichtlich geniessen auch viele Einheimische das wunderschöne Wetter für einen Bummel durch diese Anlage und den angrenzenden Park. Der ursprüngliche Fluss, der hier öfters für Überschwemmungen sorgte wurde unter Tag verlegt und darüber entstanden die grosszügigen
Parkanlagen mit den vielen Freizeitmöglichkeiten.

13. – 14. 9.2017 Fahrt von Valencia nach Cartagena

 

Am Mittwoch legen wir zeitig ab, von Wind ist noch wenig zu spüren. Der kommt dann später, dafür umso stärker und natürlich genau aus der Richtung in die wir wollen. Am Cabo de la Nao ist das Meer immer noch recht unruhig und als wir die Höhe von Calpe erreichen, bläst es noch immer recht stark. Mittlerweile ist es bereits dunkel und wir sehen von einem Besuch in Calpe ab. Bei viel Wind in einen unbekannten Hafen muss nicht unbedingt sein. So fahren wir weiter nach Cartagena. Für den frühen Nachmittag ist auch wieder viel Wind angesagt in Cartagena, vielleicht wartet er ja auch noch ein bisschen. Am Cabo de Palos ist auf jeden Fall noch alles ruhig. Als wir unser Anlegemanöver fahren müssen, legt dann der Wind natürlich zu, zu dem ist es natürlich nicht mehr derselbe einfache Platz zum Anfahren wie beim letzten Besuch hier. Trotzdem gelingt es uns Santjana sicher zu parkieren und vertäuen. Der Rest des Donnerstags sieht uns noch das Boot von vorne bis hinten abspritzen um das viele Salz, das überkam während der letzten beiden Tagen wieder los zu werden. Dann wieder einmal eine richtige Dusche und dann noch etwas nachschlafen.

Freitag, 15.9.2017 – Cartagena

Ausnahmsweise gibt es wieder einmal Frühstück an Land, da uns die Eier ausgegangen sind. Bei der Gelegenheit kriegen wir mit, dass hier in Cartagena während der nächsten 10 Tage viel los sein wird. Das alljährliche Festival der Römer und Karthager findet statt, das an den zweiten Punischen Krieg vor ca. 2200 Jahren erinnern soll. Schon unter Tags laufen uns viele römische Legionäre in voller Montur über den Weg. Nach dem Eindunkeln gibt es eine Eröffnungsrede vor dem Regierungsgebäude. Die drei Redner bemühen sich, den jeweiligen Vorredner mit der Länge ihrer Ansprach zu übertreffen. Leider lässt uns unser Spanisch etwas im Stich, aber so den groben Zügen können wir der Eröffnungsrede folgen. Anschliessend formiert sich um 22.30 ein Festzug mit den verschiedenen Gruppen am Plaza de Ajuntament, welcher dann durch Cartagena zum Festgelände beim Fussballstadion führt. Alles ist sehr farbenfroh und spektakulär anzusehen.

Samstag, 16.9.2017 – Cartagena

 

Der Tag beginnt grau und wolkenverhangen und eher kühl. Wir bummeln durch die Calle Porte de Murcia mit all den vielen Shops und Bars. Heute hat der TUI Cruiser Discovery 2 am Quai neben uns festgemacht. Entsprechend viele Besucher wimmeln in der Stadt umher. Wir geniessen das Treiben bei einem Shandy und einige Pinchos im Lizarran. Kompliment, diese Pinchos (kleine Häppchen, Tapas auf einem kleinen Holzspiess) munden wirklich vorzüglich und man muss sich wirklich zügeln um nein sagen zu können, wenn der Kellner wieder eine Runde macht mit frischen Köstlichkeiten auf dem Teller.  Mir ist es endlich gelungen, das Leck unter dem Kühlschrank zu lokalisieren, durch das dauern Kondenswasser auf den Boden tropft und das Holz einnässt. Hoffentlich hält meine neue Dichtung aus Sikaflex.

