Donnerstag, 1. 6. 2017, Povoa de Varzim – Sines

 

Nach dem Frühstück an Bord grosses Rätselraten was wir heute machen wollen – draussen gibt es dicken Nebel. Mal warten, gemäss den Wettervorhersagen soll es gegen Mittag aufklaren und auf der weiteren Strecke der Küste von Portugal in Richtung Lissabon richtig viel Wind geben.

Ach einigem für und wider brechen wir in Richtung Süden auf, Ziel ist Sines südlich von Lissabon mit Ausweichhäfen in Nazare, Peniche und Lissabon. Im ersten Teil dieser Etappe wird die Sicht noch immer durch Nebel beeinträchtig, das Radar ist eine grossartige Hilfe, wenn es darum geht Schiffe zu entdecken, die entgegenkommen oder unseren Kurs kreuzen. Radar hilft allerdings überhaupt nicht, um all die vielen Stellnetze und Lobsterpots entlang der Küste auszumachen. Netze und Lobsterpots sind zwar meistens mit einem klitzekleinen Fähnchen markiert, aber je nach Beleuchtung und Wellenwirrwarr vor einem werden diese sehr schnell übersehen. Für die Nacht wählen wir deshalb einen Kurs weiter weg von der Küste, in der Hoffnung, dass diese Hindernisse dort draussen weniger oft anzutreffen sind. Entgegen der Prognose schläft der Wind nicht wirklich ein, im Gegenteil. Der Morgen des 2. Juni 2017 sieht uns auf der Höhe von Peniche mit seinen vorgelagerten Inseln Ilha da Berlenga. Vorbei an Cabo Roca, dem westlichsten Punkt Europas geht es an der Traffic Separation Zone in die Bucht vor Lissabon. Traffic sehen wir aber nicht sehr viel, einzig ein grosser Frachter verlässt den Hafen um weit hinter uns in den Atlantik hinaus zu fahren. Vor dem Cabo Espichel wird es bereits wieder Abend, wir sind aber zu schnell unterwegs, wir haben unsere Ankunft erst am nächsten Morgen bei Tageslicht für Sines geplant. Tatsächlich stehen wir aber bereits um ein Uhr nachts vor dem Hafen von Sines und versuchen mit Hilfe von Karten, Hafenhandbuch und Plotter die Einfahrt anzusteuern. Gar nicht so einfach, überall blinkt es Rot und Grün, dazu noch die vielen Leuchtreklamen im Hintergrund. Die Marina von Sines finden wir dann ohne weitere Probleme nachdem wir die halbeingefallene Nord Mole umrundet haben, deren Ende von einem etwas mickrigen Fünzelchen markiert wird. Als wir in die Marina einbiegen ist user Steg von einem Schwarm Möwen belagert, die sich dort zum Schlafen niedergelassen haben. Nur unter lautem Protestgeschrei machen sie uns Platz. Zur Strafe unserer Störung ver…. dekorieren sie den Steg nach Möwenmanier. Das merke ich aber erst, als ich zum Festmachen auf den Steg springe und dort schier ausrutsche auf dem Möwendreck. Von da an heisst es «Beim Betreten des Decks, Schuhe aus». Nach dem Santjana sicher vertäut ist, fallen wir müde in die Koje.

 

Samstag, 3.6.2017 – Sines

 

In der Capitanja anmelden und unser Bott an einem etwas ruhigeren Platz verlegen, denn gestern haben wir der Einfachheit halber im ersten, einfach anzufahrenden Platz festgemacht. Der Wind bläst schon wieder ganz ordentlich und vermasselt unser Anlegemanöver tüchtig. Vielen Dank für die Hilfe der beiden Bootsnachbarn, die uns tatkräftig von ihren Bootsrümpfen abgehalten haben. Wohlbehalten, aber mit einem etwas lädierten Image spritzen wir unsere Santjana ab, nehmen bei strahlendem Sonnenschein im Cockpit unser Frühstück ein und gehen anschliessend duschen. Auf unserem anschliessenden Rundgang durch Sines führt uns entlang der Strandpromenade mit einem schönen Sandstrand davor. Unterwegs treffen wir auf eine schön gekleidete Hochzeitsgesellschaft, die vor der Kirche Aufstellung nimmt, da sehen wir in unserem Aufzug eher wie Segelzigeuner aus. Es windet aus vollen Rohren, in der Sonne ist der Wind eine angenehme Abkühlung, aber im Schatten wird es dann doch sehr frisch. Von der Stadtmauer können wir erkennen, dass sich auf dem Meer wieder dieselben Wellenkämme gebildet haben wie gestern – wir wurden gestern einige Male durchgebeutelt. Zurück auf der Santjana geniessen wir das «Ferienfeeling» Doris unterhält via Facebook Kontakt mit zu Hause und ich kümmere mich um die netten Details, es wird mir nie langweilig, denn es gibt immer mal was zu reparieren auf einem Segelboot.

 

Sonntag, 4.6.2017 – Sines

 

Die Nacht über hat der Wind nicht wirklich nachgelassen und die Musik der knarrenden Trossen und Wellen die gegen den Rumpf schlagen hat uns die Nacht über begleitet. Gut gibt es Stöpsel für in die Ohren. Am Morgen wieder dasselbe Spiel, strahlend blauer Himmel und bereits wieder viel Wind.
Nach dem z’Morge machen wir einen Spaziergang in Richtung Sines, es geht durch neue, aber menschenleere Überbauungen, dann retour in Richtung Altstadt. In einem Cafe neben den Mauern des kleinen Castels geniessen wir einen Capuchino mit einem kleinen Feigentörtchen. Leider ist das Museum im Castel geschlossen. Es ist der Geschichte von Vasco da Gama gewidmet, der 1469 hier in Sines geboren wurde. Er war der Entdecker des Seeweges ums Kap der Guten Hoffnung nach Indien.
Den Nachmittag verbringen wir auf unserem Boot, wegen dem starken Wind geht es gerade so einigermassen an der Sonne.

