Dienstag, erster August 2017, Alcudia

 

Es geht früh aus den Federn, rasch an die Tankstelle, bevor der alltägliche Ansturm ansetzt. Auch hier sind leider sehr viele «Schüsseln» wie wir die Megayachten despektierlich bezeichnen. Mobo- Besitzer mögen uns verzeihen. Etwas missmutig erhalten wir unsere gut 200 Liter Diesel vom Tankwart. Er ist sich sicher andere Mengen an Treibstoff gewöhnt von den Treibstofffressern, die hier liegen. Immerhin können wir hier auch unsere Wassertanks wieder auffüllen, bevor wir uns wieder auf die Reed zum ankern verziehen. Dort angelangt lassen wir unsere reparierte Snoopy wieder zu Wasser. Sieht alles super und trocken aus. Genial, die Leimerei hat’s doch gebracht. Voller Stolz beladen wir unser Dinghi mit ein paar Dingen, dann geht es ab zum Dinghi Landeplatz.
Hilfe, was ist das? Unsere Snoopy leckt wie eine Zeine! Überall läuft plötzlich Wasser ein. Dazu versagt der Aussenborder ca. 200m vor dem Landeplatz seinen Dienst. Alles anreissen, riegeln mit Choke, Benzin prüfen, etc. bringen nichts. So paddeln wir schliesslich mit einem lecken Dinghi an Land. Nun ist aber Schluss. Wir benötigen dringend ein zuverlässiges Dinghi mit Motor. Zum Glück hat es entsprechende Shops. Nach einigem Stöbern werden wir schliesslich fündig und erwerben die Snoopy 2, ein Zodiac Schlauchboot mit einem kleineren Aussenborder, der handlicher ist als unser bisheriges 20kg Monster. Traurigen Herzens müssen wir uns von Snoopy 1 verabschieden, wir haben sehr viel zur Rettung versucht, leider ohne Erfolg.
Am Nachmittag landen wir als stolze Besitzer eines neuen Dinghis mit geschwellter Brust wieder am Dinghi- Landeplatz, um noch einiges einzukaufen. Es ist so richtig schwül-heiss, wie in den Tropen, kein Wunder sind für den Abend Gewitter angedroht. Wir geniessen ein weiteres Bier in der Strandbar, es versickert irgendwo in unserem Körper. Am liebsten würden wir im Supermarkt liegen, was die Ladenchefin aber nicht goutiert. Immerhin dürfen wir den Einkaufswagen benützen, um unsere Einkäufe zum Landeplatz zu karren. Unterwegs gerate ich mit einer Rolle des Wagens in ein Loch im Weg, der Wagen kippt zur Seite und platsch – fliegen 6 Eier auf den Gehsteig – Mist!
Der Abend bringt auch nicht wirklich eine Abkühlung, es regnet zwar etwas, aber zu wenig um richtig Abkühlung zu bringen. Oder wenigstens genug Regen um den braunen Staub vom Deck zu waschen. Ringsherum blitzt es gewaltig, wir werden verschont, worüber ich echt froh bin. Meine Erfahrung mit einem Blitzeinschlag vor ca. gut 30 Jahren werden wieder wach. Ein weiteres Mal möchte ich das nicht mehr hautnah erleben müssen. Das Pfeifen in meinen Ohren ist das Souvenir seit dem damaligen Blitzeinschlag.
Die Nacht ist einmal mehr wie in den Tropen, wir haben zwar die Luken offen, aber leider die Moskitonetze vergessen, was einige der Blutgierigen Viecher ermutig sich in unserer Kajüte nach einem Cocktail umzusehen.
Eigenartig so ein erster August so ganz ohne Höhenfeuer und Feuerwerk, wir hören in der Schweiz ist das Wetter aber gar nicht in Festlaune mit all den Gewittern, Überschwemmungen und Hagelschäden. Wir denken an Nico, der ans Metallertreffen nach Wacken fährt, wenigstens hat er gute Wetteraussichten, nebst einem tollen Programm an coolen Bands.

Mittwoch, 2.8.2017 Alcudia

Nach einer weiteren schwül-heissen Nacht sind wir froh am Morgen uns wieder im Meer etwas abkühlen zu können. Dann machen wir uns auf die Suche nach der Altstadt von Alcudia. Doris fragt dazu nach dem Weg in einer der Boutiquen. Etwa 20 Minuten zu laufen, nun ja, nicht weit, aber bei der Temperatur. Es ist zwar noch Morgen, aber der Thermometer nähert sich bereits wieder gefährlich schnell der 30 Gradmarke. Die Altstadt von Alcudia gefällt uns sehr gut mit all den engen Gassen, Plätzen die Schatten spenden. Unterwegs müssen wir uns dann aber schon ein-, zweimal abkühlen mit etwas Kaltem zum Trinken.
Am Abend kommen wir mit unserem neuen Dinghi wieder zur Santjana zurück, um als erstes wieder mal im Meer zu landen – Abkühlung tut not. Immerhin ist es heute nicht mehr ganz sooo tropig wie gestern.

