Montag, 1. 5. 2017

 

Es bläst noch immer, das Wetter ist nicht wirklich Mai- mässig. Immer wieder gibt der Wind richtig Gas, es pfeift in den Takelagen der Boote im Hafen, dann regnet es kräftig, nach einer Viertelstunde kommt die Sonne wieder zum Vorschein und beginnt das Ganze wieder von Neuem. So geht es dann ganzen Tag. Wir haben absolut keine Lust uns den Elementen so freiwillig zu stellen und erledigen statt des noch einiges an Bord der Santjana. Doris sagt dem Schmutz im Cockpit den Kampf an und bringt strahlendes Weiss zum Vorschein. Ich mühe mich einmal mehr mir der Elektronik herum, komme zwar etwas weiter doch der entscheidende Durchbruch lässt noch auf sich warten.  Zur Feier des Tages besuchen wir ein letztes Mal das L’Inflexible für eine Omelette mit Frites und Salat. Dann bleibt noch etwas Zeit um am Blogg weiter zu arbeiten. Leider hat die Capitainerie am Nachmittag geschlossen, so dass wir das Kopieren des Blogs auf unsere Webseite aufschieben müssen. In der Nacht trommeln die Wellen noch immer ans Heck, nach einer Weile gelingt es uns aber doch einzuschlafen.

 

Dienstag 2.5.2017

 

Am Morgen geniessen wir noch einmal die warme Dusche in der Capitainerie Arzal, dann geht es noch einmal nach Herbignac für die letzten Einkäufe. Anschliessend zur Capitainerie um unseren Liegeplatz zu bezahlen. Dann verabschieden wir uns beim Team von Arzal Nautique. Ein grosses Dankeschön an Dominique für die Organisation und stets ein offenes Ohr für unsere Anliegen. Ein sehr grosses Dankeschön an Gilda, der uns mit seinem Fachwissen mit Rat und Tat unterstützt hat, ein spezieller Dank für den Boden in unserem Stauraum an ihn. Vielen Dank An Annie für ihre enorme Unterstützung und Hilfsbereitschaft. Danke auch an Dominique für seine Ratschläge in Sachen Malen und nicht zuletzt vielen Dank auch an Loic unteren anderem für seinen Anbau des Windpiloten und Austausch der Accus.
Um 12.00 Uhr sind wir eigentlich bereit zum Ablegen, also Motor anlassen. Der will aber eigentlich noch nicht so richtig und muss erst etwas überredet werden. Offenbar hat die Heizung die Dieselleitung gelehrt, denn der Motor stirbt einige Male ab und ich muss erst manuell für den nötigen Diesel Nachschub sorgen. Nach einigen Versuchen können wir schliesslich ablegen und der Diesel schnurrt wie eine gut genährte Katze in Richtung La Roche Bernard. Unterwegs spielen wir noch etwas mit dem Boot, um seine Reaktion besser kennen zu lernen. Ca. 2 Meilen oberhalb La Roche Bernard werfen wir Anker und erfreuen uns während der Mittagspause an Natur pur. Wir geniessen den Moment nach diesen drei Monaten des Arbeitens auf dieses Ziel hin. Es war teilweise recht streng und anspruchsvoll, Vieles war neu für uns und musste erst erarbeitet werden, aber auch anregend und befriedigend in dem wir selber Lösungen für Probleme gefunden haben.

 

Nach einer guten Stunde Pause fahren wir wieder zurück nach Arzal, um die 18.00 Schleuse zu kriegen. Zunächst kurven wir längere Zeit vor der Schleuse, bis endlich das Klingelzeichen ertönt und die Brücke in die Höhe steigt. Dann fahren wir in den Schleusenkanal ein, wir sind allein in der. Nur gut haben wir schon ein oder zweimal zugeschaut, wie das Ganze abläuft, so kommen wir ohne grössere Probleme aus dem Süsswasser der Vialine in den Atlantik. Kurz nach der Schleuse machen wir am Warteponton fest und geniessen den Sonnenuntergang das erste Mal in Salzwasser. Der Wind flaut völlig ab und es wird einfach nur still um uns herum. Ein sehr spezieller Moment für uns, nach zwei Jahren der Planung, Umsetzung und den letzten 3 Monaten intensiven Arbeitens am Boot, sind wir jetzt buchstäblich über die Schwelle der Barrage d’ Arzal gerutscht in unser neues Abenteuer. Vor 3 Monaten sind wir hier in der Bretagne ankommen mit zwei Wagen voller Utensilien und einem Traum in unseren Herzen. Die Bretagne kannten wir überhaupt nicht und haben die Landschaft in die Leute um uns herum Lieb gewonnen. Die Landschaft mit Natur pur, die Flusslandschaften, die französische Küche von Austern bis Fisch– einfach nur genial und absolut sehenswert. Auch für Leute die nicht segeln, sondern sich als «normale» Feriengäste hier aufhalten wollen, wir können diesen Besuch nur empfehlen.

 

3.5.2017

Nach einer ruhigen Nacht am Warteponton nehmen wir noch einmal kurz eine Dusche in der Capitainerie Arzal und begeben uns mit frischen Baguettes aus der l’Epicerie du port wieder an Bord der Santjana. Als wir bim Baguettes bewaffnet vom Duschen zurückkommen, erhalten wir Besuch von der Capitainerie – ob wir unseren Aufenthalt am Warteponton wohl etwas zu sehr in die Läge gezogen haben? Nun ja, wir waren schon ein «wenig» länger hier, als die 12 Stunden auf der Tafel neben unserem Boot angebrachten Tafel – Desolée!
Wir geniessen die Ausfahrt aus der Vilaine Mündung sehr an diesem Morgen, die Landschaft ist traumhaft schön, es geht vorbei an kleinen Fischerhäfen und Dörfern, so richtig Bilderbuchmässig. Anschliessend führt uns die Fahrt der Küste entlang vorbei an Penestin, Piriac sur mer und La Turbaille bis vor Le Croissic. Die Einfahrt ist ein enger Schlauch mit drei Richtfeuern markiert, das erste kann ich aber erst ausmachen als wir schon beinahe dran vorbeigefahren sind. Wir finden eine freie Boje im Le Pool, einer Stelle an der auch bei Ebbe genügend Wasser stehen bleibt, um unser Bötchen schwimmen zu lassen. Ansonsten steigen ringsherum allenthalben Sandbänke und Felsrücken aus dem Wasser, spannend zu sehen, wie unweit von unserem Bojen- Platz auch Austernbänke sichtbar werden.  Die Tide beträgt im Moment ca. 3m. Leider wird im Laufe des Nachmittags die Sonne durch eine dicke schwarze Wolke abgelöst und es wird unangenehm kühl im Cockpit, so dass wir uns nach drinnen verziehen.