Montag, 6.6.2017

 

Spaziergang durch Sines mit Kaffe in der Cafeteria, wir schlendern zum Pico Dulce um noch einige Einkäufe zu tätigen
Den Nachmittag verbringen wir auf unserem Boot, wegen dem starken Wind geht es gerade so einigermassen an der Sonne. Wir erhalten Besuch von einem Patrouillenboot der portugiesischen Marine, die N.P.R. Cassiopeia legt am ersten Steg an und vertreibt drei englische Crews von ihren Plätzen.

 

Dienstag, 6.6.2017 – Sines nach Rota (Spanien)

 

Am Morgen ist es ruhiger als gestern, so brechen wir auf in Richtung Süden, Ziel ist der Marina von Vilamoura. Es scheint wohl wieder eine Ankunft in der Nacht zu werden. Wir fahren entlang der 100m Tiefenlinie, wir hoffen so die meisten der Lobsterpots und Fischernetze an Backbord lassen zu können. Es heisst dennoch gut Ausschau halten, denn die kleinen Fähnchen lassen sich oft nur schwer in der Ferne ausmachen. Um 15.20 umrunden wir das Cabo de Sao Vicente, den südwestlichsten Punkt unseres bisherigen Weges. Der Nortada hat nach wie vor nichts an seiner Stärke eingebüsst und wir umfahren das Cap weiträumig. Aber auch an der Südküste Portugals nimmt der Wind nicht ab, sondern legt nochmals zu und vor unserem eigentlichen Zielhafen haben wir um 23.00 in der Nacht ca. 25 Knoten schön von der Seite. Wir sehen daher von unserem bisherigen Plan Vilamoura anzulaufen ab. Das Einlaufen in einen unbekannten Hafen in der Nacht bei doch ordentlich Wind scheint uns zu riskant. Wir entschliessen uns daher als Alternative Rota in der Bahia de Cadiz anzulaufen und richten uns auf eine lange Nacht ein. Die erste Wache bis drei Uhr am Morgen zieht sich in die Länge, ich benötige einige Tassen Kaffee, um einigermassen wach zu bleiben. Um drei Uhr am Morgen übergebe ich die Wache an Doris. Leider wird nicht sehr viel aus Schlafen da der Nortada ein strenges Regiment übernommen hat und uns arg durcheinander beutelt. Um 06.40 empfangen wir einen Distress Relay Call von Tarif Radio, dass ein 10m Segelboot vermisst werde und Schiffe in der Nähe Ausschau halten sollen. Leider ist die Angabe des ungefähren Ortes dermassen unverständlich übermittelt. Wir können jedoch keine Anzeichen für eine mögliche Havarie entdecken. Zwei Stunden später meldet Tarifa Radio, das Boot als gesunken. Hoffentlich konnten die Insassen gerettet werden.

 

Mittwoch, 7.6.2107 Rota (Spanien)
Als wir uns am Nachmittag der Küste von Spanien nähern, lässt der Wind deutlich nach und als wir um 14.30 die Ansteuertonne vor Rota ausmachen können ist die See um uns herum spiegelglatt.
Wir machen am Empfangspier in der Marina von Rota fest und tanken Diesel. Anschliessend melden wir uns im Office an und erledigen die üblichen Formalitäten. Dann verlegen wir die Santjana an den angegebenen Platz. Vorher war es windstill, jetzt pfeift es wieder mit 25 Knoten. Anlegen mit recht Wind ist jedes Mal wieder eine Sache, die den Adrenalinpegel in die Höhe treibt. Wenigsten wenn man, wie wir, kein Bugstrahlruder zur Steuerhilfe beanspruchen kann. Aber mit gefühlvollem Einsatz am Gashebel gelingt das Manöver und wir können mit Unterstützung von zwei benachbarten holländischen Crews sicher anlegen. Schön, dass sich Segler so gut gegenseitig helfen, noch schöner, wenn das auch im normalen Alltag so gut laufen würde, wie auf See.
Kurz nach unserem Anlegetrunk erhalten wir Besuch von der Policia, die unsere Pässe überprüfen will. Nach einigen Augenblicken ziehen die beiden Polizisten offensichtlich zufrieden von dannen.

 

Boot abspritzen, Wassertanken, Logbuch nachführen und abschliessen, Duschen, dann machen wir einen kurzen Bummel durch Rotas Altstadt, aber wir sind viel zu müde, um allzu weit zu laufen.
Um halb neun sind bei uns die Lichter aus, nachdem wir sämtliche Moskitos und Stechfliegen morixelt haben, die sich bei uns eingeschlichen haben.

 

Donnerstag, 8.6.2017

 

Wir finden eine Cafeteria für unser Morgenessen, auf meine Frage an den Kellner ob es Desayuno Ingles o Continental gäbe, verweist er mich auf ein Plakat an der Säule. Nach einigem studieren entscheiden wir uns für Croissant, Orangenjus und Kaffee. Dagegen ist das Free WIFI hier genial. Anschliessend machen wir uns auf die Suche nach einem Mercado. Wir benötigen wieder einmal Mineralwasser, Getränke, Früchte und sonst einige Kleinigkeiten. Wir finden mehrere Pharmacias, Versicherungsagenturen, dann Läden mit Strandutensilien und schliesslich eine Strasse mit vielen Bars und Restaurants. Den Lebensmittelladen finden wir dann zuletzt auch noch, etwas weiter abgelegen…. Am Nachmittag geniessen wir noch etwas das Bordleben, erledigen noch einiges, was so grad ansteht. 

