Mittwoch 1. August 2018

 

Wir machen früh am Steg von Marino di Campo an, für Dingis hat s hier fast keinen Platz, kein Wunder also, wenn an der Anlegestelle immer ein grosses Gedränge herrscht. In der Bar «Ilvelerio» bestellen wir einen Capucchino und ein Cornetto con Marmelata, es schmeckt beides sehr gut. Sonst verpflegen wir uns lieber an Bord, auch die Preise in den Restaurants befinden sich gerade in einem extremen Sommerhoch!
Der Weg in den örtlichen Supermarkt ist wenigstens zum grossen Teil im Schatten, es ist zwar erst kurz vor Zehn, aber bereits ordentlich heiss. Im Rückweg schleppen wir dann einige Taschen mit Frischwaren und Getränken.
Einfach nur super, dass wir nach der Rückkehr an Bord einfach ins kühle Wasser springen können. Gegen Abend füllt sich die Bucht wieder mit anderen Booten, die hier auch ankern wollen. Wir stossen im Cockpit mit einem Planteur auf den 1. August in der Schweiz an und schicken ein paar liebe Grüsse in die Schweiz.

 

Donnerstag 2. August 2018 - Ausflug nach Portoferraio
Heute wollen wir mit dem Bus nach Portoferraio und machen uns dazu wieder früh auf in Richtung Landesteg. Weil ein netter Zeitgenosse sein Riesengummiteil genau längs am Steg festgemacht hat, müssen wir dessen Strippen lösen und neu festmachen. Darauf werden wir lautstark zusammengeschissen, was wir mit seinem Tender machen. Mein Hinweis, nächstes Mal etwas gescheiter festzumachen und auch an andere Anleger zu denken, wird mit einer weiteren Tirade kommentiert. Wir können nur den Kopf ob dem Hitzkopf schütteln und hoffen im Stillen, dass der (…) keine Rache an unserem Dinghi nimmt. Mit etwas gemischten Gefühlen besteigen wir den Bus, der uns in einer guten halben Stunde ins Zentrum von Portoferaio bringt.
Es ist heiss!
kehren in der Bäckerei zu einem Capucchino ein, wo wir vor fünfzehn Jahren das erste auf Elba für einen Segeltörn waren. Es sieht immer noch gleich aus und auch der Capucchino ist immer noch genauso gut, wie damals. Wir steigen die enge Strasse zur Fortezza Falcone hoch.
Es ist HEISS!
Wir kommen arg ins Schwitzen, nur gut haben wir vorsorglich Wasser im Rucksack dabei. Die Aussicht von oben entschädigt uns für die Plackerei.
Wir schlendern noch hinüber zur Villa, wo Napoleon hier im Exil lebte. Den Besuch derselbigen schenken wir uns allerdings.
Es ist noch Heisser!
Schleunigst gehen wir über die Treppen wieder hinunter in die Stadt, unsere Wasserflasche ist bereits ausgetrunken und wir haben ziemlich grossen Durst. Es gibt hier etliche neue und neu renovierte Lokale, die italienische Spezialitäten zu gehobenen Preisen anbieten. Wir lassen diese links liegen, nicht nur aus Rücksicht auf unser Budget, sondern weil wir ob der Hitze einfach keine Lust auf Linguine und Tagliatelle haben. Wir sind echt mit einem Glas kühlen Bier’s zufrieden.
Nach einem abschliessenden Spaziergang rund ums Hafenbecken, welches erstaunlicherweise ziemlich leer ist, machen wir uns wieder auf den Heimweg nach Marina di Campo.
Glücklicherweise schaukelt unsere Snoopy unbehelligt am Steg und bringt uns in wenigen Minuten wieder zurück zur Santjana. Schell aus den Kleidern und ins kühle Meer!
Wir scheinen für unseren Ausflug nach Portoferraio aber auch ausgerechnet einen der heissesten Tage ausgesucht zu haben.

 

3./4./5. August 2018 – Marina di Campo

Wir geniessen die Bucht und das blaue Meer in vollen Zügen. Von zuhause bekommen wir Nachrichten zur Hitze und Trockenheit. Wir wünschen der Schweiz ein paar niederschlagsreiche Tage und etwas Erleichterung der angespannten Lage.
Die Abende an Bord sind super, wenn die Sonne langsam dem Horizont zustrebt und eine kühle Abendbrise über das Wasser in der Bucht streicht. Dazu ein Glas Rosé, so kommt das richtige Feriensegler Feeling auf.