 

4.5.2017

 

Die Nacht an der Boje war grösstenteils ruhig, ein oder zweimal haben Wind und Wellen mit uns gespielt und tüchtig durchgeschaukelt. Dazu klopfte die Boje an der wir hingen, einige Male an die Bordwand. Der Morgen ist herrlich, toller ablandiger Wind aus NE verspricht einiges für den Tag. Pünktlich um 10.00 kommt der Service du Port vorbei, um zu kassieren. Wir plaudern noch etwas mit dem netten Herrn, bevor wir aufbrechen und aus Le Croisic auslaufen. Der langen Mole entlang führt uns unsere Route vorbei an La Baule und Pornic quer über die Loire- Mündung. In der Ferne sehen wir St. Nazaire und die grosse Brücke über die Loire. In er Ferne liegen einige Dickschiffe auf Reede und warten, bis sie Einlaufen können. Der Wind legt noch einige Zacken zu, da wir die Fussreling nicht durchs Wasser schleifen wollen, legen wir ein erstes Reff ein. Santjana liegt so besser im Ruder und für uns ist es so auch angenehmer. Wir queren die Fahrrinne der grossen Pötte und halten Ausschau, dass wir keinem vor den Bug laufen. Nach ca. 6 Stunden erreichen wir l’Herbaudiere auf der Halbinsel Noirmoutier. Wir machen am Visitorsquai fest und ich mache mich auf den Weg zur Capitainerie um einen Platz zu bekommen. Zurück auf der Santjana erhalten wir Besuch vom Französischen Zoll, der uns unter die Lupe nimmt. Nach der Kontrolle und einigen Fragen der freundlichen Beamten, erholen wir uns erstmals im nahen Bistro von unserem ersten Segeltag. Nach zwei Jahren in denne wir nicht mehr gesegelt sind wir eigentlich mit dem heute geleisteten ganz zufrieden und freuen uns auf die beiden nächsten Hafentage hier. Es ist starker Wind angesagt und wir nutzen die Gelegenheit um noch einiges zu erledigen: Boot waschen, Scheuerleiste kärchern, Bändsel für die Schoten anbringen, eine bessere Reffleine einziehen, endlich mal wieder den Blog aktualisieren und noch einiges mehr und hoffentlich auch noch etwas von Noirmoutier sehen.

 

Freitag, 5.5.2017

 

Es pfeift durch die Riggs, draussen weisse Schaumkronen. Im Hafen ist es zwar ruhiger, aber auch hier werden wir tüchtig durchgeschaukelt. Wir nutzen den Hafentag für diversen Arbeiten, wir montieren Aufhängungen für unsere Schotten und Fallen, damit der Leinenwirrwarr ein Ende hat. Leider fehlt bei einer Packung dieser Aufhängungen das entscheidende Teil, also immer genau hin sehen, wenn man etwas kauft! Die Wäsche können wir in der Laverie bei der Capitainerie waschen und dann geniessen wir wieder einmal eine heisse Dusche. Der Abend bringt Regen, während dem der Wind abflaut. Der Fisch mit Salat schmeckt vorzüglich in der gemütlich warmen Kajüte, während der Regen aufs Deck klopft.

 

Samstag, 6.5.2017

Das Wetter hat sich sehr gebessert und die Sonne scheint durch das Bullauge auf unseren z’Morge-Tisch. Danach müssen wir mal etwas frisches Gemüse und Früchte einkaufen und den zweiten Kaffee gibt es im Bistro oben am Hafen. Offensichtlich ist der Kaffeepreisüber Nacht gewaltig in die Höhe geschnellt, denn uns wird der doppelte Preis wie gestern berechnet. Als ich deswegen reklamiere, meint die Dame, sie müsse auch zwei Kaffeekapseln pro Tasse nehmen. Nach kurzem hin und her hat sich der Kaffeepreis dann plötzlich wieder normalisiert…. Zurück auf dem Boot befestige ich wieder die Beschläge, die wir während unseren Malaktionen abmontiert hatten! Neben uns legt ein grösseres Motorboot an, die Dame überreicht mir lächelnd einen Knäuel Leine, die ich dann um einen Poller wickle. Die beiden Herren auf dem Achterdeck sind sich wohl zu schön um sich für solches herabzulassen. Dafür knallen dann bald die Champagnerkorken, es wird kräftig geprostet, gelacht, musiziert und gesungen, während wir auf der anderen Seite des Stegs mit dem Kärcher zu Gange sind. Wir geben uns zwar Mühe nicht allzu stark zu spritzen, aber naja…. Beim zusammenräumen des Kärchers gleitet mir die Kabelrolle aus den Händen und versinkt mit lauten pflatsch im Hafenbecken. Meine Versuche die Rolle wieder mit einem kleinen Draggen herauszufischen bleiben leider erfolglos.
Tagesbilanz: eine saubere Bootsseite, Beschläge montiert und eine versenkte Kabelrolle.