 

Freitag, 9.6.2017 (Rota – Ausflug nach Cadiz)

Am Morgen nehmen wir das Hafen Taxi, das uns in einer halben Stunde durch die Bahia de Cadiz in den Hafen der selbigen Stadt bringt. Aufs Geratewohl entscheiden wir uns nach rechts zu laufen, leider hat es in der Ankunftshalle der Fähre keine Stadtkarte oder ähnliches, wo man sich orientieren könnte. Aber heuer hat man ja immer Dr. Googles Karte mit dabei. An der Plaza de San Juan de Dios lassen wir uns in einem Cafe nieder in der Hoffnung auf ein Desayuno. Auf meine Frage an den Kellner ob es eine Karte für Desayunos gäbe, antwortet er touristisch blasiert, Karte gäbe es keine, Desayunos gäbe es sehr wohl. Das Desayuno besteht dann aus einem ziemlich fettigen Croissant, das offensichtlich mit Messer und Gabel verzehrt wird, dazu immerhin Jugo den Naranja und einen feinen Kaffee. Anschliessend schlendern wir durch enge Gassen der Altstadt zur Cathedral de Cadiz, ein sehr eindrückliches Bauwerk. Dann geht es weiter zu Mercado Central, der Markthalle von Cadiz. Kaum bleibt man vor einem Stand stehen, schon kommt die Händlerin hervor, um einem so dies und das anzupreisen. Unsere Spanischkenntnisse reichen bei weitem nicht um alles zu verstehen. Aber die Stände sind nur schon eine Augenweide um sich daran satt zu sehen. Auch die Frucht und Gemüsestände sind einfach toll arrangiert und laden zum Kauf ein. Nur das ganze Zeugs den ganzen Tag mit uns herumschleppen. So müssen wir jeweils dankend ablehnen. Neben der Markhalle setzen wir uns noch einmal in ein Kaffeehaus, um bei einem feinen Cappuchino dem Treiben noch etwas zuzusehen. Nachdem wir genug gesehen haben, machen wir uns auf die Socken, bzw. Sandalen in Richtung Küste. Dem Campo Sur entlang geht es bis zur Halbinsel Castillo de San Sebastian. Offensichtlich in früherer Zeit eine Befestigungsanlage zum Schutz des Hafens von Cadiz. Dann als Gefängnis benutzt und anschliessend eine militärische Einrichtung. Der Spaziergang macht ordentlich Durst, gut haben wir unsere Wasserflaschen mit dabei und wir weiter vorne noch eine Bar mit Radler finden. Frisch gestärkt geht es anschliessend weiter dem Strand entlang zum Parque Genovés, einem sehr schönen und gepflegten Stadtpark Durch die Calle Gonzàlez Tablas geht’s es wieder in Richtung Hafen, vorher kommen wir aber am Plaza Mentiero in den Genuss von zwei Tostas XXL, eines mit Serano Schinken und Cheddar cheese, das andere mit Jamon und Mermelada de tomate.  Um vier Uhr geht es wieder mit der Fähre nach Rota, vorbei an der grossen Marinebasis mit spanischen und amerikanischen Kriegsschiffen.

 

Samstag, 10.6.2017 Rota – Gibraltar

Um 0600 geht der Wecker, es ist allerdings noch recht dunkel draussen, so geben wir uns noch eine halbe Stunde, bevor es an die Vorbereitungen zum Auslaufen in Richtung Gibraltar geht. Wasser haben wir gestern noch nachgetankt, die Dieseltanks sind voll, Ruder und Schwert sind unten, Segelsack offen und bereit um das Gross draussen zu setzen. Karten liegen bereit, Wetter ist auch eingeholt, es ist schwacher Wind für die Strecke nach Gibraltar vorhergesagt, allerdings bläst uns dieser aus Richtung Ost genau auf die Nase. Durch die Bahia de Cadiz, geht es dann später vorbei am Castillo de San Sebastian, das wir gestern besucht haben. Der Wind hat einiges zugelegt und liegt so gar nicht mehr in dem vorhergesagten Bereich. Mittlerweile haben wir bereits 5 Bf. aus Südost und auch die Wellen beginnen sich aufzubauen, ein erstes Reff ist eingelegt. Vor Cabo Roche werden wir ziemlich durchgeschüttelt, wohl wegen dem Bajo Los Marrajos, einer Untiefe, die unangenehmen Wellengang bildet. Als der Wind dann eine Stunde weiter noch mehr zulegt mit Böen auf 6+Bf voll gegen an, wir haben mittlerweile nochmals gerefft und einige Wellen uns mit einem Schaumbad und Gischt Fontänen vom Bug bis Heck eindecken, entschliessen wir und den Purto de Barbate anzulaufen und Gibraltar auf etwas ruhigere Zeiten zu verschieben. Die Ansteuerung von Barbate ist etwas speziell, da ein riesiges Thunfischnetz vor dem Hafenausgelegt ist, das mit 5 Kardinaltonnen markiert ist. Die äusseren beiden Tonnen können wir nicht ausmachen, offensichtlich sind diese zur Zeit nicht ausgelegt und das Netz ist nur zur Hälfte gesetzt. Die beiden mittleren Tonnen sehen wir schliesslich in etwas Entfernung und können nun so auf die Scheiteltonne vor der Hafeneinfahrt zulaufen. Als wir das Gross herunternehmen, sehen wir, dass sich im Gross von einer der überkommenden Seen ein Wassersack gebildet hat und wir da einige dutzend Liter Wasser am Baum mit uns schleppen. Als wir die Hafeneinfahrt umrunden, lässt die Welle stark nach, bald liegen wir sicher vertäut am Steg B und geniessen erst mal etwas Kaltes. Dann wird die Santjana ausgiebig geduscht und von ihrer Salzkruste befreit. Dem Pier- Manager in Gibraltar muss ich leider per E-Mail unser ETA (estimated time of arrival von heute auf Mitte nächster Woche verschieben, was ohne Probleme postwendend so bestätigt wird. Der Abend sieht uns relativ früh in den Kojen.