Sonntag , 17.9.2017 – Cartagena

Heute machen wir uns auf die Römer und Karthager zu suchen. Sie sollen ihr Heerlager beim örtlichen Fussballstadion aufgeschlagen haben. Als wir dort nach einem halbstündigen Fussmarsch quer durch Cartagena eintreffen, sehen wir zuerst eine riesengrosse Chilbi. Daneben hat es dann tatsächlich auch ein Lager der Römer und Karthager, jede der Gruppen analog zb. der Zünfte in Zürich hat ihre eigene Freebeiz in der es die ein oder andere Spezialität zum probieren gibt. Wir hatten eigentlich eine Art Mittelaltermarkt erwartet, wo auch zeitgenösische Geräte und Artikel angeboten werden. Nach einer zweimaligen Tour durch das Lager und einem kleinen Imbiss in einer der Legionärsbuden kehren wir wieder ins 21 Jahrhundert zurück, um noch einige Pinchos im Lizarran zu probieren. Den letzten Abend in Cartagena beschliessen wir bei einem Glas Wein und dem dazugehörenden Sonnenuntergang.

Montag, 18.9. – Dienstag, 19.9.2017 Cartagena – Almerimar

 

Zeitig brechen wir auf und verlassen die sichere und gut ausgerüstete Marina von Cartagena. Heute ist Wind aus Südwest angesagt, genau aus der Richtung in die wir wollen, also wieder mal voll auf die Schnauze. Dazu hat der starke Südwester eine unangenehme Welle entstehen lassen, die uns auch voll entgegenrollt. Wir sehen den Golfo de Mazarron und den Golfo de Vera. Um 02.00 stehen wir am Cabo Gata, es ist stockdunkel, nur die Sterne funkeln über uns. Der Wind hat etwas nachgelassen, die lästige Wellerei aber ist geblieben. Almeria schickt und seine Fischfangflotte entgegen, wir müssen gut aufpassen, da die lieben Fischer manchmal unvorhergesehene Manöver fahren, wenn sie mit ihren Botten einen Fischschwarm verfolgen. Im Morgengrauen stehen wir vor der Marina von Almerimar, bei der dort immer noch vorherrschenden Schaukelei ist es gar nicht so einfach die Santjana für das bevorstehende Anlegemanöver vorzubereiten. Jeweils vier Trossen sind vorzubereiten, dazu die nötigen Fender über die Bordwand zu hängen. Natürlich erst wenn die Segel geborgen sind. Der Marinero winkt uns freundlich an das Wartequai. «Passaporte y Documentos al Officino» «Si, muchas gracias, pero primero Gazole y despues il placa» Da verwirft der Marinero seine Hände, weil wir uns Boot mit seiner Hilfe zu weit vorne am Wartequai festgemacht haben. Etwas knurrig hilft er uns die Santjana wieder 20m zurück vor die Zapfsäule zu manövrieren. Zu guter Letzt aber haben wir Diesel und den Platz bis nächsten Freitag. Jetzt heisst es erst mal wieder Boot mit Frischwasser abspritzen und vom Salz befreien. Dann verlegen wir uns in ein Bistro gleich vor unserem Liegeplatz für ein kleines Frühstück. Nach dem anschliessenden kurzen Bummel durch das beschauliche Städtchen sind wir erst mal müde von unserem Trip hier runter, denn ehrlich gesagt viel geschlafen habe ich bei der ganzen Hackerei nicht wirklich. Nachdem den paar spanischen lästigen Fliegen in der Kajüte mittels Fliegenklatsche der Garaus gemacht wurde, holen wir noch etwas Schlaf nach.