 

Sonntag, 7.5.2017

 

Da l’Herbaudière noch im Aufwachmodus ist, denn wir finden kein offenes Bistro oder Cafe um 10.00 Uhr Morgens, machen wir noch einen zweiten Kaffee an Bord, bevor es dann um ca. 12.00 Uhr in Richtung Joinville auf Ile de l’Yeu losgeht. Die erste Stunde ist recht holperig, wir fahren gegen den Strom, der um den Pte. L’Herbaudière drückt. Anschliessend geniessen wir einen super schönen Segeltag, der mit einem heckwärtigen Anlegen am Stegplatz C30 in der Marina von Joinville endet. Ob wir wohl an diesem Platz bleiben dürfen? Auf meine Funkrufe habe ich keine Antwort erhalten. Aber nach einigen Minuten am Steg werden wir charmant von einer Dame begrüsst und nach dem Namen unseres Bootes gefragt. Alles in Ordnung, dem geordneten Anlegetrunk steht nichts mehr im Wege. Den Anlegetrunk geniessen wir im nahen Städtchen und anschliessend die Crostinis an Bord. Irgendwie sind wir ziemlich auf dem Leim. Ob es an der heutigen Schaukelei oder am Anlegetrunk liegt, wissen wir nicht, aber wir schlafen auf jeden Fall sehr gut.

 

Montag, 8.5.2017

 

Ein herrlicher Morgen, aber wieder mal von der kühlen Sorte. Nach dem Frühstück brechen wir auf in die Stadt für einen zweiten Kaffee. Heute ist Feiertag zu Erinnerung an das Kriegsende. Es spielt die Stadtmusik und die örtlichen Würdenträger legen Blumen am Gedenkmal ab. Die anschliessende Zeremonie mit absenken der mitgetragenen Fahnen und der Schweigeminute sind sehr eindrücklich und ergreifend zugleich.
Wir machen eine kleinere Strandwanderung und geniessen unser Iiklämmts auf den Felsen. Die Gegend ist sehr schön und der Strand lockt zum Verweilen ein. Leider ist uns das Wasser mit ca. 15 Grad doch noch zu kalt, um die diesjährige Badesaison zu eröffnen. So, jetzt noch etwas am Blog schreiben, bald ist wieder Abend.

Da kommt ein Riesenteil von Super Maramu 2000 in die Marina und will neben uns am Steg festmachen. Ich nehme die Trosse von der Dame entgegen, während der Herr  der Schöpfung hinter dem Haspel steht und mich keines Blickes würdigt.. Da meine Dienste offensichtlich nicht gefragt sind, mache ich die Trosse an der Klampe fest und begebe mich wieder an Bord der Santjana. Offensichtlich hat dem Typen meine ausgewählte Klampe nicht gepasst, denn es kommt auch kein "Bonjour" herüber. Tja, 16m machen eben auch keinen Gentleman....

 

Dienstag, 9.5.2017

 

Nach dem morgendlichen Spaziergang zur Boulangerie für ein Baguette und ein Tradi und dem anschliessenden petit-dejeuner, machen wir uns auf den Weg zur Busstation. Mit der Linie 1 geht es dann kreuz und quer Holterdipolter über die Insel. Nur gut, dass der Bus eher klein ist, viel grösser dürfte er bei der Strassenbreite auch nicht sein. Wir fahren ca. 20 Minuten auf die andere Inselseite zum Vieux Chateau, einer Burgruine aus dem 16 Jh. Direkt an der Küste gelegen. Von da führt uns ein gewundener Pfad gute zwei Stunden durch eine wirklich schöne Landschaft immer schön der Küste entlang. Mittlerweile ist es sogar angenehm war, so dass bereits Shorts angesagt sind. Da wir zuletzt von einer Schar mit Walkingsticks bewaffneter Wanderer verfolgt werden, machen wir Mittagshalt und lassen die Schar vorbei. Nach der verdienten Pause geht es um die nächste Ecke und wir sind bereits im Port de la Meule angekommen. Die Bar de la Meule lockt mit einer schönen Sonnenterasse und einer delikaten Speisekarte, der wir nur mit grosser Mühe widerstehen können. Stattdessen gibt es ein Bolée Cidre und einen wunderschönen Ausblick auf den kleinen Fischerhafen. Mit der Linie Bleu geht es anschliessend wieder in Richtung Port Joinville, wo wir noch einen kurzen Abstecher in die Citadelle machen. Einst Festung, dann Gefängnis und jetzt ein Ort für örtliche Vereine und Institutionen. Von der Citadelle geht es durch enge Gassen vorbei an weissgedünkten Häusern mit hellblauen Fensterläden und schönen Gärten wieder hinunter zum Hafen.
Die heisse Dusche bei der Capitainerie geniessen wir ebenso wie den Schlummertrunk nach unserm Nachtessen.

 

Mittwoch, 10.5.2017

 

Eigentlich wollten wir heute schon nach La Rochelle aufbrechen, aber da wir den ganzen Weg von ca. 60 Meilen den Wind immer auf die Nase gehabt hätten, verschieben wir das Vorhaben auf den nächsten Tag. Nach dem z’Morge steht als nächstes das Einkaufen im nicht ganz so nahen Super U auf dem Programm, wo wir sogar eine neue Kabelrolle als Ersatz für die von mir versenkte Kabelrolle finden. Das Mineralwasser mögen wir nicht quer über das Hafenquai schleppen, daher erstehen wir es im nahen Shop am Hafen. Aber oha, je kürzer der Weg, desto höher der Preis. Wir bezahlen hier für eine Flasche Sprudel nicht viel weniger, wie für eine 6er Packung im Super U…..

 

Donnerstag, 11.5.2017

Früh am Morgen werden wir durch Geklopfe an Deck geweckt. Es regnet wieder einmal. Keine Lust bei Regen aufzubrechen, zumal die Wettervorhersage nicht gerade berauschend ist. Die beiden englischen Gentlemen mit ihrer Oyster 46 neben uns sind offensichtlich an dieses Wetter gewöhnt. Sie legen im Regen mit Vollmontur – Segelanzug und Rettungsweste ab. Offensichtlich haben sie ein besseres Näschen gehabt als wir, oder die bessere Wettervorhersage, denn nach ein paar Stunden hört der Regen tatsächlich auf und ab Mittag wird es richtig sonnig. Wir nutzen die Sonnenstunden für einen letzten Spaziergang dem Strand entlang.