 

Sonntag, 11.6.2017 – Barbate

 

In der Nacht hat der Wind nicht wirklich nachgelassen, es hat ein paar Mal so richtig laut durchs Rigg gepfiffen. Da heute vor Tarifa auch wieder 5+Bf Wind mit Böen bis Bf8 aus Ost vorhergesagt werden, entschliessen wir uns aufgrund der gestrigen Erfahrung, Barbate etwas länger zu geniessen. Nachdem z’Morge machen wir uns mit Rucksack in Richtung Stadt auf. Der Strand sieht sehr einladend aus, ebenso wie die zahlreichen Bars und Restaurants der Promenade entlang. Leider hat der Super-Mercado sonntags geschlossen, so erstehen wir nur einen Sonnenschirm, für allfällige Badetage hier. Gut dass es «etwas» windet, sonst wäre es so richtig heiss hier, immerhin bereits 27 Grad am Mittag. An Bord ist es dank aller geöffneter Luken angenehm kühl, was erlaubt am Blog weiter zu schreiben. Leider ist hier wieder mal nichts los in Sachen WiFi, daher muss der Upload warten, bis wir in Gibraltar sind.

 

Montag ,12.6.2017 – Barbate

 

Die ganze Nacht hat der Wind nicht nachgelassen, sondern sehr unfreundlich geheult und gepfiffen in unserer Takelage. Wir stehen nach wie vor zu unserem Entscheid, hier in Barbate ruhigere Zeiten abwarten zu wollen. Heute Nacht soll es gemäss der Vorhersage auf maritima.meteoconsult.es nochmals so richtig zur Sache gehen 24 kt Wind und 45 kt Böen.
Etwas vor neun machen wir uns auf in Richtung Stadt wieder einmal etwas einkaufen, vor allem Getränke sind gefragt, aber auch um wieder einmal ein Desayuno zu finden. Draussen in der Ferne sehen wir die Berge in der Nähe von Tanger, wow, Afrika ein unbekannter Kontinent so nahe. Am Horizont müht sich ein einsamer Zweimaster in Richtung Gibraltar gegen den Wind ab, ohne Segel, nur mit Motor voll gegen den Wind und die Wellen, viel Spass dabei! Das Leben hier in Barbate läuft sehr geruhsam ab, einige Vorsaison-Gäste hat es bereits, aber sonst bevölkern hauptsächlich die Einheimischen die Restaurants vor dem Strand. Im Gegensatz zu gestern ist der Strand fast menschenleer, die sich brechenden Wellen der Brandung sehen toll aus. Einkaufen im Maxico und dann geht es knapp 40 Minuten zurück zur Santjana, die im Puerto de Barbate auf uns wartet. Dort wartet noch Arbeit auf uns, oberhalb der zweiten Saling hat sich eine Trittstufe selbständig gemacht, ich muss hoch in den Mast und das widerspenstige Ding wieder einrasten, um zu vermeiden, dass sich irgendwelche Falls daran vertüdeln. Ganz schön hoch, ich konzentriere mich auf die Maststufen und vermeide es dauernd nach unten zu blicken. Drin im Boot stinkt es seit dem letztne auftanken in Rota nach Diesel… nachforschen woher der Dieselgeruch kommt, nach einigem öffnen von Bodenbrettern finden wir die lecke Stelle Auslass des grossen Dieseltanks. Offensichtlich dehnt die Wärme den Diesel stark aus und da wir den Tank in Rota bei tieferen Temperaturen gefüllt haben drückt es dort Diesel raus. Nächstens werde ich die beiden Briden dort ersetzen müssen, im Moment belasse ich es mit Nachziehen der Briden. Nach diesen Aktionen wollen wir noch etwas das Strandleben von Barbate ausprobieren und so geht es mit Sonnenschirm bewaffnet nochmals nach Barbate, nochmals 40 Minuten schwitz…..schwitz…..

 

Dienstag, 13.6.2017 – Barbate

 

Nochmals zu Casa Oscar für ein Desayuno mit zwei Toastscheiben, Olivenöl, Tomatenmarmelade, Jamon de Sarono, Butter, Konfi, Zumo de Naranja und Cafe. Die Szenen wiederholen sich, die Einheimischen beim Desayuno, wie wir. Einige Touristen, die am Strand schlendern. Die Bettlerin, die jeden Tag von Beiz zu Beiz zieht, in der Hoffnung auf ein paar mildtätige Zeitgenossen, die Chicas, die sich auf einen Schwatz im Kaffee treffen… und wir, die wir heute nochmals Getränke einkaufen. Am Nachmittag muss Doris den Sailbag nachnähen, der beim letzten Reff Manöver etwas gelitten hat. Ansonsten hat der Wind stark nachgelassen und die Prognose sieht auch viel versprechend aus, dass wir es morgen früh in Richtung Gibraltar wagen können.

 

Mittwoch, 14.6.2017 – Barbate nach Gibraltar

 