20.9.2017 Almerimar, Bus nach Almeria

Um 07.0 geht der Wecker, draussen ist es noch dunkel, ganz ungewohnt. Rasch einen Kaffee, dann geht es zur Bushaltestelle, wir wollen den frühen Bus nach Almeria erwischen. Zuerst geht es aber eine halbe Stunde zum Busterminal nach El Ejido. Dort wartet der Bus nach Almeria und fährt kurz nach unserem Eintreffen ab. Für Eu 2.90 pro Person werden wir nun fast eineinhalb Stunden nach Almeria gefahren. Anfangs ist die Umgebung eher trist und trostlos, denn es geht entlang riesiger Gewächshäuser. Die ganze Landschaft sieht aus, wie wenn Riesenspinnen das Land mit ihren Netzen überzogen hätten. Hier wachsen wohl die Salate, Gurken, Tomaten und Erdbeeren für die Europäischen Märkte. Nach Aguadulce führt die Strasse wenigstens entlang der Küste und bietet so ein abwechslungsreicheres Bild. Nach 32 (!) Haltestellen treffen wir am Hafen von Almeria ein. Zuerst brauchen wir einmal ein Frühstück, im nahen Bistro sieht es gut aus mit Cafe con Leche, Tostada, Mantequilla y Marmelada. Entlang der Av. Federico Garcia Lorca geht es in Richtung Altstadt. Die Gassen werden schmaler und die Häuser weniger hoch. Dann sehen wir von weitem die Burg Alcazaba, die hoch über der Stadt thront. Die Befestigungsanlage wurde im 10 Jh. Durch Abd ar-Rahman III gegründet und durch die späteren Herrscher erweitert. Die Gärten mit den Wasserläufen und kleinen Teichen bieten eine schöne Abwechslung in der sonst doch eher trockenen Landschaft. Man fragt sich, wie wohl das Wasser früher hochgepumpt wurde, vermutlich durch nicht ganz freiwillige Muskelkraft. Die Anlag ist recht gross und weitläufig. Der Blick von den Mauern und Türmen reicht weit über Almeria hinaus. Nach einiger Zeit haben wir uns genug umgesehen und steigen wieder in die Stadt hinunter, die Lauferei an der noch recht heissen Sonne hat Durst gemacht. Neben der Kathedrale finden wir ein schattiges Plätzchen und etwas Kühles zu trinken. In der Panederia, bei der wir grad am Schaufenster vorbeilaufen, finden wir noch etwas zum Essen, wir lassen uns dazu in einem nahen Park am Schatten nieder. Bald ist es wieder Zeit an die Rückfahrt zu denken, also machen wir uns wieder auf zur Busstation. Wir finden sogar einen direkten Bus nach Almerimar, ohne Umsteigen zu müssen. Allerdings hält der auch wieder gefühlten 50-zig Mal. Aber immerhin nimmt er eine andere Route als der Morgenbus. Allerdings geht es auch auf dieser Route wieder durch endlose Reihen von riesigen Gewächshäuser, auch hier sind die Spinnen fleissig und überziehen die Landschaft mit Plastikfolien und Gaze. Über Roquetas de Mar gelangen wir schliesslich als letzte Reisende nach Almerimar. Den Abend lassen wir bei einer superfeinen selbstgemachten Pizza und einem Glas Wein an Bord ausklingen. Wir sind froh haben wir mit der Santjana in Almerimar angelegt und nicht in Almeria, es gefällt uns irgendwie besser hier.

 

21.9.2017, Donnerstag Almerimar

 

Wir verbringen den Tag in Almerimar mit einkaufen, lesen und Vorbereiten der Weiterfahrt nach Gibraltar.

 

22.9./23.9.2017 Almerimar – Gibraltar

 

Nach dem z’Morgen geht es erst mal zur Capitania um den Stromadapter und die Keys für Dusche/WC abzugeben und unsere Liegegebühren zu zahlen. Der Weg von unserem Liegeplatz zur Capitania zieht sich, ich muss alle drei Hafenbecken umlaufen. Die Häuser an meinem Weg stehen alle leer, offensichtlich war hier eine grössere Touristenanlage mit Hafen und Ferienwohnungen mit Shops und Restaurants geplant. Die Anlage wird derzeit wieder renoviert, wie auch die Piers der Marina zurzeit wieder instand gestellt werden. Ein Grund warum wir so weit vom Schuss platziert wurden. Wir verlassen die Bucht, motoren entlang der Küste vorbei an Adra, Malaga, Marbela, Benidorm etc. Unterwegs begegnen wir einigen Delphinschulen, die uns mit ihren Kapriolen und ihrer Eleganz wie sie sich im Wasser vor unserem Bug bewegen immer wieder in ihren Bann ziehen. Im Mittelmeer haben wir sehr wenig Delphine zu Gesicht bekommen, aber hier hat es Delphine überall. Auch grössere Wale geben sich hier am Anfang der Strasse von Gibraltar die Ehre und zeigen sich stilvoll mit elegantem Auftauchen und blasen.