 

Freitag, 12.5.2017

Der Wecker rappelt um 05.30, um 6 Uhr ist Hochwasser. Eine gute Zeit um abzulegen, aber es ist noch Zappen duster draussen. Also noch ein wenig an der Wärme bleiben. Aber eine halbe Stunde später ist es einigermassen hell, so dass wir uns an die Vorbereitungen machen können. Stromkabel einrollen, Festmacher umhängen, so dass wir die Leinen vom Boot aus bedienen können zum Ablegen. Karten bereitlegen, Logbuch Einträge machen, Schwert herablassen, Positionslichter anschalten und nicht zuletzt Segelanzug und Rettungswesten anziehen. Dann Motor anlassen und warmlaufen lassen und ablegen. Wir verlassen den hübschen Hafen auf der liebenswerten kleinen Insel. Draussen bläst es dann aber schon ganz anständig, nur gut, dass wir unser Müesli in entsprechenden Schalen vorbereiten können. So fliegt wenigstens nichts weg. Es spritzt ganz ordentlich, ab und zu fliegt der Gischt bis ganz nach hinten ins Cockpit. Als wir das südliche Ende von Ile de l’Yeu hinter uns lassen, wird auch die See etwas ruhiger. Der Himmel aber bleibt bedeckt und Wolken verhangen, die von der Wettervorhersage prophezeiten Aufhellungen lassen auf sich warten. Auf der Höhe von Les Sables d’Olonne werden wir von einer ersten Regenfront eingeholt. Wir werden tüchtig geduscht, der Wind legt einiges zu und wir legen ein zweites Reff ein, so geht es einigermassen erträglich durch. Kaum ist diese Front durch, kündigt sich auch schon eine weitere Regenwand an. Neben Ile de Ré erreicht uns die letzte Regenfront, uns langt’s langsam, nur gut lassen die ersten blauen Streifen am Horizont auf Besserung hoffen. Tatsächlich können wir im schönsten Sonnenschein unter den Brückenbogen der grossen Brücke zwischen La Rochelle und Ile de Ré durchfahren. Vor uns liegt die Bucht von La Rochelle, wir segeln entlang dem Handelshafen, der Wind stetig ab, bis wir dann für die letzten zwei Meilen noch den Dieselwind bemühen müssen. Auf Höhe des Leuchtfeuers Richelieu rufen wir die Capitainerie La Rochelle um nach einem Liegeplatzt zu fragen. Wir erhalten die Antwort per Funk am Ponton 3 einen freien Platz zu wählen. Wo zum Geier ist Ponton 3? Nur gut haben wir in Arzal den Bloc Marine 2017 erstanden, in dem nächst allen wichtigen Informationen wie Tiden, Strom, etc. auch alle Marinas an der französischen Atlantikküste aufgeführt sind. So können wir ohne Probleme am Ponton 3 Platz 28 festmachen. Auf der Capitainerie melden wir uns an, fragen nach dem Packet aus Arzal, dass hier sein sollte und von dem natürlich keiner hier etwas weiss. Dann ab in die Dusche, denn die brauchen wir dringend nach der unterkühlten Reise. Dusche mit fliessend kalt Wasser, denn wir müssen für das heisse Wasser zahlen, was wir leider erst nach der Dusche erfahren…. Zurück auf der Santjana geniessen wir unsere Raviolis zum z’Nacht an Bord und fallen dann ziemlich müde in die Kojen.

 

Samstag, 13.5.2017

 

Es begrüsst uns ein grauer Himmel, nach dem Frühstück machen wir uns auf in diverse Ausrüstershops, denn wir wollen unsere Borduhr abholen, die uns von Arzal nach La Rochelle bestellt worden war. Dann gilt es sich zu orientieren. Wo kann man Lebensmittel einkaufen, wo ist die Boulangerie für frisches Brot, wo ist die Laverie, um Waschen zu können. Nach dem wir uns einen Überblick verschafft haben, spazieren wir zum Vieux Port von La Rochelle. Im Gegensatz zu unserem ersten Besuch in La Rochelle scheint heute hier die Hölle los zu sein. Es findet ein Marathon statt, viele Teilnehmer und noch mehr Besucher, die die Läufer anfeuern. Wir verziehen uns etwas abseits und finden einen schönen Tisch an der Sonne in einer Crèperie. Dort sind wir allerdings nicht wirklich willkommen, sodass wir uns schleunigst nach einem anderen Lokal umsehen.
In der Bucht von La Rochelle ist ebenfalls einiges los. Segelboote, Jollen, Kayaks, Hobbiecats und Ausflugsboote bieten ein hübsches Bild.
Wir geniessen den Abend in unserem Cockpit, es gibt immer etwas zu sehen, wie der englische Gentleman visavis. Der mit stoischer Ruhe seine Parabolantenne nach dem Satelliten ausrichtet, wohl um BBC empfangen zu können. Dann ruft er seine Frau auf den Plan, damit sie richte, was er sehe….
Darling, would you mind, putting it a bit more to right, no, too far, a bit higher, …. Well ….
Wie gesagt, sehr unterhaltsam, das reinste Freiluftkino. Bald wird es aber wieder kühl, wir verziehen uns nach drinnen, um beispielsweise am Blog zu schreiben.

 

Sonntag 14.5.2017

 

Nach dem Frühstück geht es munter ans Werk, auf dem Programm stehen unter anderem: Kleider waschen, Doris die Haare schneiden, Doris Haare färben, Kleinigkeiten wie Tischarretierungen ersetzen, und die Uhr aufhängen bzw. ans Schot schrauben, dann Wasser auftanken, ohne dass die Tanks überlaufen. Die neuen Tankdeckel können wir morgen bei La Poste abholen. Dann geht’s unter die Dusche, diesmal mit heissem Wasser für ein Euro (…) Dann spazieren wir in die nicht so ganz nahe Stadt um unseren heutigen Hochzeitstag zu feiern. Apéro gibt es bei Bistro…. Und dann Nachtessen ein paar Türen weiter im Bistro du Port. Ein ausgefüllter Tag findet hier seinen gebührenden Abschluss. Wir versuchen uns beim Nachtessen zu erinnern, wie es damals war, vor -zig Jahren.