Es geht heute Morgen früh aus den Federn, draussen ist noch alles ruhig und dunkel. Nach einem ersten Kaffee bereiten wir die Santjana zum Auslaufen vor. Sailbag öffnen, Stromkabel abhängen und einrollen, Festmacher umlegen, so dass wir diese vom Boot aus bedienen können, Logbuchseite eröffnen, Karten bereitlegen, ein letzter Blick auf die Wetterseite, es ist noch alles so, wie gestern vorausgesagt. Dann geht es los, um das grosse Tuna-Netz Richtung Süd-Ost, auf Tarifa zu. Auch das Tuna-Netz vor Zahara lassen wir an Backbord liegen. Um 07.45 empfangen wir einen Urgency-Call von Tarifa Radio, das in der Enge von Gibraltar zwei Gummiboote unterwegs sind, mit 9 und 10 Menschen an Bord. Wir werden gebeten «sharp lookout zu halten». Wir können uns den Hintergrund der Geschichte selber ausmalen, Afrika ist ca. 10km von Europa entfernt und bei dem heutigen nebligen Wetter, das hier zurzeit ist, sind die Boote wohl nur sehr schwer auszumachen. Wir umrunden Tarifa auf der Coastal Traffic Zone. Draussen kommen uns Riesen entgegen, die wir zuerst nur auf dem Radar ausmachen können, bis sie dann plötzlich aus dem Nebel auftauchen und in sicherer Distanz an uns vorbeiziehen. Ob sie uns überhaupt wahrgenommen haben? Dazwischen immer wieder Urgency Calls von Tarifa Radio wegen den beiden rubber boats, die irgendwo da draussen im Nebel stecken. Um Neun überqueren wir die Bajo de los Cabezos, einige Felsen, die sich vom Meeresboden bis ca. 10m unterhalb der Wasseroberfläche auftürmen. Es wird bei Wind abgeraten, die Stelle zu überqueren, selbst jetzt bei praktisch Windstille entstehen sich brechende Wellen und es schaukelt ganz ordentlich. Das alles wird nur vom Gezeitenstrom hervorgerufen, der hier mit etwa 3-4 Knoten dagegen drückt. Am Punta Carnero haben sich zahlreiche Fischerboote versammelt, wir müssen gut aufpassen und im Slalom um die Boote fahren. Dann geht es hinein in die Bucht von Gibraltar. Wow, hat es da viele Frachter, Tanker und Containerschiffe, dazu noch Katamaranfähren, Fischerboote und Schlepper und ein paar Hobbybötler, so wie wir. Wir melden uns über Funk bei Marina Bay an, dass wir demnächst eintreffen und werden dort am Steg in Empfang genommen. Überraschung, das Anlegen erfolgt im Mediteranean Style, dh. mit Bug oder Heckleine an einer Mooring. UUUppppssss, Das haben wir schon lange nicht mehr gemacht, die letzten Anleger waren immer Schwimmpontoons. Naja, ging ganz passable unter den strengen Augen des Pier Masters, der mich kaum angekommen anrautzt, dass wir gefälligst die spanische Gastlandflagge herunternehmen sollen. Meine Antwort, dass ich dies gerne mache, sobald ich eine britische Gastlandflagge gekauft habe, findet selbiger weniger lustig. Dafür lassen sich die Herren dann bitten, damit der Wasserhahn aufgeschlossen werden kann. Ja, Wasser kostet hier ein Pence pro Liter und Stromadapter könne man auch nicht ausleihen, aber sie würden Stecker verkaufen und man könne sich dann selber einen zurecht basteln….. (!)

 

Nach den Tagen in Portugal und Spanien kommen wir uns hier vor wie auf einem anderen Planeten. Unser Liegeplatz ist neben einem Luxusliner der zum Casino Hotel umfunktioniert wurde. Am Pierende findet das Nachtleben mit zahlreichen Bars und Restaurants statt. Und überallem der Fels von Gibraltar, Monkey Hill, wie ich ihn etwas despektierlich nenne. Morgen wollen wir den Berg etwas näher ansehen, wir sind gespannt, denn bisher kennen wir das Wahrzeichen von Gibraltar nur von James Bond Filmen, Dokumentarfilmen und Erzählungen.
Zuerst führt uns der Weg in den Sheppard Nautic Shop, wir benötigen Diverses, ua. eine britische Gastlandflagge. Nun bleibt mal etwas Zeit um den Blogg zu aktualisieren und etwas zu entspannen am Schatten.

 

Donnerstag 15.06.2017 – Gibraltar

 

Wir sind relativ früh in Richtung Cable Car unterwegs. Die Cable Car bringt uns in ca. 6Minuten auf das Wahrzeichen von Gibraltar. Gut, dass wir früh unterwegs sind, es ist bereits ordentlich warm und soll noch heisser werden. Die kleine Kabine fast vielleicht etwas 15 Personen und als wir in die Bergstation einfahren, springt einer der Berber Affen erst auf das Dach der Kabine, um dann sofort sich herunter zu hangeln und die neuen Gäste zu inspizieren. Die Gäste reagieren ob des spontanen Besuchs sehr überrascht. In der Bergstation tummeln sich die lustigen Kerle überall und spielen Schabernack mit den Gästen. Obwohl mehrfach vorgewarnt, gibt es immer wieder einige, die nicht auf ihre Siebensachen aufpassen und Schwupps ist ein aufmerksamer Affe da, um an der Tasche zu zerren. Nach einigen Tiefblicken in Richtung Gibraltar Bay und Mittelmeer machen wir uns auf den Weg hinunter nach Gibraltar. Wir fragen uns, wo hier die Szenen aus dem Bond Film «Der Hauch des Todes» gedreht wurden.
Mittlerweile ist es schon recht HEISS, nur gut, können wir schattige Stellen nutzen und haben genug zu trinken mit. Als wir unterwegs unseren Rucksack auspacken, springen plötzlich einige Affen vom nächsten Baum herunter, wohl in der Annahme, dass es jetzt da etwas für sie gäbe. Lästiger als die Affen sind hingegen die vielen Taxis, die zahlende Gäste auf den Gipfel und zu den Sehens-würdigkeiten karren. Über die Michaels Caves und Princess Caroline Battery kommen wir am Moorish Castle vorbei und von da geht es über einige Treppen wieder in die Stadt hinunter.
Wir suchen noch den lokalen Do-it-yourself Shop, der irgendwo am vorderen Hafenbecken sein soll. Dabei laufen wir einige Kilometer und flüchten immer wieder in den Schatten. Die Suche entpuppt sich als nicht so ganz einfach, schliesslich landen wir vor einem grossen Gebäude, das laut Tafel viele Firmen beherbergen soll. Wir hangeln uns da weiter vor, bis wir schliesslich in dem Shop stehen, aber das gesuchte Teil ist leider dort nicht erhältlich. Also schnell mal was improvisieren, mit dem, was vorhanden ist.
Die Lauferei hat uns ganz schön geschlaucht, wir sind froh als wir einen Tisch am Schatten am Rande des Casamates Squares finden, um unseren Durst zu löschen. Der ganze Platz ist abgesperrt, viele Stuhlreihen umsäumen den Platz und Militärs
 laufen emsig hin und her. Was hier wohl passieren soll? Nach einigem Suchen finden wir schliesslich die Antwort. Hier soll der Geburtstag der Queen mit einem militärischen Zeremoniell gefeiert werden. Kurz vor 18.00 füllen sich die Stuhlreihen mit illustren Gästen. Die anwesenden Damen mit ihren grossen Sonnenhüten erinnern uns an Bilder von der Pferderennbahn in Ascott. Schliesslich startet die Feier pünktlich mit dem Einmarsch der Militärkapelle. Der ganze Anlass wirkt auf uns sehr Britisch, so richtig, wie man es sich eben vorstellen kann. Bilder von den Military Tattoos in Basel tauchen vor unseren Augen auf. Aber es ist sehr spannend mit dabei sein zu dürfen, wenn auch nur als Zaungast. Nach ca. einer Stunde ist die Feier vorbei und der Platz leert sich ebenso schnell wieder, wie er sich gefüllt hat, was wohl nicht zuletzt an der immer noch herrschenden Hitze liegt.
Die Super Dusche in der Marina Bay geniessen wir an diesem Abend ganz speziell. Nach einem kleinen Imbiss verziehen wir uns früh in die Kojen, in der besten Hoffnung dass der Kläffer auf dem Nachbarsboot nicht seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht in der Nacht.