Montag 6.August 2018 – Marina di Campo

 

Ein letztes Colazione al Elba – Cappuccino mit Cornetto marmelata, nochmals frische Früchte und Gemüse einkaufen samt was man sonst noch alles so braucht in den nächsten Tagen. Morgen soll es weitergehen in Richtung Korsika. Den Rest des Tages geniessen wir nochmals das erfrischende Bad in der Bucht von Marina di Campo. Gegen Abend kommt der Kutter, der Passagiere zwischen Marina di Campo und Pianosa hin und herfährt sehr nahe zu uns ankern. Meine Frage, warum man 10 Meter von uns weg den Anker werfen muss, wird mit einem unfreundlichen Achselzucken beantwortet. Als der Bug des Kahns sich uns immer mehr nähert stehe ich demonstrativ aufs Vorschiff und rufe denselben Satz nochmals hinüber. Keine Antwort, aber immerhin geht man etwas mehr auf Distanz, immerhin….

 

Dienstag, 7.August 2018 – Marina di Campo – Korsika

 

Um 7.30 sind wir schon wach und mach uns bereit zur Abfahrt. Ich starte die Ankerwinde, die sich rumpelnd zu drehen beginnt, allerdings um nach einigen Sekunden wieder zu stoppen. Bein widerholten drücken der Auf-Taste passiert nichts mehr. Guter Rat teuer, den Rest des Tages verbringe ich mit Fehlersuche. Schalter, Sicherung, Relais, alles scheint in Ordnung zu sein, also muss es der Motor sein, der seinen Geist aufgegeben hat. Wo kriegen wir auf die Schnelle einen neuen Motor her? Portoferraio oder Bastia auf Korsika? Ich tippe auf Bastia, also nächsten Morgen Anker hebe auf die alte Art mit Muskelkraft.

 

Mittwoch, 8. August 2018 – Marina di Campo nach Bastia

Die 60 Meter Kette manuell einholen sind ein sehr muskelintensiver Sport, es dauer eine gute Viertstunde bis die Kette eingeholt ist. Das Klack-Klack der Winde ist weithin zu hören, naja, es ist immer hin schon knapp acht Uhr, somit sollten eigentlich schon bereits alle wach sein. Wenn nicht, sind sie es jetzt mit Sicherheit. Die Überfahrt nach Bastia machen wir unter Motor, der Wind lässt sich wieder mal bitten. Im Port de Toga, neben dem Fährhafen von Bastia erhalten wir einen Platz längsseits am Steg. Die Marina ist ordentlich klein, von irgendwelchen Werkstätten ist nicht viel zu sehen, auch Ausrüster gibt es keine hier. So werden wir wohl unsere Kette bei den nächsten Ankermanövern immer per Hand einholen, bis wir am Festland auf eine bessere Marina treffen. Naja, ist ja gut für die Fitness….
Die Disco neben unserem Stegplatz macht Party bis morgens um Fünf(!)

Donnerstag, 9.8.2018 – Bastia

 

Wir unternehmen einen Spaziergang in Richtung Altstadt, es ist bereits am Morgen schon sehr heiss. Am Hauptplatz geniessen wir einen Grand Creme im Schatten. Wir gehen noch bis zur Festung hoch, um dann durchgeschwitzt wieder umzukehren. Am Nachmittag überhole ich unsere Ankerwinsch, damit sie wenigsten manuell gut funktioniert. Die Sonne brennt gnadenlos aus dem blauen Himmel herunter, wie ich mich im Ankerkasten zu schaffen mache. Immerhin machen sich am Himmel Wolken breit und versprechen ein Gewitter mit Abkühlung.

 

Leider haben die Gewitterwolken abgedreht in Richtung Süden, es wird wohl auch heute nichts mit einer Abkühlung.

 

Wir schliessen den Schlauch an, um unser Boot wieder einmal zu waschen und aufzutanken, das Wasser tröpfelt mehr aus dem Ende, als das es spritzt, die Putzerei und das anschliessende Auftanken geraten zum Geduldsspiel.
Auch heute wieder Partystimmung in der Disco neben unserem Liegenplatz, die Bässe wummern bis morgens um fünf und versetzen das Hafenbecken in Schwingung. Mit Ohrstöpseln bringen wir es fertig trotz Krach einigermassen zu schlafen.

 

Freitag, 10.8.2018 – Bastia

 

Mitten im Petit Dejeuner klingelt mein Mobile, Port Camargue meldet sich und teilt uns mit, dass wir einen Platz zum überwintern in Port Camargue bekommen würden. Freude herrscht, bisher war meine Anfrage erst vage beantwortet worden, evtl. ginge es, aber …..
Am Abend suchen uns die Tigermücken heim, weiss der Teufel, wo diese Mistviecher plötzlich herkommen. Der karibische Antimückenspray hilft nicht, im Gegenteil, Erst der französische Spray bringt Abhilfe.
Heute ist zur Abwechslung Chanson- Abend in der Bar Visasvis, aber keine Angst, die Disco kommt später noch, wumm, wumm, wumm……

 