 

Montag, 15. 5.2017

 

Wir sind früh auf und bereits auf dem Weg zu La Poste, um das Packet von Arzal-Nautique mit den Ersatzteilen abzuholen. Am Schalter werde ich mit Kopfschütteln empfangen und an die Post am Bahnhof La Rochelle verwiesen. Also auf zum Bahnhof – aber am Bahnhof können wir keine Post finden. Nur «etwas» weiter weg zeigt Google Map ein Post Office, ganz bei uns in der Nähe vom Liegeplatz. Würde also noch Sinn machen, dass unser Packet dort gelagert wird. Aber auch bei zweiten Post Office Fehlanzeige, so wandere ich also den Weg zurück zum Bahnhof und versuche mein Glück beim dritten Bureau de la Poste auf der anderen Seite… und siehe da, oh wunder, das Packet ist sogar vorhanden! Etwas geschlaucht und genervt treffe ich wieder beim Boot ein. Eigentlich wollte ich heute Morgen schon einiges anderes erledigen, statt wie ein Irrwisch durch La Rochelle zu wetzen. Immerhin gelingt es mir den alten Antenna Tuner auszubauen und den neuen einzubauen und anzuschliessen. Der KW- Transceiver macht aber auch nach meinen Bemühungen noch keinen Mucks. Morgen werde ich noch die Sicherungen prüfen, dazu muss die Box zerlegt werden. Doch das verschiebe ich auf morgen. Jetzt geniessen wir erst mal im 2017 etwas Strandleben am Sandstrand neben der Marina. Endlich mal etwas Sonne und Wärme auf der Haut, die letzten paar Monate waren diesbezüglich äusserst unterkühlt.

 

Dienstag, 16.5.2017

 

Doris unternimmt einen Bummel durch die «Shoppingmeile» von La Rochelle und kehrt nach einigen Stunden erhitzt, aber nicht allzu beladen zurück. Ich kann trotz zerlegen des Transceivers keine Ursache für dessen Dienstverweigerung finden. Dafür klappt endlich die Darstellung der Karten auf unserem Plotter. Das ist zwar nicht unbedingt notwendig, aber dennoch eine hilfreiche Ergänzung bei der Navigation in noch unbekannten Gewässern. Am Nachmittag verkriechen wir uns unters Bimini, es ist bereits 26 Grad und zu heiss für an den Strand, zumal das Wasser erst 16 Grad ist und wegen des nahen Hafens auch nicht gerade kristallblau…

 

Mittwoch 17.5.2017

 

Welch ein Unterschied zu gestern, das Wetter ist heute nicht mehr so strandtauglich, es ist bedeckt, kühl und bläst ziemlich. Für morgen ist dann so richtig schlechtes Wetter angesagt. Ich schlage mich noch immer mit dem Kurzwellensender rum, der so gar nicht will wie ich. Immerhin habe ich mittlerweile Unterstützung per E-Mail von ICOM France. Die Administration muss auch abgearbeitet werden, es gibt noch Unklarheiten wegen Steuern und AHV. All dies braucht so seine Zeit. Das WLAN ist auch nicht immer so arbeitsfreudig, weshalb wir auch mit unseren Fotos im Blog etwas im Rückstand sind. Wir machen einen richtigen Touristenausflug mit dem Boot in die Bucht von La Rochelle. Wir verlassen den Vieux Port und fahren eine knappe Stunde bis zum Fort Boyard, das zu Napoleons Zeiten erbaut wurde und die Zufahrt zu Rochefort absichern sollte. Am Fort wird zur Zeit gebaut, sodass wir dort leider nicht anlegen können für eine Besichtigung. Weiter geht es zur Ile d'Aix einer kleinen Insel in der Bucht von La Rochelle, auf der ca. 200 Einwohner permanent wohnen. Der Himmel überzieht sich immer mehr mit Wolken und die versprochene Sonne macht sich rar. Eine Jacke wäre heute angesagter gewesen als Shorts und T-Shirt. Leicht durchfroren wärmen wir uns bei einem heissen Kaffe an Land dann wieder auf.Am Abend machen wir einen langen Spaziergang entlang der Küste durch eine schön angelegte Gartenanlage.

 

Donnerstag, 18.5.2017

 

Es regnet, bläst und ist so richtig unfreundlich. Das richtige Wetter um das Seewasser Aquarium in La Rochelle zu besuchen. Irgendwie sind noch andere auf dieselbe Idee gekommen, insbesondere die Lehrerschaft von La Rochelle, denn zahlreiche Schulklassen von Kindergarten bis zur ca. 4. Klasse belagern die zahlreichen Aquarien. Auf dem Heimweg gehen wir noch etwas einkaufen und erfrieren dort beinahe vor den Kühlregalen. Kein Wunder tragen alle Verkäuferinnen dicke Pullover oder Fasis. Gegen Abend klart das Wetter etwas auf, so dass wir noch trockenen Fusses in der nahen Pizzeria noch zwei Pizzas holen können.

 

Freitag, 19.5.2017

 

Wir werden durch die Dusche an Deck geweckt, es giesst aus vollen Kübeln. Auch sonst ist heute sehr abwechslungsreiches Wetter, Sonne und Regengüsse wechseln sich den ganzen Tag ab. In der nahen Bäckerei haben wir ein petit déjeuner und anschliessend ans arbeiten auf der Santjana. Doris räumt die Achterkabine auf, damit nichts durcheinanderpurzelt, wenn es denn bald losgehen sollte. Ich habe endlich einen Durchbruch beim Kurzwellensender, ein schlechter Kontakt war die Ursache für die Dienstverweigerung. Der Radar ist auch angeschlossen und funktioniert. Dafür beginnt der Tank des Aussenborders zu lecken und gibt pro Stunde einen Tropfen Öl-Benzin Gemisch ins Wasser ab. Ich habe mich schon geärgert, wer da einfach Öl ins Wasser gibt. Peinlich das wir die Verursacher waren. Ich dichte das Leck mit Silikonmasse ab, als temporäre Massnahme. Um weitere Probleme mit dem Aussenborder zu vermeiden, besuchen wir die örtliche Yamaha- Vertretung, um wegen eines Motorservices und ggf. nach dem Preis für einen neuen Aussenborder zu fragen. Die in der Vertretung anwesende Dame überschlägt sich nicht gerade mit Arbeitseifer und überlässt uns geflissentlich dem Broschüren Stand. OK, verstanden, es gibt ja auch noch andere Hersteller….  Den arbeitsreichen Tag beschliessen wir mit einem Besuch im Sushi Restaurant nach einem Austern Apéro.