 

Der Wind bläst zurzeit noch lau von hinten, jedoch ist für morgen mehr Wind angesagt. Tatsächlich, als wir Europa Point vor dem Felsen von Gibraltar runden, bläst es bereits mit stattlichen 25 Knoten, so richtig toll zum Anlegen in der Marina. Wir schlängeln uns um ein paar dicke Brocken, die hier vor Anker liegen oder von Schleppern in die Hafenbecken geschleppt werden. Als ich mich am Funk in der Marina anmelde, werden wir gebeten uns nochmals am Eingang der Marina zu melden. Dort bekomme ich aber keine Antwort auf meine Anrufe, wir wissen nicht wohin wir mit der Santjana sollen. Endlich winkt der Marinero am Ufer, hinter uns läuft dicht aufgeschlossen eine französische Segelyacht. Als wir gerade festmachen fragt uns der Marinero: « The name of this boat?» «Santjana» «Oh sorry, this is not your place, it’s the place for the french boat behind.» Nach einigem Hin und Her machen wir dann gegenüber fest.
Nach dem Einchecken gehen wir erstmal ins «Ship» im Ocean Village für ein English Breakfast. Wir besuchen den Ships chandler wo der Ersatz für unser «Man over Board Module» eingetroffen sein soll. Dort zieht man die Stirne kraus, Nein, so etwas sei nicht hier, aber wir sollen doch bitte am Montag nochmals vorbeischauen, dann sei die Chefin wieder da. Wir geniessen das englische Flair hier in Gibraltar, es ist wirklich verrückt, eine total andere Welt, verglichen mit der Zeit in Spanien die letzten paar Monate.

Da der Abend kühl wird, geniessen wir ein richtig schweizerisches Raclette an Bord, der Käse wird richtig flüssig auf den drei Rechaud Kerzen. Dann ist Lichterlöschen und wir sind auch immer noch müde, obwohl wir am Nachmittag schon mal zwei Stunden nachgeschlafen haben.

 

Sonntag, 24.9.2017 - Gibraltar

Der Morgen ist herbstlich kühl, der Tag bricht eigentlich erst nach acht Uhr morgens an, es ist neblig draussen, eine gespenstische Szenerie mit der Nebelwolke am Rock. Frühstück an Bord, dann wird Santjana geschruppt und abgespritzt. Die Bordtoilette leckt zu meinem Ärger zu sehr, zum Glück ist es «nur» der Frischwasser Einlauf und nichts Anderes….. Dann endlich mal wieder eine richtige Dusche mit Warmwasser, genial. Dann machen wir uns auf, den Hardware Store zu suchen, wir benötigen wieder einmal etwas aus der DYI Landschaft. Die Richtung die wir aber einschlagen führt uns um den Felsen, die Gegend wird immer trostloser und beginnt eher einer Kiesgrube zu gleichen, wie einer Mall mit Läden. So kehren wir unverrichteter Dinge wieder zurück und spülen unseren Frust mit einem Shandy hinunter.

 

Montag, 25.9.2017 – Gibraltar

 

Da wir heute ein volles Programm haben, gibt es nochmals Frühstück an Land. Anschliessen geht es nochmals zum Ship Chandler wegen dem MOB Module. Diesmal werden wir fündig und kehren mit MOB Module wieder zur Santjana zurück. Dann geht es auf die Suche nach dem DYI Store, welchen wir ebenfalls finden, allerdings keine Leiter, wie wir es eigentlich vorhatten. Wir wollten die Leiter als Gangway benutzen, wenn wir jeweils vom Boot auf’s Pier steigen müssen. Dafür hat es zwei Bretter, die denselben Zweck erfüllen. Mit den beiden Brettern unter dem Arm geht es weiter quer durch Gibraltar zum Segelmacher, wo wir noch etwas Stoff für die Schutzbezüge der Luken kaufen. Dann wieder zurück auf’s Schiff, mittlerweile ist es schön warm und wir schwitzen. Auf der Santjana gibt es wieder einmal einiges zu tun. Reffleinen prüfen, die neuen elektronischen Karten in den Plotter laden, Dinghi aus dem Stauraum zerren und neu verstauen. Dann die Versicherung anschreiben, damit wir endlich die Kohle für das MOB Module sehen. Bin ja mal gespannt, ob ich diesmal mal endlich eine Antwort von der Versicherung des Schadenverursachers erhalten werde. Bislang beschränkte sich die Antworten des zuständigen Versicherungsagenten jeweils auf ein Wort. Der Ärmste muss wohl bis über beide Ohren mit Arbeit eingedeckt sein, dass es nicht für eine etwas detailliertere Antwort reicht….?!