Samstag, 11.8.2018 – Bastia nach Macinaggio

 

Wieder einmal steht Frisches einkaufen auf dem Programm, einen Cappuccino danach und anschliessend bereiten wir uns zum ablegen vor. Zuerst muss noch der Liegeplatz bezahlt werden, 71 EU pro Tag inkl. VAT, exkl. Dusche, naja….
Der italienische Motorkreuzer hinter uns macht ebenfalls gerade los und fährt weg. So ist das Ablegen ja ein Kinderspiel. Aber eben, wie es halt so ist, gerade als wir die Leinen losmachen wollen, kommt der Marinero und schiebt ein neues Segelboot in die entstandene Lücke. Die Matrosin bekundet leicht Mühe mit belegen ihrer Leine an der Klampe ihres Bootes, denn sie wickelt ihre Leine zwar kunstvoll um die Klampe, vergisst aber die Wulling mit einem Kopfschlag zu sichern. Als ich dann unsere Leine aus dem Ring am Steg löse, fällt die Leine ihres Bootes prompt ins Wasser und ihr Bott beginnt im Seiten wind vom Steg wegzutreiben. Mit etwas Glück kriege ich das slippende Ende noch zu fassen und ziehe den Kahn wieder an den Steg. Völlig aufgelöst muss die Dame von ihrem Skipper getröstet werden. Nach dieser Krise legen wir dann schliesslich auch noch ab, die Marino ist recht eng und wir müssen aufpassen, um nicht in die Boote auf der Leeseite oder an den Mooringleinen hängen zu bleiben. Schliesslich tuckern wir dann etwa drei Stunden der Ostseite von Korisika hoch nach Macinaggio.
Schon von weitem sehen wir einen Wald von Masten in der Bucht. Da wir mit unserer streikenden Ankerwinsch etwas im Nachteil sind und keine Lust haben auf unmittelbare Gesellschaft von anderen Ankerliegern 10 Meter von uns entfernt, bleiben wir ca. eine Meile südlich von Macinaggio in einer weiten Bucht und werfen dort Anker. Das nächste Boot ist ca. 500m weit weg für uns, ah, Friede und Freiheit, kein Motorgelärm der lästigen Motorjets, kein Wellenschlag, nur Zikadengezirpe und ab und zu ein Auto auf der fernen Küstenstrasse. Aber, man fasst es nicht, irgendein «liebenswerter Zeitgenosse» (nette Umschreibung meiner Verwünschungen) muss sich dann doch noch 3 Bootslängen neben uns legen. Dabei ist die Bucht wie gesagt etwa ein guter Kilometer breit und hat überall sandigen Grund, der gut hält. Vorbei ist es mit der Beschaulichkeit.

 

Sonntag, 12.8.2018 – Macinaggio

 

Badetag in der Bucht, wir sind wieder für uns, die Nervensäge von gestern Abend hat sich in aller Frühe davon gemacht.

 

Montag, 13.8.2018- Macinaggio – Saint Florent

 

Die Wetter vorhersagen im Windfinder versprechen ruhiges Wetter um Cap Corse und auch ruhiges Wetter in Saint Florent. Wir motoren wieder mal, der Wind lässt sich wieder einmal mehr bitten. Etwa eine Stunde frischt der Wind dann merklich auf und eine dunkle Wolkenlinie zieht vom Horizont auf uns zu. Als wir dann unser Ankermanöverfahren, bläst es mit 35 Knoten, Vorhergesagt waren 8kn mit 10 kn Böen (!) Die Vorhersagen sind wieder einmal beachtenswert zuverlässig. Wir werden während etwa zwei Stunden gut durchgeschüttelt an unserem Ankerplatz, dann ist der Spuck vorüber und das Meer glättet sich zusehends. In der Nacht sehen wir ein herrliches Feuerwerk von Wetterleuchten über der Ostseite der Insel. Das muss es ordentlich zur Sache gehen, während einer halbe Stunde sehen wir pausenlos den Schein von Blitzen.

 

Dienstag, 14.8.2018 – Saint Florent

 

Ein bedeckter Himmel begrüsst uns am Morgen, gemäss Vorhersage des Windfinders sollten wir eitel Sonnenschein mit 20kn Wind haben. Der Himmel zieht sich immer mehr zu im laufe des Tages und überall schiessen grosse Gewitterpilze in die Höhe. Diese entladen sich dann allerdings erst am Mittwochmorgen in einem starken Gewitter mit starkem Regen. Gut für die Santjana, die wieder einmal tüchtig gewaschen wird.
Zum Abendessen machen wir uns witterungstechnisch passend eine Portion Ravioli mit selbstgemachter Sauce und einem Glas Rosé im Cockpit. Leider kühlt es dann oben stark ab, so das wir uns in den Salon verziehen müssen, schade für den schönen Abend.