 

Donnerstag, 3.8.2017 Alcudia – Bahia de Arta 

Um Ein Uhr Nachts werde ich wach, weil die Santjana eine ruckartige Bewegung gemacht hat. Aha, der Wind pfeift wieder einmal durch unsere Takelage. Ich bleibe wach, ich traue der Geschichte nicht. Eine knappe halbe Stunde später gibt der Wind noch einmal richtig Gas, eine heftige Böe pfeift durch die Bucht und zieht unser Anker aus dem Grund. Schon wieder auf Drift, darf ja wohl nicht wahr sein! Also Diesel starten, Lichter an, Anker hoch. Nein, nicht schon wieder! Schon wieder hängt so ein verwaistes Kettenteil an unserem Anker. Mit einiger Mühe kriege ich das Ding von unserem Anker während das Boot hinter uns immer näher auf uns zu kommt. Dessen Insassen schlafen friedlich und merken nichts vom drohenden Malheur. Mit uns fahren noch sechs andere Boote von ihrem Ankerplatz weg. Wenigstens sind wir nicht die einzigen, bei denen der Anker nicht gehalten hat. Wir werfen unser Eisen etwas weiter draussen mit sicherem Abstand zu anderen Booten nochmals ins Wasser. Sicherheitshalber halten wir Ankerwache, da der Wind immer noch recht heftig ist. Kurz vor Morgengrauen beruhigt sich die Lage schliesslich und wir können noch einige Stunden schlafen. Trotz der kurzen Nacht machen wir uns dann etwas verspätet auf in Richtung Süden. Vorbei an Cabo Farrutz und Cabo des Freu geht es ans Nordende der Bahia de Arta. Wir legen uns dort vor den kleinen Strand, geniessend den Abend und gehen früh in die Federn. Heute sind keine komischen Wolken zu sehen, die Wind androhen.

 

Freitag, 4.8.2107  Bahia de Arta – Playa es Trench

Das Bad im kühlen Meer ist einfach herrlich, ganz anders als die warme Lauge in Alcudia oder gar Fornells. Richtig erfrischend! Sogar Fische tummeln sich um unser Boot. Natürlich bekommen sie die Brotresten vom Frühstück. Der Wetterbericht sagt für heute schwachen Wind aus Nordost voraus. Leider zu wenig, um segeln zu können. So Motorsegeln wir denn halt der schönen Südostküste von Mallorca entlang. Es herrscht ordentlich Betrieb auf dem Wasser. Besonders die Schüsseln mit ihren schäumenden Bug- und Heckwellen nerven. Besonders bei dem schwachen Wind heute lassen sie uns oft arg schwankend mit flatternden Tüchern in ihren Heckwellen zurück. Dazu sind wir offensichtlich für die Herrschaften unsichtbar, denn man könnte auch in grösserem Abstand um Segelboote herumfahren. Aber dazu reicht dann wohl der Sprit an Bord doch nicht, oder reicht das Hirn nicht dazu?
Wie auch immer, wir erreichen Punta Salinas ganz im Süden gegen den späteren Nachmittag. Zuvor haben wir die Städtchen Porto Christo und Porto Colom passiert. Beides schöne Orte mit guten Häfen, die zurzeit leider einfach völlig überlaufen sind. Das Meer bei Punta Salinas nimmt eine türkisblaue Farbe an, die man sonst wohl nur in der Karibik antrifft. Einfach nur schön anzusehen. Am Ankerplatz an der Playa es Trench tummeln sich sechzig Boote, verschiedenster Nationalitäten, Art und Grösse. Wir finden grad noch knapp Platz am Rand,
leider nur noch über steinigem Grund.