Jetzt ist der Blog auch wieder aktuell und jetzt geht es unter die Dusche.

 

Dienstag, 26.9.2017 – Gibraltar

 

Heute ist super Wetter angesagt, nicht zu heiss, wie letztes Mal. So machen wir uns auf zu einem zweiten Besuch auf dem «Rock». Diesmal erwartet uns kein Makaken- Empfangskomitee an der Bergstation. Dafür macht sich einer der pelzigen Gesellen gleich über die Tasche eines der Fräuleins her, die mit uns hochgefahren sind. Sehr zur Belustigung der Anwesenden versucht die Dame ihre Tasche wieder in ihren Besitz zu bringen. Das gelingt ihr nach etlichen Anläufen seitens Dame und ebenso vielen Zähne fletschen und kreischen seitens Affe. Schliesslich behält der Makake das Znünibrot und die Dame ihre Handtasche, so sind beide zuletzt zufrieden.

 

Der Weg hinunter vom Rock führt uns zuerst zu den St.Michaels Caves. Wir bewundern die Formen der Stalaktiten und Stalagmiten und die Farbspiele der Beleuchtung. In der grossen Halle war während dem 2. Weltkrieg ein Hospital eingerichtet. Jetzt finden dort regelmässig Theateraufführungen und Konzerte statt, kein Wunder bei der tollen Akustik dort. Sicher ist es hier im Hochsommer immer angenehm kühl. In der St. Michales Cabin gibt es eine Erfrischung und auch hier haben wir Spass mit den Affen, denn einer versucht mit grosser Ausdauer von aussen übers Dach ins Bistro zu klettern. Jedes Mal, wenn ihn die Kassierin erspäht, wird er verscheucht. Aber nur um ein paar Augenblicke später um die Ecke zu lugen, ob es wohl diesmal klappen könnte. Nach diesem Intermezzo machen wir uns auf zu den Great Siege Tunnels. Diese Tunnels wurden im Laufe der spanischen Belagerung von 1779-1783 mit Hammer und Meissel und Schiesspulver in den Felsen geschlagen. Der Tunnel verbindet mehrere Geschützstellungen, von den aus die spanischen Angreifer in Schach gehalten wurden. Von hier wandern wir zu den World War II Tunnels, die man ebenfalls besichtigen kann (könnte). Am Eingang empfängt uns ein gelangweilter junger Mann und gibt uns zu verstehen, dass die Besichtigung nicht in unserem Ticket inbegriffen sei und die nächste Führung erst um 16.00 starte. Ob der freundlichen Abfuhr verzichten wir gerne auf die geführte Besichtigung und sehen uns stattdessen das Moorish Castle an. Die Befestigung wurde 1160 erstmals erbaut und um 1330 erweitert, nachdem Abu’l Hassan Gibraltar von den Spaniern zurückeroberte. Dann geht es über gefühlte 1000 Treppentritte wieder zurück in die Main Street, welche uns zu einer kühlen Erfrischung in einem der Bistro auf dem Casemates Place führt. Nach einer anschliessenden Dusche und einem feinen Sweet Sour an Bord fallen wir ziemlich müde ins die Kojen.

 

Mittwoch, 27.9.2017 – Gibraltar

Regentropfen fallen an Deck und Wecken uns am Morgen, ein Blick nach draussen zeigt nass, grau, windig und eher unfreundlich, also nochmals in der Koje drehen. Nach Neun sitzen wir aber auch beim American Breakfast im Royal Calpe an der Mainstreet. Das Wetter zeigt sich weiterhin von der unfreundlichen Seite, es ist so richtig englisches Wetter. Regenschirme und Pelerinen tauchen immer häufiger auf. Wir machen es den vielen Touristen der beiden Kreuzfahrt Linern nach, die im Hafen liegen. Ich brauche mal ein paar neue Jeans und Doris neue Sportschuhe. Am Nachmittag nochmals einen Besuch bei Sheppard’s, denn die Nebeltröte will und will einfach nicht tröten. Das Wetter hat sich zwischenzeitlich auch etwas gebessert und erlaubt immerhin wieder Shorts und T-Shirt. Ich beginne mit dem installieren der beiden Bretter am Vorschiff, damit wir die zusätzlichen Kanister mit Diesel und Wasser befestigen können. Schon ist wieder Abend, eher kühl, nichts mehr mit draussen im Cockpit sitzen und Sonnenuntergang geniessen.