 

Samstag, 20.5.2017

 

Wir machen nochmals einen Bummel durch die Altstadt von La Rochelle. Nach dem gestrigen arbeitsintensiven Tag ist etwas Abwechslung auch mal schön. Draussen ist es immer noch kühl und macht hin und wieder immer noch am Regnen rum. Der Tag geht extrem schnell vorbei mit einigen Einkäufen an Proviant für die nächsten paar Tage und Mineralwasser muss auch noch herangeschafft werden. Nur gut haben wir dazu unseren kleinen Handwagen, sonst würden wir uns wohl krumm und …schleppen…

 

Sonntag, 21.5.2017

 

Wir machen uns bereit für die nächsten paar Tage Überfahrt nach Spanien. Aufräumen, Karten studieren, Wetter einholen, abfragen wann welche Schiessgebiete weiter südlich aktiv sind. Heute Sonntag finden dort keine solche Aktivitäten statt, erst am Montag sind 3 Gebiete für die Schifffahrt gesperrt. Unser Kurs führt uns aber weit neben diesen Gebieten durch. Jetzt gibt es dann noch einen Kaffee im Bistro, dann noch Wasser tanken und dann kann es losgehen. Den Liegeplatz haben wir auch schon bezahlt.
Heute findet die Taufe von Ronja statt. Wir wünschen der Taufgemeinde einen wunderschönen Tag und stossen auf Ronja an. Aber erst, wenn wir wieder an Land sind.

 

Montag, 22.5.2017

 

Der Morgen ist grau und kühl, ein klarer Gegensatz zu gestern. Wir werden von einigen Delphinen begleitet, die um unser Boot herumturnen. Am Nachmittag erhalten wir Besuch von einem kleinen Vogel, könnte ein Zaunkönig sein, der unsere Santjana als zeitweilige Bleibe aussucht. Wir taufen den Winzling auf den Namen Tweetee, er, bzw. sie ist ausgesprochen neugierig und inspiziert das schwimmende Heim von vorne bis hinten. Der kleine Wirbelwind macht Jagd auf die vielen Fliegen, die sich bei uns beim Verlassen des Festlands niedergelassen haben. Am Abend verschwindet er wieder auf Nimmerwiedersehen, ob er wohl wieder Land erreicht hat?
Tagsüber kreuzen zwei Küstenfrachter unseren Kurs, sonst sehen wir keine anderen Schiffe. Als wir am Abend unsere Positionslichter einschalten wollen, erleben wir eine böse Überraschung, denn das grüne Licht an Steuerbord geht nicht mehr, auch das «Dampferlicht» streikt und ebenso die Dreifarbenlaterne im Top. Da ich nicht in der Dunkelheit auf dem Deck herum kriechen mag, fahren wir einäugig durch die Nacht.

 

Dienstag, 23.5.2017

 

Der Morgen ist immer noch grau, immerhin zeigen sich einige blaue Stellen am Himmel, das Baro bleibt konstant hoch, der Wind hat aber gedreht und einiges zugelegt. Als wir uns dem spanischen Festland bei Cabo Ortegal nähern pendelt sich der Windmesser bei 30 Knoten Wind ein. Wir fahren nun mit dem 3. Reff und können so einigermassen den Kurs halten, obwohl wir von den grösseren Wellen immer wieder aus dem Kurs geworfen werden. Die Wellen laufen nun von Steuerbord achterlich unter der Santjana durch, ein sehr imposanter Anblick. Hie und da fliegt Gischt über die Bordwand, Biskaya lässt grüssen. Der Wind legt weiter zu mittlerweile gegen 40 Knoten, in Böen messen wir 44 Knoten, die Wellen beginnen sich aufzutürmen. Santjana lässt sich nur unter erheblichem Kraftaufwand steuern, der Autopilot verweigert immer wieder seinen Dienst und kann nur kurz benutzt werden, um die steifen Muskeln kurz zu lockern. Dazu löst sich plötzlich das Kuttersegel und beginnt sich loszurollen. Ich versuche auf dem Deck kriechend das Segel zu bändigen, was mit mässigem Erfolg gelingt. Nach ca. 3 Stunden sind wir durch das Gröbste hindurch und der Wind lässt nach auf knapp 30 Knoten, womit das Steuern einigermassen gut geht. La Coruna ist noch gut vier Stunden Fahrt entfernt, es wird somit sicher Nacht sein, bis wir dort einlaufen können. Ein Anlegen bei Nacht ist immer eine spannende Angelegenheit, zumal wir noch nie hier waren. Aber mit den Karten, der Beschreibung des Hafenhandbuches, Plotter und Radar finden wir die richtigen Leuchtfeuer und die Einfahrt zur Marina Curuna. Wir machen dort an einem Aussensteg fest. Als ich auf den Steg springe, lande ich in einer Art Spinnennetz aus Leinen, wohl um die Möwen fern zu halten. Nach ein paar Stolperschritten durch die Fussangeln gelingt es mir mein Gleichgewicht wieder zu finden und Doris beim Anlegen zu Unterstützen. Müde fallen wir in die Koje.

 

Mittwoch, 24.5.2017

 

Wir melden uns im Office der Marina für 3 Tage an und beginnen mit den diversen Arbeiten, die anstehen. Als erstes wird Diesel getankt und ein besserer Liegeplatz für die nächsten paar Tage gesucht. Santjana wird von der Salzkruste befreit und von Bug bis Heck mit dem Kärcher abgespritzt. Derweilen schlägt sich Doris mit der Waschmaschine herum. Gegen Abend unternehmen wir einen Bummel durch die Altstadt von La Coruna. Bei der Plaza de la Constitution und einem Glas Esterella Galicia wird uns so richtig bewusst, dass wir in Spanien angekommen sind. Es riecht anders hier, die Vegetation und die Häuser sehen anders aus, das Temperament der Spanier rings um uns herum und die Wärme des Abends. Wärme, welche wir in der Vergangenheit so vermissten. Vier Monate Frankreich in der Bretagne sind wie im Flug vergangen und nun bereits vorbei, eine tolle Zeit, aber auch eine sehr produktive Zeit. An der Plaza del Maria Pita lockt uns ein Lokal mit Tapas, wo wir einige Tapas Varianten versuchen und sind gespannt, wann wir «richtige» Tapas finden werden.