 

Freitag, 16.06.2017 – Gibraltar

 

Im «Ship» kommen wir in den Genuss eines «Full English Breakfast» mit zwei Spiegeleiern, Hasbrowns, Toast, Saussages, Bacon, Beans on red sauce, grilled mushrooms and black pudding. Wow, danach ist unser Hunger für den ganzen Tag gestillt. Wir benötigen noch ein paar Dinge aus der Ships Chandlery, dann geht es auf die Suche nach dem Super Market, der etwas weiter von uns weg ist. Nach einer Weile finden wir tatsächlich auch «Morrisons» ein toller Supermarkt. Auf dem Heimweg machen wir nochmals Halt auf dem Casemates Squares. Jetzt auf dem Boot ruft Doris nach mir, um ihr beim Zubereiten des Abendessens zu helfen. Es ist mittlerweile viertel vor Neun und die Sonne steht immer noch hoch am Himmel.

 

Samstag, 17.06.2017 – Gibraltar nach Cartagena

 

Es ist kurz vor 22.00 Uhr kurz vor Malaga, die Sonne ist vor ca. einer guten Viertelstunde hinter den Bergen im Abendrot versunken. Vor uns liegt wieder einmal eine Nachtfahrt. Doris darf noch bis 23.00 Uhr am Kissen horchen, dann ist sie für drei Stunden an der Reihe mit Wache.
Heute Morgen kamen wir später als ursprünglich geplant von Gibraltar los. Fotos in den Blog hochladen, noch ein paar E-Mails, Abwasch vom Vortag erledigen. Dann noch einen Kaffee an der nahen Coffeebar, zahlen und dann – Ablegen…. Denkste, den mittlerweile hat es doch etwas Wind in der Marina und ich habe Mühe die Santjana gegen den Wind und gegen den Propellereffekt
  nach rechts in den Kanal zu zwingen. Prompt bleiben wir gleich an zwei Mooringleinen hängen. Mit der vereinten Hilfe von zwei Nachbarbooten und dem zugkräftigen Schlauchboot des Piermasters kommt die Santjana schliesslich unbeschadet frei. Ausser dem Ego des Skippers hat nichts gelitten. Wir fahren dem Hafen entlang vorbei am Europa Point und dann geht es ins Mittelmeer. Erst haben wir schön wind, leider etwas zu sehr von vorne, aber immerhin können wir ca. zwei Stunden schön segeln. Dann flaut es ab und wir müssen den Dieselwind zu Hilfe nehmen. Die Sonne ist recht stark, so dass wir sehr gerne unter dem Bimini Schatten aufsuchen. Doris bereitet einen fantastischen Nudelsalat zu, aus Spiralen, Zwiebeln, Peperoni, Chillischoten und einer Tomate – sehr, sehr lecker.
Die Zeit vergeht auch mit wenig tun sehr schnell, mittlerweile wird es dunkel, die Positionslichter brennen, hinter uns erlischt das Tageslicht.

 

Nach zwei Tagen und Nächten auf See, in denen wir gegen einen steifen Wind aus Nord-Ost angehen mussten, der zudem eine kurze ruppige See produzierte kommen wir endlich am Montag 19.06.2017 in der YPC Marina von Cartagena an wo wir sehr freundlich und hilfsbereit in Empfang genommen werden! Herzlichen Dank für diesen Empfang und die Gastfreundschaft!

 

Dienstag und Mittwoch 20. & 21.06.2017 in Cartagena

 

Eine sehr interessante Stadt welche viel zum Sehen anbietet, mit einer langen historischen Vergangenheit, die weit bis zu den Karthagern und Römern zurückreicht. Da es tagsüber hier sehr heiss ist, verschieben wir die Besuche der Sehenswürdigkeiten jeweils in die etwas kühleren Abendzeiten.
Im “Yellow Submarine” gibt es eine grosse Auswahl an verschiedenen Bieren und Ciders, leider ist die Auswahl beim Frühstück nicht ganz so üppig. Wir wundern uns beim Bestellen etwas darüber, dass wir keine Spiegeleier bekommen, obwohl diese auf der Karte stehen. Ob der Koch über Nacht über Bord gegangen ist, oder vom letzten Tauchgang des «Yellow Submarines» noch nicht wiederaufgetaucht ist? Wir werden es wohl nie wirklich wissen.