 

Samstag, 5.8.2017 Playa es Trench, San Jordi

 

Auch hier hat es Fische, die sich um unsere Frühstücksbrotresten balgen. Es kommt einem vor, als schwimme man in einem Aquarium. Mit dem Dinghi geht es nach San Jordi. Das Hotel steht noch immer, wo wir vor knapp dreissig Jahre unsere Flitterwoche verbrachten. Allerdings ist das Städtchen heute wie ausgestorben. Es sind wohl alle am Strand. Mit Mühe finden wir ein geöffnetes Lokal für etwas Kaltes zu trinken. Da es uns zu warm, bzw. zu heiss wird verziehen wir uns bald wieder in Richtung Santjana. Dort gibt es schönes Wasser rund um unser Heim und der Windgenerator hält den Kühlschrank schön kalt. Ich tauche nochmals, um nach unserem Anker zu sehen und oh Schreck, wie vorauszusehen, hat sich die Kette um ein paar Felsen gelegt. Das wird interessant, um da wieder frei zu kommen.

Sonntag, 6.8.2017 Playa Es Trench - El Arenal

Am Morgen müssen wir erst unsere Ankerkette ausfädeln, die sich mit einigen Felsen am Meeresgrund verstrickt hat. Nach einigem vor und zurück gelingt es uns die Ankerkette von den Felsen zu lösen und den Anker zu heben. Mit schönem Wind im Rücken geht es El Arenal entgegen, wo wir Nicolai abholen werden. Wir freuen uns beide schon seit Wochen auf dieses Wiedersehen. Es war ein denkwürdiger Augenblick als wir uns im April von ihm verabschieden haben, früh am Morgen in Basel!
Ums Cabo Blanco geht es in die grosse Bucht von Palma, hier war die letzten paar Tage richtig was los. Copa del Rey, ein grosser Segelanlass hier in Spanien, bei dem die Bucht gespickt ist mit Regattabooten. Wir haben das einmal selber erlebt als wir ums das letzte Kap kamen und uns hunderte von Booten entgegen kamen. Wir konnten uns nur noch irgendwie am Rande der Regattastrecke hochschleichen nach Palma. Aus diesem Grund liegen wir die nächsten paar Tage auch in El Arenal, da in den Marinas in Palma kein Platz für uns möglich war. Der Wind meint es heute aber wieder besonders gut mit den Seglern, nur für uns zum Anlegen ist es gar etwas zu heftig. Da wir die Marina noch nicht kennen und zu wenig über die dortigen Platzverhältnisse Bescheid wissen, entschliessen wir uns noch ein paar Stunden in der Bucht von Palma zu warten, um dann bei etwas weniger Wind anzulegen. Das Anlegen klappt dann aber auch vorzüglich und dann geht es ans Wäschewaschen, Boot abspritzen und DUSCHEN! Zuletzt gibt es den Anlegetrunk an der Bar des Club Nautico- ein eiskaltes Radler, der Schaum im Glas schon leicht gefroren – ein Traum!

 

Montag, 7.8.2017 El Arenal (Nico kommt zu uns)

Im Restaurant an der Strandpromenade gibt es erst mal Frühstück. Die Wirtin ist äusserst aktiv, rutscht Tische und Stühle, wässert ihre Pflanzen auf der Terrasse, rupft Blätter und gibt immer wieder mal Anweisungen an ihre Angestellten. Die Dame hat ihre Augen überall.
Um halb eins kommt der Bus von Nico, aber kein Nico drin?! Hat er den falschen Bus genommen oder diesen Bus verpasst? Plötzlich werde ich von ihm von hinten umarmt. Welch eine Wiedersehensfreude! Es gibt feuchte Augen, wer soll einem das übelnehmen, nach so langer Zeit?
Bei Tapas im selbigen Gartenrestaurant kommen wir drei dennoch zum Schluss, dass die Zeit seit April extrem schnell vorbeilief. An Bord kann sich Nico erst einmal in der Achterkoje einquartieren. Nur gut, haben wir gestern für ihn die Koje ausgeräumt. Der Nachmittag und Abend vergeht wie im Flug, wir haben uns viel zu erzählen. Wir freuen uns alle riesig auf die gemeinsamen Tage miteinander.

Dienstag, 8.8.2017 El Arenal (Bus nach Palma)