 

Donnerstag, 25.5.2017

 

Die Arbeiten an der Santjana gehen weiter, das Problem mit dem Ruder muss gelöst werden, ebenso sie Probleme mit den Positionslichtern. Dann wartet einiges an Wäsche vor der Waschmaschine und später darauf auf dem Boot zu Trocknen.
Das Problem mit dem Ruder lässt sich darauf zurückführen, dass sich das Ruderblatt nicht mehr per Hydraulik absenken und verriegeln lässt, daher kann auch der enorme Kraftaufwand zum steuern des Bootes erklärt werden. Nach einigem Studieren des Bootsmanuals (auf Französisch!!) untersuche ich den Überlastungsschutz der Hydraulik, bingo. Offensichtlich hat das Ruderblatt auf der Fahrt hierher Kontakt zu einem festen Gegenstand und wurde dadurch hochgeklappt, was den Überlastungschutz auslöste. Überlastungsschutz auswechseln, Ruderblatt lässt sich wieder wunderbar absenken und hochklappen.

 

Positionslicht Steuerbord ein schlechter Kontakt im Lampengehäuse, reinigen, mit etwas WD40 nachhelfen, grünes Licht wieder io.

 

Das Dampferlicht ist nun ein etwas anderes Kaliber, da ich für die Fehlersuche in den Mast hochmuss, allerdings «nur» etwa bis zur Hälfte. Von Doris per Fall und Klettergurt gesichert, versuche ich mit einer Hand die Verkleidung der Leuchte zu lösen. Zack, gibt das Gehäuse nach, entgleite meiner Hand und plonk, …. Pflatsch verschwindet im Hafenbecken, Mist…. Gut habe ich noch eine Orginalleuchte mit dabei, die ich nun installiere. Nach viermaligen hoch und wieder runterklettern brennt auch dieses Licht wieder, …. Uffff.
Nur gut ist jetzt alles erledigt, inklusive Wäschewaschen und trocknen, denn am Himmel ziehen Wolken auf, die nach Regen aussehen.

 

Steggespräche:

 

Woher kommt ihr? «Aus Deutschland».
Klar, Schwarz – Rot – Gold am Heck zeigen uns das ganz genau.
Wohin geht es jetzt? «Zurück nach Deutschland»
Wo seid ihr denn jetzt gewesen? «Ja, wir kommen jetzt aus der Karibik, sind im August des letzten Jahres von Deutschland dorthin gefahren»
Aha, cool, und wie habt ihr die Karibik erlebt? «Ja, nix besonderes, grosse Armut, keine Piraterie, ja, beim Einklarieren braucht man Zeit und Nerven» «Ja, und in New York waren wir auch mit dem Segelboot»
Wow, muss grossartig sein!? « Naja, geht, Grossstadt halt ….»

 

Und dann doch: «Und was macht ihr?»
Wir sind auf dem Weg aus der Bretagne ins Mittelmeer, um dann auf Anfang November zu den Kanaren zu fahren, um uns für die Teilnahme am Atlantic Rally for Cruisers vorzubereiten.
Das entlockt unserem Gegenüber ein verächtliches Schnauben: « Würde ich nie machen, viel besser allene…» Darauf ein Rippenstoss seiner Begleitung… «aber wer’s mag ….»
Schweigen….
Naja, Mittelmeer wollten wir auch mal, aber es gibt besseres,….
Darauf er zu ihr: «Weisst du noch, damals im Hafen von… bei Windstärke 8 und meterhohen Brechern…. Darauf Sie: ja, und die nette Hafenkneippe mit der tollen Musik ….»
So geht es ein paar Mal zwischen den beiden hin und her, worauf wir uns auf Französisch verabschieden und die beiden Segler mit verständnislosem Blick zurücklassen.

 

Freitag, 26.5.2107

 

Regen klopft, nein, prasselt an Deck. Eigentlich wollten wir heute beizeiten aufstehen, um noch etwas von der Stadt zu sehen, aber bei dem Wetter drehen wir uns lieber noch ein, zweimal in der Koje. Nach Neun Uhr sind wir dann doch bereit für eine Runde durch la Coruna, im Cafe Veracruz stärken wir uns mit einem Desajuno Veracruz, das aus frisch gepressten Orangensaft, Kaffee und wahlweise, einer Art dänischem Plunder und einer Tortilla in einem Brötchen besteht. Vorne im Lokal werden diverse Kaffeemischungen angeboten, nicht zuletzt zeugen die vielen alten Kaffeemühlen an der Wand vom Ursprung des Lokals. Heute regnet es scheinbar nur einmal, mal etwas weniger, dafür später umso heftiger. Wir benötigen noch zwei weitere Kaffees, um einigermassen «trocken» zurück

auf die Santjana zu kommen. Immerhin gelingt es noch in einem kleinen «Supermercado» uns mit dem notwendigsten für die paar nächsten Tage zu versorgen.

 

 

Samstag, 27.5.2017

 

Wir verlassen La Coruna um elf Uhr in Richtung Vigo. Die Suche nach einer geöffneten Bäckerei hat doch mehr Zeit beansprucht, als ich geschätzt hatte. So wie es aussieht gibt es einen Nachttörn, den wir so timen, dass wir bei Tagesanbruch in Vigo sein sollten. Vorbei geht es am Torre del Hercules, dem ältesten Leuchtturm in Europa, er soll bereits den römischen Galeeren den Weg zum Hafen gezeigt haben. Der Tag ist einmal mehr grau und diesig, sehr selten sehen wir einmal ein blaues Loch und erhaschen ein paar Sonnenstrahlen. Kap reiht sich an Kap, bis wir mit dem Cabo Finisterre, den westlichsten Punkt des europäischen Festlands umrunden. Im drei Stunden Takt lösen wir uns mit der Wache ab, beobachten die See vor und neben uns, es ist ungewöhnlich ruhig, kein Verkehr zurzeit. Wir überwachen den Kurs am Plotter und mit Hilfe der zahlreichen Leuchtfeuer entlang unseres Weges.