 

Donnerstag, 28.9.2017 – Gibraltar

 

Trübe Aussicht draussen, es ist grau, windig und nieselt immer wieder. Nach dem Z’Morge machen wir uns an die Arbeit. Doris näht an ihrer Maschine die Schutzüberzüge für unsere Luken, während ich mich nochmals an die Geschichte mit den Kanistern mache. Wir haben eine ganze Liste mit Arbeiten, die vor unserer Abfahrt am Samstag noch zu erledigen sind.

 

Freitag, 29.9.2017 – Gibraltar

 

Nach dem Frühstück verläuft die Suche nach einer Mütze für mich ergebnislos – es wird schon recht kühl um die Ohren hier unten in der Nacht. Wir tätigen noch unsere Einkäufe an Frischwaren und schleppen zwei volle Rucksäcke und zwei gross Einkaufstüten quer durch Gibraltar, dazu kommen dann noch ein Kanister Trinkwasser und Packungen mit Mineralwasser -  uffff.

 

Dann wird Wasser getankt, der Wassertank an Bord ist nun voll, ebenso die vier Wasserkanister an Deck. Doris näht immer noch fleissig an ihren Schutzüberzügen für die Luken. Ich will das Pactor Datenmodem in Betrieb nehmen und stelle fest, dass die vom jeweiligen Hersteller gelieferten Kabel nicht zusammenpassen. Klinker auf Cinch – geht gar nicht, also nochmals einen Besuch bei der Ships Chandlery, der aber solches nicht hat. Improvisieren ist gefragt. Leider muss ich dazu meine Installation des Pactormodems nochmals entfernen – ggggrrrrrrrrr…….
Dann zerren wir das eingepackte Dinghi an Deck und fixieren es mit einem Netz und einer Leine so gut wie es geht.

 

 

Samstag, 30.9.2017 – Gibraltar – Quinta do Lorde (Madeira)

 

Wir stehen früher auf, bereits um acht Uhr, draussen dämmert es erst so knapp. Wir entfesseln unser an Deck festgemachtes Dinghi nochmals und quetschen es in unser Vorpiek. Ob es wohl je wieder da raus kommt- hoffentlich. Wenigstens ist es so sicher rutschfest verpackt und sicher auch besser geschützt als an Deck. Anschliessend gibt es Frühstück im Ship, wegen des guten English Brekfast und wegen der super WiFi Connection hier. Dann gilt es noch die letzten Besorgungen zu erledigen, den Liegeplatz zu zahlen und Diesel volltanken. Wir fahren über die breite Bucht von Gibraltar auf den Punta Carnero zu, dann weiter Richtung Tarifa, der engsten Stelle in der Strasse von Gibraltar. Der Wind ist moderat, bei Tarifa springt die Anzeige dann aber hoch auf 25 Knoten, die Wellen schieben uns aber gnädig in Richtung in die wir wollen. Nachdem wir das Verkehrstrennungsgebiet hinter uns haben queren wir die Strasse und fahren Zickzack um all die grossen Pötte, die da des Weges kommen. Am afrikanischen Ufer sehen wir die Häuser von Tanger. Bald wir es Nacht, ein merkwürdiges Gefühl beschleicht mich, Europa so im Dunst und Abenddämmerung versinken zu sehen. Als letztes verschwinden die Lichter von Tanger hinter uns in der Nacht, dann ist dunkel ringsherum, abgesehen vom Mond der sein fahles Licht auf das bewegte Meer wirft. Weit entfernt fahren Schiffe ihres Wegs, wenige kreuzen unseren Kurs in sicherer Entfernung, die meisten sehen wir nur auf der AIS Darstellung unseres Plotters.
Gibraltar hat uns beiden gut gefallen, die Mischung vom Englischen und Mittelmeerklima ist schon irgendwie speziell. Dazu ist der Ort sehr geschichtsträchtig, es gibt sehr viel zu sehen, wir hätten gut und gerne noch eine weitere Woche anhängen können.