Wir nehmen den Bus nach Palma, kurz nach acht fährt er pünktlich von der Haltestelle beim Club Nautico weg. Nach einer rassigen Fahrt endet dies im Busbahnhof unter der Placa d’Espanya. Von Hier geht es zu Fuss Richtung Placa Mayor. Zuvor gibt es aber noch Cafe con Leche und Croissants. Da wir uns nicht zwischen Grande und Pequeno entscheiden können, gibt es je eines davon, nur gut haben wir nicht alles Grande Croissants bestellt, die waren wirklich «Grande».
Durch Gassen mit vielen Shops und irgendwelchen Läden geht es zu Placa Mayor, dann weiter in Richtung Hafen unter einer schattigen Baumallee. Schatten sucht man heute sehr gerne auf, es ist sehr heiss und kaum ein Lüftchen geht. Schön hat es so viele Restaurants die einem zum Verweilen verführen und man seinen Durst löschen kann. Die Tapas bei Don Piero schmecken sehr gut und der Cafe am Schluss weckt die Lebensgeister wieder.  Bereits ist es wieder Nachmittag, vor dem heimfahren wollen wir noch zur Kathedrale von Palma. Hier sind wohl die meisten Touristen. Strassenkünstler versuchen auf amüsante Art den Touristen ein paar Euros aus den Taschen zu luchsen. Ob als weisser Valentino, der rote Rosen an die Dame bringen will, als römischer Gladiator, der sich mit einem Touristen auf einen fiktiven Schwertkampf einlässt oder als Clown, der aus Ballons irgendwelche Gummitiere knubbelt, um diese dann den Kindern zu übergeben, in der Hoffnung die Eltern lassen dann etwas springen.
Die Kathedrale ist ein eindrücklicher Bau, das auf die Grundsteinlegung im 12Jh. Zurückgeht. Auffällig daran ist auch, dass der Bau keine «richtigen» Türme besitzt. Auch das Gerichtsgebäude mit seinen Holzschnitzereien am Dachstuhl sind sehenswert.
Knapp nach fünf geht der Bus wieder in Richtung El Arenal. Wow, der Fahrer war früher Rennfahrer oder vielleicht auch Taxifahrer in Rio de Janeiro. Mann, der drückte vielleicht auf die Tube! Dennoch erreichen wir wohlbehalten wieder unseren Ausgangsort. Dort müssen wir noch ein paar Dinge einkaufen und aufs Boot schleppen, nur gut sind wir jetzt zu Dritt.

 

Mittwoch, 9.8.2017 El Arenal – Playa es Trench

 

Es ist bereits wieder halb elf, als wir die Leinen loswerfen und uns in Richtung Playa es Trench aufmachen. Erst hat es gar keinen Wind, also Diesel. Dann hat es Wind, also Segel hoch. Nach 20 Minuten will der Wind nicht mehr, also Diesel. Schliesslich gibt sich der Wind die Ehre und bläst uns genau auf die Nase. Nun wollen wir auch nicht mehr, wir sind ja auch bald an unserem Ankerplatz. Diesmal ankern wir im türkisblauen Wasser über Sandgrund. Ein Augenschein mit der Taucherbrille zeigt es deutlich, der Anker hat sich schön eingegraben. Es soll wieder viel Wind geben in der nächsten Nacht. Dazu überzieht sich auch der Himmel schon wieder mit dicken schwarzen Wolken und in der Ferne hört man Donnergrollen. In der Dunkelheit komme noch einige Nachzügler in die Bucht, einer etwas zu nahe bei uns.

 

Donnerstag, 10.8.2017 – Playa es Trench

Um viertel vor eins nimmt der Wind stark zu und ich beginne mit Ankerwache. Es ist Gewitterstimmung, immer wieder blitzt es hinter uns, wir werden jedoch verschont. Am Morgen beruhigt sich das Wetter wieder, dafür regnet es und ist eher kühl unfreundlich. Am Nachmittag montieren wir den Aussenborder am Dinghi, was dank der Unterstützung von Nico flott von statten geht. Dann tuckern wir zu dritt nach San Jordi. Dort gibt es wieder einmal ein Radler an Land und einkaufen müssen wir auch wieder einmal. Wir geniessen den Abend zu dritt im Cockpit der Santjana. Um uns verlassen die Schüsseln die Bucht und es wird stiller um uns herum. Dafür gibt es wieder einmal einen ganz tollen Sonnenuntergang, da muss man einfach immer wieder hinsehen.

Freitag, 11.8.2017 – Playa Es Tench
Der Wind am Morgen ist eher schwach, wir verzichten daher auf einen Segeltag und legen uns ein paar Stunden an den Strand, wo emsiges Treiben herrscht. Am frühen Nachmittag legt dann der Wind doch noch zu und die Wellen stehen in die Bucht. Die Rückkehr besonders das Einsteigen ins Dinghi ist eher sportlicher und Nasser Natur. Punkt 21.00 Uhr stellt der Wind wie vorausgesagt ab, um später aus der entgegengesetzten Richtung zu blasen. Die Tapas von Doris schmecken uns allen dreien einfach super. Dazu ein Glas Rosé, wir reden und lachen viel zusammen. Es macht einfach grosse Freude mit Nico die paar Tage hier zu verbringen in einer entspannten Atmosphäre.
Wir erinnern uns ans letzte Abschiednehmen in Basel, als Dodo und er uns nach Basel gefahren haben, wo wir dann im Zug in die Bretagne verschwunden sind. Wenn wir unterwegs sind, denken wir öfter an solche Momente, an Nico und all die Lieben, die wir zurückgelassen haben. Wohl der Preis, den wir für unser Abenteuer und unsere Freiheit zu bezahlen haben.