 

Sonntag, 28.5.2017

 

Die Einfahrt während der Nacht nach Vigo ist sehr spannend mit den beiden Leuchtfeuern, die die Einfahrt weisen. Ich überlasse netterweise Doris diese Aufgabe und lege mich nach meiner Wache schlafen. Erwartungsgemäss meistert sie dies mit Bravour. Um halb sieben sind wir beide wieder wach und bereiten die Santjana für das Anlegen in der Marina Punta Lagoa Deportivo vor.
Beim ersten Versuch verheddert sich meine Rettungsweste an der Reling, natürlich genau in dem Moment in dem ich auf den Steg springen will, um das Boot festzumachen…. Mann, was für ein Mist. Nur mit Mühe gelingt es mir, mich aus der misslichen Lage zu befreien. Nur gut, ist es noch sehr früh und keine Menschenseele unterwegs in der Marina. Nach dem Anlegen holen wir noch zwei oder drei Stunden Schlaf nach, bis wir vom Klopfen des Marineros geweckt werden. Er bittet uns, doch gelegentlich mit den Schiffspapieren bei ihm vorbei zu kommen und uns anzumelden. Am Nachmittag unternehme wir einen Spaziergang in die Stadt, da unsere Marina ziemlich weit weg ist vom Zentrum. Vigo erscheint uns eher eine industriell ausgerichtete Hafenstadt zu sein und erweckt bei uns eher einen tristen Eindruck. Immerhin die Grünanlagen mit den Strelitzienstauden machen einen gepflegten Eindruck. Kaum zurück auf den Boot und einigen kleinen Handreichungen, beginnt es aus Kübeln zu giessen. Nur gut, bleib ich hart beim Anblick der zahlreichen Tapasbeizen, sonst wären wir tüchtig gewässert worden. Da uns Vigo wenig für einen weiteren Tag animiert, geht es morgen weiter in Richtung Portugal.

 

Montag 29.5.2017 Vigo – Povoa de Varzim (Portugal)
Nach der gestrigen Permanent- Dusche erwartet uns ein feucht-kühler Morgen, immerhin bereits mit einigen blauen Flecken am Himmel. Wir verlassen die Marina um 10.00 Uhr und fahren entlang der Hafenfront Richtung Westen. Vigo macht immer noch einen eher tristen Eindruck, da sieht das Nordufer doch schon viel einladender aus. Vorbei an den Islas Cies geht es in Richtung Portugal. Der Wind hat recht zugelegt und verspricht einiges für den Segeltag. Leider hält er sein Versprechen unterhalb von Bajona nicht mehr, so dass der Diesel zu Hilfe genommen werden muss. Wir fahren entlang der Westküste Spaniens und überqueren vor der Mündung des Rio de Minho die Grenze nach Portugal. Die Landschaft wird weniger gebirgig und die Sonne gewinnt endlich die Überwand gegen die Wolken am Himmel. Vor Povoa de Varzim liegt gemäss Seekarte ein Windpark mit grossen Windturbinen. Diese haben sich in Realität aber in Nichts aufgelöst, denn vom ganzen auf der Karte eingezeichneten Windpark ist nur noch eine einzige gelbe Boje übriggeblieben. Im weiten Bogen umfahren wir den Wellenbrecher vor der Marina, an dem die Wellen ganz schön hoch
spritzen . Der Wind hat wieder einiges zugelegt. Natürlich genau dann, wenn man ihn am wenigsten brauchen kann beim Anlegemanöver in einem unbekannten Hafen. Der diensthabende Marinero weisst uns um halb zehn Uhr am Abend in den Platz ein und ist uns bei Anlegen behilflich. Den Abend lassen wir bei einem letzten Glas Pastis ausklingen.

 

 

Dienstag, 30.5.2017 Povoa de Varzim

 

Aufstehen, in der Capitania anmelden und uns ein Lokal für das Frühstück suchen. Letzteres ist allerdings eher schwierig da keiner von uns ein Wort portugiesisch kann. Meine Bemühungen mittels LEO und Handy ein Frühstück zu bestellen produzieren Fragezeichen auf der Stirn des Kellners zurück. Erst nach nochmaliger Bestellung bekommen wir zur Tasse schwarzen Kaffees auch ein Croissant, Brot, Butter und Konfi. Obrigado!
Die Suche nach dem Supermercado gestaltet sich dann zum Glück einiges einfacher als das Bestellen des Frühstücks. Mittlerweile ist die Wäsche gewaschen, das Schiff von der Salzkruste von gestern befreit und wir sind auch wieder einmal in den Genuss einer heissen Dusche gekommen. In Vigo hat es zwar ein Schild gehabt, das in Richtung Dusche und WC wies, offensichtlich aber soll diese Einrichtung erst in Zukunft gebaut werden….?!? Da es hier in der Marina von Povoa de Varzim ein Bomben- WLAN hat, nix wie Blog hochladen!

 

Mittwoch, 31.5.2017 Povoa de Varzim

 

Im Gegensatz zu gestern bekommen wir unsere auf Englisch bestellten Omeletten zum Frühstück. Der weitere Verlauf vom Tag besteht hauptsächlich aus einkaufen von Lebensmitteln und vor allem Mineralwasser für die nächsten paar Tage.
Am Abend geht es auf die Suche nach einem Restaurant mit portugiesischer Küche. Gar nicht so einfach. Denn auf MC und Pizzas haben wir keine Lust und das von der Capitania empfohlene portugiesische Restaurant hat leider geschlossen. So klappern wir die in unserem Stadtplan eingezeichneten «Messer und Gabeln» ab. Schliesslich werden wir bei Recife fündig. Das Menu besteht auf Vorspeise mit Mexilhoes com molo verde, Tostada de Sardegna. Salada de Tomate, Aroz Marisco dazu Rose aus Portugal. Super fein und ein schöner Abschluss für unseren Besuch in Povoa de Varzim.