 

Donnerstag, 22.06.2017, Cartagena

 

Das Ohr von Doris ist leider seit gestern nicht besser geworden, im Gegenteil. Wir fragen daher bei der Capitania nach, wo wir dazu einen Arzt finden können. Wir werden an das Centro Medico, an der Calle Juan Jorge verwiesen. Ein schöner Spaziergang, im Spital werden wir freundlich empfangen und betreut. Das Ohr von Doris muss ausgespült werden und siehe da, sie hört mich wieder bestens. Gut, das alles so glimpflich abgelaufen ist. Wir wollen eigentlich die nächsten Tage nach Barcellona durchfahren und können dabei ein entzündetes Ohr nicht gebrauchen. Das Museo Naval hat leider nur von 10.00 bis 14.00 geöffnet, den Besuch verschieben wir auf die Rückfahrt in Richtung Gibraltar. Schon ist wieder Abend und der Tag neigt sich schon wieder langsam zur Neige und die Temperatur kehrt auch langsam wieder in angenehmere 25 Grad zurück, nachdem es über Mittag so um die 32 Grad gewesen war. Immer noch kühl, wenn man an die 40 Grad denkt, die im Landesinnern herrschen sollen.

 

Freitag, 23.06.2017, Cartagena nach Barcelona

 

Heute Morgen geht es nun wirklich weg von Cartagena, wo es uns sehr gefallen hat. Die Kombination von Antike und Moderne hat uns beeindruckt. Wir haben hier einen ganz anderen Eindruck von Spanien erhalten, wie bei unserem ersten Besuch in Vigo. Wir verlassen den noch verschlafenen Hafen, vorbei an den Schiffen der Spanischen Marine und an den grossen Industrieanlagen. Gegen halb Elf umrunden wir Cabo de Palos mit seinem Marine Reservat, dann geht es hinaus in die Bucht, mit all den Badeorten, deren eintönige Betonsilouetten wir nur von weitem sehen. Mittlerweile kommt Wind auf, der Segeln erlaubt, eine super Sache. Einzig die Aussicht auf das Cabo de La Nao macht uns etwas Stirnrunzeln, Kaps mit viel Wind sind immer so eine Sache für sich. Als der Wind dann nochmals aufdreht, lege ich für die Nacht sicherheitshalber nochmals ein Reff ein. An Steuerbord ziehen in der Ferne einige Frachter vorbei, den wir aber nicht in die Quere kommen. Mittlerweile ist das Cabo de la Nao bereits weit hinter uns. Wenn ich auf die Karte am Plotter blicke, ist das Nächste um mich eine Gasleitung und ein Unterseekabel ca. 1000m unter uns. Sonst ist nur Schwärze um uns. Einzig das Radar zeigt einige sehr ferne Echos. Meine Wache geht noch bis 5.00, das sind noch zwei weitere lange Stunden, die endlos scheinen, aber doch irgendwie schnell vorbei gehen. Wir müssen noch um all die grossen Pötte, die vor dem Hafen von Barcelona liegen herumfahren. Im Hafenbecken sind drei weitere grosse Cruiser festgemacht, unter anderem die «Freedom oft he Seas» Im Puerto Olympico bunkern wir erstmal wieder Diesel und fragen nach einem Platz. Das Officino gehe erst um halb Neun auf gibt uns der Marinero an der Tankstelle zu verstehen. Eine gute Stunde später liegen wir vertäut an der Mooring 5012 in einer zwar etwas tristen Umgebung, aber immerhin in Barcelona. Nun heisst es erst Schiff aufräumen, duschen gehen und etwas nachschlafen. Um zwei Uhr sind wir dann wieder etwas munterer und erkunden die nähere Umgebung. Rund um den Puerto Olympico ist viel Betrieb, Bar reiht sich an Bar oder Restaurant, der Strand ist auch sehr gut besucht. Wir versuchen mal wieder Tapas in einer der Cervejerias. Wir informieren uns noch was wir morgen alles besichtigen wollen. Der Hop-on/Hop-off Bus bietet sich da an. Leider kommt er in den Kundenrezessionen im WEB nicht sehr gut weg. Mal sehen, wir werden das morgen mal selber auf eigene Faust versuchen.

 

Montag, 26.06.2017 Barcelona

 

Am Pier neben dem Puerto Olympico besteigen wir den Hop-on/Hop-Off Bus der Linea Verde, die uns kreuz und quer durch Barcelona. An der Sagrada Familia steigen wir ein erstes Mal aus. Hilfe!!! Wo sind wir denn hier gelandet. Die Rolling Stones würden ob solcher Besucherzahlen vor Neid erblassen. Ein Besuch der besagten Basilika können wir glatt vergessen, zulange sind die Wartezeiten für einen Timeslot, in dem man die Sagrada Familia besuchen könnte. Auch stört es uns etwas, dass für den Besuch der Türme nochmals kräftig zur Kasse gebeten wird. So bestaunen wir das Bauwerk von aussen. Ob es wohl je fertiggestellt werden wird. Immerhin künden die drei Krahnen und Baugerüste von Bautätigkeit. Durch die Avenia Gaudi geht es zur nächsten Bushaltestelle. Von dort geht es weiter zum Tibidabo, dem Aussichts- und Kultberg von Barcelona. Zu Doris Leidwesen verzichten wir auf die Tramfahrt mit der Linea Blau und marschieren die Sonnendurchglühte Strasse zur Talstation der Cable Car hoch. Ein Fehler im Nachhinein, denn es war einfach nur HEISS! Auf dem Tibidabo suchen wir uns ein Schattenplätzchen, wo wir die vorher unten erstandenen Focaccias versuchen, sie munden und wie! Nach einer guten Stunde geht es wieder hinunter in die Wärme der Stadt. Wir nehmen nun den Bus der Linea Roja bis zum Plaça Catalunya, wo wir wieder aussteigen und durch La Rambla, DER Strasse in Barcelona, wo wir wieder in Richtung Puerto Olympico zu Fuss weitergehen. Mittlerweile haben wir ziemlich heisse bzw. «runde» Füsse vom Marschieren über Barcelonas heisses Strassenpflaster. Die Stadt bietet aber auch sehr für Kunst-, Kultur und Architektur- Interessierte. An einem Tag haben wir wohl nur etwas an der Oberfläche kratzen können. Aber wir haben einen guten Eindruck erhalten von einer sehr aktiven, dynamischen Stadt, in der es viel zu sehen gibt. Die Dusche am Abend ist aber wirklich auch eines der heutigen Highlights!