Samstag, 12.8.2017 Playa Es Trench – El Arenal

Die Nacht ist im Gegensatz zur vorherigen Nacht angenehm ruhig verlaufen. Nach dem Frühstück ein letzter Kopfsprung ins türkisblaue Wasser der Bucht. Dann bereiten wir uns auf den Rückweg nach El Arenal vor. Zusammen mit Nico holen wir den Anker ein, setzen die Segel, als der Wind Segeln erlaubt und freuen uns an der Stille, während die Santjana gemächlich der Südwest Küste von Mallorca hochsegelt. Viel wichtiger als möglichst lange Strecken u segeln, war uns hier einfach möglichst viel Zeit zusammen zu verbringen, der Zeitpunkt des Abschieds nähert sich leider extrem schnell. In El Arenal angekommen, erledigen wir noch einige kleinere Arbeiten, gehen duschen und lassen uns dann ins Nachtleben von El Arenal treiben. Beim Tex Mex geniessen wir wieder einmal mexikanisches Essen, aber die Portionen sind viel zu gross für uns. Ein letztes Bier und dann geht es auch schon wieder zurück zum Boot, um an der Matratze zu horchen.

Sonntag, 13.8.2017 -  El Arenal

Ufff, viel zu schnell ist die Nacht vorbei, der Wecker holt uns in die Realität zurück. Gemeinsam nehmen wir einen Kaffee und ein Croissant zum Frühstück in der nahen Kneippe und ein letztes Radler zum gemeinsamen «Anluve und Abfalle!» bevor wir uns zum Abschied nochmals tüchtig umarmen. Dann kommt der Bus, Nico steigt ein und der Bus verschwindet mit ihm an Bord um die nächste Kurve. Wir bleiben zurück und müssen den Abschied erst noch verarbeiten. Viel zu schön waren die letzten paar Tage zu dritt. Wir freuen schon sehr auf unser nächstes Wiedersehen, es geht allerdings noch ein ganzes Weilchen. Aber Vorfreude ist eben auch etwas sehr Schönes und die Erinnerung an die gemeinsamen Tage bleiben uns ja auch.

Montag, 14.8.2017 El Arenal

 

Eigentlich wollten wir heute noch bei der Ferretteria (Do-it-yourself) vorbei, da wir wieder etwas Boat Improvement betreiben müssen. Heute ist allerdings Maria Himmelfahrt, alle Läden bis auf Spar und Co. geschlossen. Wir nutzen den Tag um unseren Blog auf Vordermann zu bringen inkl. Fotos hochladen. Am Abend kommen etwa 6 oder acht Schüsseln kurz nacheinander in die Marina, alle um einen begehrten Liegeplatz buhlend. Dem deutschen Skipper einer grösseren Schüssel platzt der Kragen, als ein anderer an ihm vorbei zu seinem Platz will. Lautstark dröhnt es durch die Marina: « Hau ab, du Penner» Der Deutsche durfte dann als letzter des MoBo-Ruddels dann auch noch anlegen…

 

Dienstag, 15.8.2017 El Arenal – Es Trenc (San Jordi)

 

Der Wind bläst natürlich wieder mal aus der ungünstigsten Richtung, so bitten wir den Marinero um Unterstützung beim Ablegen. Wir wollen vermeiden, dass wir uns in einer der Mooringleinen von unserem Nachbarn verheddern. Voller Verständnis werden wir vom Marinero per Boot etwas von den Strippen weggezogen. Marina El Arenal, ihr wahrt Super, ein grosses Kompliment, schöne Marina, freundliche und hilfsbereite Mitarbeiter! Vielen Dank, wir werden das vermissen!

Die Fahrt nach Es Trenc geht gegen den Wind, der aus Südosten kräftig bläst und eine ruppige See entstehen lässt. Südlich von Cabo Blanco bessert sich die Situation, die See wird flacher und ruhiger. Bald finden wir unseren Ankerplatz in 3m Tiefe über Sand.

Mittwoch 16.8. – Sonntag 20.8.2017 Es Trenc

 

Wir geniessen den kilometerlagen Sandstrand und das warme türkisblaue Wasser der Bucht.

 

Der Servelatsalat von Doris mit den Servelats, die Nico mitgebracht hat, schmecken einfach nur Super!

 Wir lernen am Strand Rainer kennen, mit dem wir uns öfters länger unterhalten. Rainer, ebenfalls passionierter Segler aus der Nordsee- Region ist sichtlich angetan von unserem Vorhaben. Er verbringt seine jährliche Freizeit jeweils als Entwicklungshelfer in einem afrikanischen Land, wo grad Not am Manne ist. Chapeau, toll, dass es solche Leute wie Rainer gibt.

 

Die Sonnenuntergänge sind eine Sache für sich hier. Immer wieder lassen wir uns durch das Farbenschauspiel hinreissen und beeindrucken. Mal mit klarem Himmel, wolkenlos, mal mit tollen Wolkenkulissen.

 Das Wasser um unser Schiff lockt uns immer wieder zu einem Bad, einfach nur schön!

 Am Samstag fahren wir mal wieder mit dem Dinghi nach San Jordi, eine lange und nasse Meile gegen den Wind, der wieder einmal kräftig bläst

Montag, 21.8.2017, Es Trenc (Mallorca) – Santa Eulalia (Ibiza)

 

Heute wollten wir eigentlich nochmals kurz an den Strand. Wir machen uns aber im Boot zu schaffen. Betten neu beziehen, putzen, Aussenlautsprecher wieder in Betrieb nehmen. Pactor Einbau vorbereiten, eine alte Elektronikeinheit ausbauen, Shorts und Kleider kürzen und nähen mit der Nähmaschine, Boot klar machen zum Auslaufen, Wetter prüfen, nächsten Hafen auf Ibiza genauer unter die Lupe nehmen, etc. Alles Dinge die Zeit beanspruchen und den Tag wie im Fluge vorbei gehenlassen. Schon ist es halb drei, nachher noch eine Stunde schlafen, es wird ein langer Nachttörn nach Ibiza.

  

Dienstag, 22.8.2017, Santa Eulalia
Der Schlag von Mallorca nach Ibiza verläuft ruhig, es hat wenig Wind, wir dieseln den ganzen Weg. Um ca. acht Uhr erreichen wir die Einfahrt zur Marina von Santa Eulalia. Mein Aufruf per Funk bleibt unbeantwortet, als wir zur Tankstelle fahren heisst es dort das Office sei noch bis Neun geschlossen und Diesel gäbe es zurzeit nicht, erst in einer halben Stunde. So dümpeln wir gute 40 Minuten vor der Einfahrt, um dann nochmals einen Anlauf zu machen. Nein, der Diesel sei noch nicht angekommen. Macht nichts, wir legen trotzdem an. Nach einigem hin und her sind wir dann so gegen Mittag an unserem Liegeplatz. Erstmal Duschen, am besten grad am Heck ab Wasserschlauch, es ist heiss. Dann die üblichen Dinge, die es nach dem Ankommen zu erledigen gibt.

 

Mittwoch, 23.8.2017, Santa Eulalia – Eivissa (Ibiza Stadt)

 

Mit der Buslinie 13 geht es zeitig nach Eivissa. Von der Busstation geht es zuerst zum Hafen. Gut sind wir in St. Eulalia geblieben, den hier ist es arg voll und die Preise für den Liegeplatz wohl auch nicht grad die günstigsten. Nachdem wir uns am Hafen genug umgeschaut haben, gehen wir durch enge Gassen und alte Kasematten zur alten Festung hinauf, von wo wir einen phantastischen Rundblick auf den Hafen von Eivissa, Formentera und die Durchfahrt zwischen Formentera und Ibiza haben. Mittlerweile brennt die Sonne schon recht heiss, wir sind froh schon oben zu sein und den Aufstieg durch die Kasemattentunnels war angenehm kühl, ganz im Gegensatz zur Treppe, wo wir wieder in Richtung Stadt absteigen. Unterwegs können wir unseren Durst noch mit einem grossen Glas Shandy löschen. (Shandy= Bier mit Fanta Lemon, sehr, sehr lecker!) Noch etwas durch die engen Gassen streifen, dann ist es auch schon wieder Zeit für die Rückfahrt.