 

Dienstag, 27.06.2017 Barcelona

 

Wir wandern dem Strand entlang zum Super-Mercado, den wir gestern auf dem Heimweg gesehen haben. Bei uns hat es leider nur einen kleinen Shop, dessen Kundschaft sich wohl hauptsächlich mit flüssiger Nahrung wie verschiedenste Biersorten, Rum, Whisky, Vodka und Co. ernähren mögen.
Wir finden den Super- Mercado tatsächlich wieder, aber welch Apothekerpreise hier herrschen. Naja, ok…. touristisch halt. Unsere Beute schleppen wir anschliessend im Rucksack und diversen Taschen wieder quer am Strand entlang. Alles im Kühlschrank verstauen, dann geht es auf die Suche nach dem nächsten Baumarkt. Wir benötigen ein Brett, das wir als Laufplanke benützen können, um vom Pier auf unser Boot gelangen zu können. Wir haben zwar zur Zeit für diesen Zweck einen Balken irgendwo mitlaufen lassen, aber das ist ein Riesenteil und völlig unhandlich. Nach 40Minuten finden wir tatsächlich den Shop und kehren anschliessend um zwei Ventilatoren, einen Araldit und ein Aluprofil reicher ein zu einem kühlen Bier in der Rambla Populeno. Ein Brett haben wir zwar immer noch nicht, aber der Ausflug war trotzdem schön, wir haben ein Barcelona gesehen, etwas abseits der Touristenattraktionen. Nun sitzen wir im Cockpit und versuchen möglichst wenig anzuziehen und uns möglichst wenig zu bewegen. Es ist immer noch 33 Grad und nach 17.00, das gibt wohl wieder eine weitere Tropennacht. Hoffentlich bleiben nur mal die verd…. Moskitos weg, die trotz Moskitonetzen und vorgängiger Razzia und Ausräucherung dennoch den Weg ins Bootsinnere finden.

 

Mittwoch 28.06.2017 Barcelona – Blanes

 

Wir verlassen Barcelonas schwüle Hitze am frühen Morgen und geniessen den räumlichen Wind mit guten 5 Bf der Küste entlang nach Norden. Ziel heute ist die Marina von Palamos etwas südlich vom Cap Creus. Nach ca. 40 Meilen kurz nach Blanes schlägt plötzlich die Genua back, von ca. 4 Bf räumlich bläst uns plötzlich ein kalter Norder mit gut 6 Bf ins Gesicht. Wir verzichten auf die Knüppelei gegenan und verziehen uns in die Marina von Blanes. Gar nicht so einfach, denn erst müssen wir noch das Gross einholen bei 6Bf nicht ganz ohne. Also geht es mit Lifewest und Lifeline nach vorne um die Dirk zu setzen. Wie es sich herausstellt, taten wir gut daran, das Gross bereits vor der Marina herunter zu nehmen, denn in der Marina ist der angegebene Platz dann doch nicht sooo gross, wie im Handbuch gezeigt. Zudem bläst nach wie vor ein sehr starker Seitenwind. Mit einem Rumpler am Steg schaffen wir es dann aber doch einigermassen in die Anlegebox. Für die nächsten paar Tage führt der Norder sein strenges Regiment, da ist wohl nichts mit Cap Creus umrunden. Wir geniessen die nächsten paar Tage den Ferienort Blanes mit Strand, vielen Strandbars, einem Spaziergang zum Castell de San Juan, das hoch über dem Hafen thront. Alles in allem wir es uns nie langweilig.

 

 

Donnerstag, 29.06.2017 – Montag 3.07.2017 Blanes

 

Gestern Samstagabend man denkt sich nichts Böses du liest im Salon, plötzlich rumpelt es hinten am Heck und eine Bavaria 40 von Azulsailing.es treibt unserer Heckkante entlang. Erst verhakt sich ihr Biminiträger mit unserem Geräteträger, dann rasiert sie unseren Flaggenstock ab, Flaggenstock und Schweizerflagge verschwinden in den Fluten. Der junge Skipper entschuldigt sein vermurktes Manöver mit «Sorry» und murmelt etwas von Seitenwind und irreführenden Angaben des Marineros, ob er Bugwärts oder Heckwärts in die Box fahren solle. Ich fluche laut und denke mir «Viejo Bendejo» für mich.
Man einigt sich schliesslich auf Ersatz für den versenkten Flaggenstock.
Zum Dank dafür wird anschliessend auf dem anderen Boot ein rotes Tuch aufgezogen, entweder als Sichtblende gegen uns oder um den Stier anzulocken ….
(Da es seit Ankunft des Bootes sehr stark nach Pot riecht, kann ich mir den Grund für das verpatzte Manöver auch besser erklären.)
Heute am Sonntagmorgen, will ich den Abwasch erledigen, da streikt plötzlich die Wasserpumpe, nix mit Abwasch…. Wie gesagt, auf einem Boot wird es einem nie langweilig, täglich kommen neue Herausforderungen. Wenn ich da so den drei Jungs auf dem benachbarten Riesenteil von Oyster 8xx so zusehe bei ihrer täglichen, akrybischen Putzerei von Bug bis Heck, bin ich mit unserer Santjana doch überaus glüclich. Sie mag ja  ja nicht so glänzen wie die  dies Paradepferd, aber  macht doch erheblich mehr Spass, als die die tägliche Winnerei. Das Boot wird  sicher nicht durch durch Segeln altern, sondern vielmehr durch die täglichen Streicheleinheiten der Putzcrew. Ach ja, gestern ist dann plötzlich ein weisser Porsche 9xx vorgefahren und ein mittelalterlicher, dynamischer Business-Skipper jumpte auf die Oyster und verschwand mit laut heulendem Bowthruster hinter der Hafenmole. Selbiger kehrte nach einigen Stunden wieder zurück, um dann der Putzcrew wieder die niedrigen Tätigkeiten zu überlassen. Sklaverei im 21. Jahrhundert?