 

Donnerstag, 24.8.2017 Santa Eulalia

 

Eigentlich sollte die Brille von Doris mittlerweile schon eingetroffen sein, Nachforschungen beim Lieferanten, bei der Capitania und Correos fördern aber nichts wirklich Brauchbares zu Tage. So verbringen wir den Tag mit kleinen Arbeiten am Schiff. Grad, als Doris unser neues Dinghi bemalen will, rauscht ein Segelboot neben uns in die Seite, kracht dabei in unser Heck und zerdeppert unsere Man over bord Boje. Der spanische Skipper ist untröstlich, er entschuldigt sich und informiert anschliessend seine Versicherung. Naja, der Tag hätte das nun wirklich nicht gebraucht. Meine Nachforschungen nach einer passenden Servicestation für die Boje verlaufen nicht grad vielversprechend. Meine Anrufe dort bleiben unbeantwortet, ebenso meine E-Mails…. Naja….
Immerhin finde ich eine Adresse der Wartungsstation Santa Eulalia. Super, immerhin hat es hier grad was. So packe ich die mittlerweile wieder entlüftete Boje in eine grosse Tüte und latsche bei gefühlten 40 Grad durch Santa Eulalia. Natürlich war die Adresse von Dr. Google Mist und ich kehre nach einer Stunde unverrichteter Dinge mit Boje wieder zurück. So geht der Tag auch vorbei…. Immerhin hilft das grosse Glase Shandy im «El Corsario Negra» etwas drüber hinweg. Hier kann ich auch dank guter WiFi Verbindung einen Bojenplatz bei Espalmador für den nächsten Montag buchen. Was eigentlich ein Aufwand von wenigen Minuten wäre, wird dank Systemproblemen beim Anbieter zu einem langwierigen Geduldsspiel, das sich bis Freitagnachmittag hinzieht. Hier gehen halt die Uhren doch merklich langsamer.

Freitag, 25.8.2017, Santa Eulalia

 

Die Nacht war wieder einmal tropig warm. Von Brille keine Spur. Immerhin konnte ich meine Schadensmeldung vom gestrigen Ramming an die Versicherung des Eigners absetzen. Der Erhalt meiner Mail wurde sogar umgehend bestätigt (staun!)
Jetzt sitzen wir beide im Cockpit mit möglichst wenig am Körper, Doris bemalt das Dinghi fertig in der Hoffnung, dass nicht wieder einer daher rauscht…. Und ich schreibe mal wieder an diesem Blog. Gegen Abend fahren wir nochmals nach Eivissa zur dortigen Vertretung von Multiopticas, in der Hoffnung, dass wir so mehr über den Verbleib von der Brille von Doris in Erfahrung bringen können. Die dortige Verkäuferin bemüht sich extrem darin uns zu erklären, warum sie uns unter keinen Umständen helfen könne. So kehren wir nach einem Shandy halt wieder unverrichteter Dinge nach Santa Eulalia zurück. Vielleicht kommt die Brille ja noch morgen Samstag, oder am Montag.

 

Samstag, 26.8.2017 - Santa Eulalia

 

Die Brille von Doris ist eingetroffen – uffff!! Geduld zahlt sich offensichtlich doch aus! Den Bojenplatz konnten wir auch reservieren und die Bestellung für den neuen Anker und die längere Kette konnten wir nach längerem E-Mail- Verkehr auch absetzen. Nur die Versicherung von unserem Nachbarskipper, der uns angerempelt hat, hat noch Funkstille. Es ist schwül-heiss hier im Hafen, wir benötigen immer wieder eine Dusche. Immerhin komme ich dazu den Aerogen 6 Windgenerator zu schmieren.

 

Sonntag, 27.8.2017 – Santa Eulalia

 

Frühstück gibt es heute am Sonntagmorgen mal im «El Corsario Negra». Dann muss ich mich mal endlich um den Ölstand vom Getriebe kümmern. Ich komme mir vor wie im Kinderbuch «Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer», denn um an den Ölmessstab des Getriebes zu kommen muss ich zuerst die gesamte Achterkabine ausräumen, dann Matrazen und Bodenbretter entfernen, um dann endlich zwischen Abgas- und Kühlschläuchen die Mutter lösen zu können. Nach ei er schweisstreibenden Stunde ist alles wieder eingeräumt und der Ölstand io. – uuufffff. Jetzt gibt es erst mal eine Dusche und dann ein Shandy im «El Corsario Negra», wo wir auch unseren Blog wieder mal auf Vordermann bringen können.

 

 

Montag, 28.8.2017 Santa Eulalia – Espalmador

 

Wir verlassen Santa Eulalia kurz vor Mittag, nachdem wir für die nächsten Tage noch etwas Vorrat eingekauft haben. Dann geht es der SW-Küste von Ibiza entlang, vorbei an Eivissa. Dort liegt ein weiterer Cruiser am Quai, ein Riesending, allerdings ist das Wetter heute nicht so doll, es ist bewölkt und eher regnerisch. Weiter geht es in Richtung Freu Grande, der Durchfahrt zwischen Ibiza und Formentera. Trotz regnerischem Wetter herrscht reger Verkehr, viele Motorboot, die mit Vorliebe möglichst nahe an uns vorbeifahren und uns dann schwankend und wirbelnd in ihrer Heckwelle zurücklassen. Auch einige Fähren kreuzen unseren Kurs, sie bringen Passagiere von und nach Formentera. Wir umrunden die kleine Insel Espalmador und werden dort an einer Boje in Empfang genommen. Wir geniessen das Schwimmen im angenehm kühlen Meer, besonders nach diesem schwülen Tag. Gegen Abend wir es tatsächlich voll rund um uns herum. Das einsame Huas auf der Insel wird in der Nacht mit Fackeln beleuchtet, sehr schön anzuschauen. Angeblich soll die Insel in Privatbesitz sein, sehr grosszügig, dass der Besitzer den Besatzungen erlaubt an den Strand zu kommen und dort zu baden.

 

Dienstag, 29.8.2017 – Espalmador

 

Gemäss Wettervorhersage soll es heute so richtig blasen, der Wind ist ab acht Uhr angesagt. Tatsächlich kommt er dann erst am späteren Abend. Der Himmel verdunkelt sich, und es pfeift übers Wasser. Santjana bewegt sich ruckartig hin und her, es entsteht doch ein ruppiger Wellengang in der Bucht. Alle Boote schwojen stark an den Bojen, die Trossen knirschen an den Klampen. Das Geräusch des Windes, der unvermindert auch in der Nacht bläst und das Geknirsche der Trossen begleitet uns bis am nächsten Morgen. Nur gut, dass die Trosse, mit der wir festgemacht waren gut gehalten hat. Zwischendurch hat uns ein mulmiges Gefühl beschlichen, in welchem Zustand wohl die Trosse wohl sein mögen, mit der wir hier festgemacht waren.

 

Mittwoch, 30.8.2017 – Espalmador – Sant Antoni de Portmany

Wir verlassen die Bucht von Espalmador bei Wolkenverhangenem Himmel, es windet immer noch, wenn auch nicht mehr ganz so heftig wie über die Nacht. Natürlich haben wir den Wind aus NW, also voll auf die Nase. Wir passieren das Cabo Llentrisca und fahren weiter zwischen der Insel Es Vedra und dem Cabo Jueu durch. Die Insel Vedra sieht aus wie ein steiler Vulkankegel, der einige hundert Meter in den Himmel ragt. Die felsige Küste ist stark zerklüftet und bietet ein pittoreskes Bild, hier bearbeiten Wind und Wellen abwechselnd den Felsen und waschen zahlreiche Nischen und Höhlen aus.
Bei sonnigem Wetter und beinahe Windstille legen wir am Steg der Marina in Sant Antoni an. Der Nachmittag vergeht wie im Flug, Im nahen Bistro trinken wir ein sehr seltsames Gebräu, Cider aus Heidelbeeren und Himbeeren gebraut. Die Kellnerin fragt uns, wie wir das Getränk mögen. Ich antworte ihr offen: «That was the first, only and last time, that I drink this cider!» Es war einfach widerlich, einfach «chotzgruusig!». Wir mussten den Geschmack anschliessen mit einem normalen Bier neutralisieren. Dafür schmecken die Thai noodles dort umso besser. Ich beschliesse den Tag früher als sonst, ich muss noch etwas Schlaf von gestern nachholen.

 

Donnerstag, 31.8.2017

 

Trotz vollem Hafen, dürfen wir noch einen zweiten Tag anhängen. Wir suchen in einer der Ferreterias am Ort nach einer Fliegenklatsche und einer Steighilfe, damit die Skipperin etwas fraulicher an Bord steigen kann. Der Steg ist ein guter Meter tiefer als das Deck der Santjana und erfordert jedes Mal einen ziemlichen Klimmzug. Das Cider im «Shennigans» ist nun wirklich, wie wir uns ein Cidre wünschen. Wir schauen dem Treiben in den Gassen von Sant Antoni zu. Das scheint hier eine englische Enklave auf Ibiza zu sein. Vor allem jüngeres Volk, meist mehr oder weniger stilvoll tätowiert und mehr oder weniger vorteilhaft bekleidet. Aber unterhaltsam zum Zusehen und etwas durch den Kakao zu ziehen. Nur gut, dass niemand unser eigenes Kauderwelsch versteht. Kaum haben wir geduscht, kommt auch schon der angedrohte Regen. Allerdings nicht als massive Dusche, sondern sporadisch, immer wieder mal ein Schauer. Das Wetter gibt uns Zeit, um mal wieder etwas zu lesen oder auch mal wieder am Blog zu schreiben.